Herr XY bringt nach einem Messebesuch ein Überraschungs-präsent in die Redaktion.
Sehr geehrter Herr XY,

wir freuen uns über ihre Zusage und bestätigen Ihnen hiermit gerne die Teilnahme am Presse-Event ... mit diesem sehr persönlichen Anschreiben ist unser Chef kürzlich durch die Redaktion gelaufen und hat wieder mal über die Terminflut gejammert. Jetzt läuft er auch bei uns unter der Typenbezeichnung "Herr XY."

Hier eine 3-tägige Konferenz zur Förderung des deutschen IPC-Steuerungswesens, dann vier zweitägige Presse-Reanimations-Events, dann die Konferenz zum  friedlichen Engineering,  noch eine High-Techno-Tagung, dann Webinare, Oneline-Konferenzen und ein Live-Talk mit Mr. Super Wichtig. Wäre da noch der Vortrag über die geheimen Wünsche der Journalisten an die PR-Leute. Die vorläufige Antwort lautet: Ruhe.  Doch kein Tag vergeht, ohne Einladung zu Pressegesprächen. Das Motto "Meet the Press" scheint die Menschheit neu zu beseelen. Wie tief religiös dieser Glaube an  das Gute der Berichterstattung ist, belegt ein Namensschild mit dem ein mir bekannter Redakteur vor einigen Jahren ohne amtlichen Widerspruch frei über die Messe lief: 'Pater Schäfer' war darauf zu lesen.

Terminator gesucht

Soviel der Ehrfurcht, jetzt flattert noch eine Moderation ins Haus : "Leider nicht bei Wetten dass, sondern bei den Freunden der katholischen Antriebstechnik in Gelsenkirchen", beklagt sich mein Chefredakteur. Die Zeit ist geduldig und in ihren Dimensionen dehnbar, bis der Blackberry-Terminplaner piept und vor Überschneidung warnt.  24 Stunden am Tag sind beliebig planbar - aber das Jahr hat ja schließlich 365 Tage und ein guter Terminator macht nicht nur beim Film Karriere. Er könnte auch hier in der Redaktion die Termineinteilung koordinieren - oder alles kurz und klein schlagen - je nach Psychokonstitution.

Burn-out heißt die Ausfahrt Stress West. Sie befindet sich gleich hinter dem Kranken Kreuz ....
XY jammert mal wieder über seine schrecklich vielen Termine und summt recht avokal: " Heute hier morgen dort, bin kaum hier muss ich fort, hab mich niemals deswegen beklagt." Das hat Hannes Wader in den 70ern gedichtet. Heute beklagen sich alle. Ich nicht, zumindest nicht, wenn XY unterwegs ist.

Aber er hat es schwer, denn die richtig schönen Presse-Events werden immer rarer. Früher haben die Markt- und Technologieführer an attraktive Auslandsstandorte eingeladen. Heute reisen die Journalisten mit festem Schuhwerk zu Baugruben nahe der Bundesautobahn, um künftige Inlandsstandorte zu besichtigen.  Das ist gut so, denn es zeigt, wo am besten investiert wird - in feste Schuhe statt in Badeklamotten.

"Auf nach Moskau"

Wohl aus Nostalgiegründen, meldet jetzt ein großer Hersteller von allem möglichen, dass das Bolschoi-Theater in Moskau kürzlich dank seiner Technik wieder geöffnet hat. "Wir berichten darüber", hat mein Chef im vorauseilenden Gehorsam gesagt, und ich habe gleich dort angerufen, ob nicht eine Vor-Ort Recherche angemessen wäre?
Die nette Dame am anderen Ende der langen Leitung fand meinen Vorschlag der  High-Tech-Recherche hinter historischen Mauern zumindest anhörenswert. Nach Moskau bin ich deshalb nicht gekommen.

Dafür darf ich mit zur SPS/IPC/DRIVES ins vorchristkindlmarktliche Nürnberg.  Dort gibt es einige attraktive Lockangebote, die mich neugierig machen. Wie zum Beispiel eine Einladung, die zunächst ein lockeres Gespräch in entspannter Atmosphäre verspricht und dann die Kür für die Presse:  "Außer unseren Produkten erwartet Sie auch ein kleines Überraschungspräsent!"

Herzlichst Ihr Heinrich

 

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