"Der ist so klein und rast unter jeder Radarfalle durch"Bild: Karl Bichlmeir
Renntomaten gegen Radarkontrollen

Alles wird kleiner, das Realeinkommen, die Sensoren, die Elektromotoren und die Tomaten. Mit drei Millimetern sind die induktiven Näherungsschalter die weltweit kleinsten mit vollständig integrierter Auswertelektronik, so lautet eine typische Lieblingsmeldung unseres Chefredakteurs. Als sensorisch feinfühligem Mechatroniker schmilzt ihm das Herz bei so vielen Minis. Das kann ich nur objektbezogen nachvollziehen. Die kleinsten Sensoren und Motoren, die kleinsten Bananen und die Tomaten in Kirschgröße sind doch nur so klein, weil groß nicht passt, nicht schmeckt oder zuviel Masse hat? Bei den Tomaten stimmt der Vergleich Masse statt Klasse. Und die holländische Melonentomate wiegt fast ein Kilo bei Null Gramm Geschmacksdichte. Bleiben wir bei der Technik. Sie macht uns zwar nicht kleiner, aber immer schneller – und das kann problematisch werden, was unser Chefredakteur mit seiner Renntomate (rotes KFZ) unnachahmlich bewiesen hat. Sein unermüdliche Einsatz für die Mechatronik hat ihm mal wieder Ärger gebracht, diesmal beinahe eine Woche Untersuchungshaft – was mich kaum gestört hätte.

In der Reihe „Systeme im Vergleich“ wollte er mechatronische Radarwarnsysteme testen. Bei dem notorischen Zuschnellfahrer sind das fachliche und das Interesse am durch Strafmandate ungetrübten Leserglück eine unheilige Liaison eingegangen. „Keiner soll unschuldig in eine Radarfalle rasen, nur weil er zu schnell fährt.“ Von seiner eigenen Mission begeistert, mit dem ihm üblichen mechatronischen Eifer und viel kleinkrimineller Energie hat er drei Laser- und Radar Abwehrgeräte bestellt. Eins davon aus „zuverlässiger“ Quelle. Er wollte das Schnäppchen nutzen, das in einem Spamfax aus Addis Abeba angepriesen wurde. „Der neueste Schutz gegen Geschwindigkeitsmessungen“...jetzt zuverlässig .. und steuerlich absetzbar.....“ Ob es in Sekunden am Fahrzeug angebracht werden kann, das konnte er nicht testen, denn die Bestellung ist wohl irgendwo auf dem gefährlichen Landweg entführt worden.

Den Verlust – oder besser die Nichtlieferung hat er gleich der Polizei gemeldet. Damit hat er sich als Kenner der Rechtslage entpuppt, wie unser Anwalt Rüdiger Köbbing mit einem geheimnisvollen Lächeln bemerkt hat: Denn auf der Polizeidienststelle hat sich unser Chefredakteur auf ein BGH-Urteil berufen, dass bei Fernabsatzgeschäften auch dann ein Widerrufsrecht bestehe, wenn es sich um einen sittenwidrigen Kaufvertrag handele. Was der Kauf eines Radarwarngeräts ja wohl ist. Die Polizei hat sehr verständnisvoll reagiert und das rote Redaktions-Radar-Testfahrzeug (im Redaktionsjargon die „Renntomate“) eingehend untersucht. Leider waren das Laser- und das Radarwarngerät doch nicht so unauffällig zu montieren, wie die Verkäufer versichert hatten. Mit anderen Worten, es gab großen Ärger. Aus dem Einsatz für die Mechatronik und für die redaktionelle Unabhängigkeit von Radarkontrollen drohte eine Anzeige wegen Nutzung illegaler Systeme zu werden. „Dabei müssen sich doch auch illegale Systeme dem Vergleich stellen“, argumentierte unser ChR. Schließlich hat sich unser Rechtsanwalt mit den Ermittlern geeinigt: Unser Chef bleibt (leider)auf freiem Fuß und kann sich neue herausfordernde Systemvergleiche ausdenken. Es sei denn, er wird polizeilich ausgebremst, ich werde zu gegebener Zeit zweckdienliche Hinweise geben. Doch jetzt stoßen wir auf die Mechatronik und die Pressefreiheit an, während einer kleinlaut anmerkt, „Vielleicht war es falsch, die Polizei um Hilfe zu bitten.“
Das Positive an diesem Systemvergleich: der örtliche Polizeichef hat ein Abonnement der [me] bestellt: „Wir müssen dieses Heft weiter beobachten.“

Herzlichst
Heinrich

Unter Facebook: Heinrich Mechatronik

 

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