Aus allen Wolken

Dem Internet und allem elektronischen Zauber zum Trotz verbraucht jeder Deutsche 260 Kilo Papier im Jahr – 6 Prozent des Gesamtumsatzes vergeigt ein Unternehmen allein durchs Drucken. In unserer Redaktionskonferenz war das ein heißes Thema, denn mein verehrter Chefredakteur schwärzt nicht nur gerne Papier, er träumt auch in Papier - und zwar in gigantischen Mengen. „Wir wollen dickere Hefte machen“, hat er getönt“: „Von mageren 60 Seiten mit 160 Gramm in der Wirtschaftkrise wollen wir mit satten 300 Gramm den Aufschwung aufs Papier bringen.“ Das wäre bei einer 16.000 Auflage eine Steigerung von etwa 15,4 auf fast 30 Tonnen. Für einen, der gerne über „Energieeffizenz“ schreibt, ist das jede Menge Holz. Ich möchte das Holz jetzt nicht in Ikea-Schränke oder in mehr mechatronischen Reifegrad umrechnen. Jede Tonne Papier, die für die [me] statt für Ikea-Schränke verwendet wird, spart Schraubzeit, und bringt Freizeit für mechatronische Weiterbildung und neue Reifegrade oder alternativ für ein Wellness-Wochenende in Castrup-Rauxel.
Denken wir doch einfach papierlos, schränken uns ganz mechatronisch in der Hardware ein, integrieren die Software und schauen nach oben in die Wolken. „Steht Wolke hoch, zum herrlichsten geballt, verkündet festgebildet Machtgewalt“, so hat es Goethe gesehen.
Über Cloud Computing wusste er noch nicht Bescheid, aber dem alten Dichterfürsten und Naturwissenschaftler wären Nutzen und Gefahren aus den Wolken schnell aufgegangen. Trotz und wegen der Wolke ist der Himmel einfach blau, wenn man für mächtige Anwendungen keinen leistungsstarken Rechner mehr anstöpseln muss.
Und alles ist klasse im Katalog: „Cloud Computing ermöglicht einen flexiblen und bedarfsgerechten Zugriff auf IT-Ressourcen wie Speicherkapazität, Rechenleistung und Software. So werden neben „Software as a Service“ künftig auch „IT as a Service“ beziehungsweise „Infrastructure as a Service“ aus der Wolke angeboten. Dienstleister, die auch Partnern den Zugang zu ihrer Wolke ermöglichen, bieten diese als Plattform an.“ Wolkenkuckucksheim wird dann zur heimlichen Welthauptstadt. Hier zieht jeder, ob klein oder groß, seine globale und beliebig skalierbare Basis für Applikationen, Services und Infrastrukturen im Online-Zugriff aus der Wolke. Allerdings muss er mit wolkigen Abhängigkeiten und Geschäftsmodellen rechen. Denn ganz nach Goethe drängt es mit „Machtgewalt“ die Großen wie Google, Microsoft und Emerson in die Wolken. Ob sie dann irgendwann bestimmen, wann und wo es wieviel regnet, das weiß der Himmel.
Zurück zur Erde: Unser Chefredakteur sollte sich eine kleinere Cumulus-Wolke beschaffen und via IT-Dienst aus der Cloud die Auflage erweitern. Das würde dann weniger Papier auf der Erde verursachen, also alternativ mehr Ikea-Schränke ermöglichen – oder aber die [me] direkt auf die iPhones und iPads von 100.000 Usern und ganz nebenbei auch auf den iPod meiner Tochter beamen. Das passende E-Paper steht heute schon auf unserer Home-Page (me-magazin.com) und wartet auf das „beam me up, Heinrich!“ James Cameron hat mir auf der SolidWorks World 2010 in Anaheim nützliche Regietipps für den Dreh von [me]-Live gegeben. Vielleicht wird mein Chefredakteur sein Editorial bald als Rap im Nebelwald darbieten.

Übrigens: Weniger Regen, aber mehr Wind kommt aus der Wolke des Spiegels. Speziell für iPhone und iPad/iPod soll der Abonnent fürs Runterladen als E-Paper 13 Euro im Halbjahr extra zahlen. Eine interessante Preisstrategie! Vielleicht sieht der Spiegel die Leser mit den Merkmalen iPhone und iPad/iPod als steinreiche, dekadente, spätrömische Harz 4-Empfänger?
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Heinrich

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