Bild: Karl Bichlmeir Wege-ins-netz.de
Wien oder München?

Ich möchte mich jetzt von der [me]-Redaktion trennen. Meine neue Wahlheimat wird Wien – dort bewerbe ich mich als Multitalent beim Magistrat. Der Zulagenkatalog hat mich überzeugt. Die tägliche Leistungszulage für Datenerfasser, also Redakteure, bei der Stadt beträgt täglich 4 Euro. Und die Zulage für Amtsgehilfen, die überwiegend an Bildschirmgeräten tätig sind, umfasst zur Abgeltung der damit verbundenen Erschwernisse pro Arbeitstag 3,38 Euro. Und das ist längst nicht alles.  


Wenn ich meinen Dienstwagen selbst lenke, mir also „ein Dienstkraftfahrzeug zur selbstständigen Lenkung“ zugewiesen wird, bekomme ich eine Leistungszulage von monatlich 88,96 Euro. Klar, wer sein Dienstauto selbstständig, also ohne eigenen Chauffeur, lenken muss, braucht das.

Mein verehrter Chefredakteur wird dies verstehen, er lässt sich im eigenen Dienstwagen gerne chauffieren. Dann sammelt er ausnahmsweise mal keine Punkte für zu schnelles Fahren. Denn wenn er den Führerschein einen Monat wegen seinem erhöhten Punktekonto abgibt, darf ich ihn chauffieren – ohne Zulage – und muss mir noch seine Fahrtipps anhören. Als Wiener Beamter stünden mir 4,89 Euro für solch ein „fallweise“ zugewiesenes Fahrzeug zu. Wenn ich hier in München für die Redaktion in Sachen Weißwurstfrühstück Tag für Tag in einem mir zur Verfügung gestellten Fahrzeug unterwegs bin – bekomme ich nicht mal eine Sonderration Weißbier für meinen Service. In Wien wird alles besser – auch wenn Münchner Weißwürste dort nicht zum Kulturerbe zählen. Leider ordne ich Wiener Würste nicht als kulinarischen Zugewinn ein.

Für den Weißwurstverzicht steht mir in Wien jeden Tag eine Dienstantrittszulage zu, sobald ich überhaupt zur Arbeit erscheine. Zusätzlich erhalte ich noch eine „Aufwandsentschädigung“ für das Tragen von Zivilkleidern. Wiener fördern gutes Outfit. In unserer Redaktion ist die Kleiderfrage ein ständiger Streitpunkt. Mit grellbunten Hemden und geschmacklosen Billig-T-Shirts verletzt unser Chefredakteur ständig das ästhetische Bewusstsein einiger Kolleginnen.

Unsere Praktikantin Lisa erträgt es nicht mehr. Sie möchte sich deshalb ganz der Modebranche zuwenden – und ich mache mit. Gemeinsam werden wir die Mechatronic Fashion Week (MFW) begründen. Als erstes Projekt kürzen wir auf der Automatica das Blechkleid der Roboter – und revolutionieren die Techno-Szene. Jeder, der die [me] liest, weiß dass Software immer mehr Funktionen der Hardware übernimmt. Wie kurz das Blechkleid der Roboter jetzt wird, ist eine spannende Frage, die Modedesigner nachts nicht schlafen lässt. Welche Trends zeigt die mechatronische Fashion-Week? Wird sie in München oder Wien stattfinden?

Der Zulagenkatalog des Magistrats spricht für Wien: Dort beträgt die „Gehsteigzulage“ für Hausmeister in Amtsgebäuden 760,09 €. Nicht auszudenken, wie hoch die Laufstegzulage für Roboter ist, die sich alleine ohne Rollator über den Laufsteg trauen – und das selbstständige Lenken eines Gehwagens beläuft sich laut Zulagenkatalog pro Meter Wegstrecke auf 119,89 Euro. Nicht zu vergessen den Softwarezuschlag. Je mehr Funktionen die Software der Hardware streitig macht, desto mehr Zuschläge zahlt der Wiener Magistrat. Also jeder Zentimeter weniger Blechkleid des Roboters bringt bare Münze. Wenn die mechatronischen Models über den Laufsteg schreiten, klingelt die Kasse! Damit sie ganz hell im Hochton klingelt, muss Modelmama Heidi Klum mit in unsere Jury. Sie sucht neue Herausforderungen, denn Gemanys Next Topmodel hat nur noch einen beschränkten IT-Wert und ist aus mechatronischer Sicht ein Auslaufmodell: Magere Hardware, wenig Intelligenz und 100 Prozent Fashion-Alarm.

Die neue Roboter-Challenge wird Heidi ganz ungewohnte Einschaltquoten bescheren. Auf der Mechatronic Fashion Week in Wien wird Heidi ihren Robotern zurufen: „Mädchen, wir reisen nach Wien, ladet eure Software hoch, und lasst die High Heels im Spind. Nur Software zaubert die sexy Silhouette, macht wunderbar lange Beine und beschert den eleganten Look.“

 

Herzlichst

Ihr Heinrich

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