Germany's next Top-Connection

Worte dehnen sich, wie Marshmallows auf dem Grill. Aus dem Friseur entsteht ein mächtiger Haargott oder ein Pomade rünstiger Hairkiller: Waschen, fönen, wachsen, bitte! Pünktlich zu den Messen geht unser Chefredakteur zum Haareschneiden - mit Folgen.
Er legt Wert auf den Klassik-Frisör, einer der ganz ohne Hightech die Haare stylt. Seine Frisur sieht fast immer gleich aus, langweilig sagen die einen. Er nennt das standardisiert: "Sie ist wie meine Haare - eben keine Massenware."
Ein guter Haarbereiter bringt nicht nur das Haar in Form, sondern auch den Geist. Neue Themen, aussagekräftige Gespräche über Menschen, die der Hairgott kennt. Und das sind weit mehr als die, die an ihn und seine Standardfrisuren glauben. Das Gespräch beim Frisör verläuft ohne Schnörkel. Er hört etwas von einem Kunden und erzählt es dem nächsten mit kleinen Zusatzvarianten weiter. Auf Messen nennt man das interaktive Gespräche mit dem Kunden. Durch Interaktion wächst der Umfang der Information, ohne den Inhalt zu erweitern. Das ist der Stoff für Top-Nachrichten. Zum Beispiel, ob Heidi Klum und Seal noch ein Paar sind? Unser Frisör zweifelt daran. Er beruft sich auf zuverlässige Infos vom Kollegen, der Heidi schneidet, fönt und tönt. Sie haben richtig gehört, unser Friseur! Wir teilen uns den Frisör. Ich teile nicht gerne mit meinem Chef, aber so höre ich über interaktive Gespräche Dinge, von denen andere erst viel später erfahren. Seine  Dauerlottozahlen, die Schulnoten seiner Kids sowie Infos über seine bahnbrechenden Innovationen. Das sind Dinge, die wenn sie halbwegs funktionieren etwas mit Mechatronik zu tun haben. Meist fliegen uns diese Wunderwerke mechanisch um die Ohren. Kürzlich stellte er der Redaktionskonferenz seinen energiesparenden Kaffevollautomaten vor, ich war gewarnt. Mit einem Kaffee-to-Go  habe ich mich in die äußerste Ecke gesetzt.
Gut, das Ding war energiesparend, solange es nicht lief.  Die Maschine war  robust, wog allerdings drei Zentner. Sie funktionierte genau zwei Stunden im Sinne eines Kaffeevollautomaten. Die vertikale Integration der Espresso-Produktionsanlage über Real-Time-Ethernet ins Redaktionsnetzwerk war nicht ausgereift. Als ich nach dem Genuss meines autonomen Cappuccinos die Intranet-Kaffeelösung testen wollte, kam es zum Kaffeeeklat:  Die über Feldbus, Safety-Bus und Ethernet mit dem Redaktions-Leitrechner verbundene Steuerung der Kaffeanlage war überfordert. Nach meiner Systemintervention in Form einer Cappuccino-Bestellung, knallte es, und Rauch quoll aus der Küche. Die Visualisierung auf meinem Desktop meldete tropfenweise Flüssigkeitsabgabe in niedriger Temperatur und "No Milk Today". Also kein Cappuccino, sondern nur 15 Tropfen braune Lauwarm-Brühe und viel Rauch um nichts. Der Safety-Bus hatte den Not-Stopp eingeleitet. Per Ferndiagnose erfuhr ich, dass die Thermosicherung nach der hohen Belastung den bimetallenen Geist aufgegeben hatte und unser Bestellsystem just in time - das ist etwas langsamer als real-time -  eine Sicherung bei der Servicehotline auf den Kapverdischen Inseln bestellt hat.
Dann ist da noch die Sache mit Heidi Klum und "Germany`s Next Topmodel. Dank meiner Hair-Connection habe ist darüber "early on time" erfahren. Unseren Chefredaktuer fasziniert das Ziel, das alle Möchtegernmodels vor Augen haben: Sie wollen auf die Titelseite der Vogue. Dafür serviert ihnen Modelmama Heidi die idiotischsten "Challenges".  "Das werde ich auch für  den [me]-Titel einführen", hat mein Chefredakteuer unserem Friseur verraten. Jetzt sind mein Friseur und ich gespannt, welche verrückten Challenges er ausgeheckt hat. Vielleicht muss, wer auf den [me]-Titel will, das Perpetuum-Mobile als Kaffeeautomaten mit einem überzeugenden Maschinenkonzept realisieren. Im typischem Redaktionskonferenz-Deutsch ausgedrückt: Bisher verfolgen wir eine Anzahl verschiedener Lösungsansätze. Wir stochern also immer noch im Dunkeln. "Vielleicht managt Heidi ja die [me]-Titelhelden, wenn die Vogue statt doofer Girlis nur noch richtige Frauen will," mutmaßt mein (unser) Frisör.


Herzlichst

Heinrich

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