Quelle: kallejipp (Photocase), Bildbearbeitung: Karl Bichlmeir
Alles aus einer Hand

Was hat Ryanair mit Samsonite-Koffern, Reiseversicherungen und Mietwagen zu tun? Die Lösung ist simpel: Alles aus einer Hand, ein Ansprechpartner – und ein Chaos. Mein Chef wollte eine Reise in ein Land namens „Nichtversichern“ buchen. Aber das war nicht so einfach.


Alles aus einer Hand kann ganz schön nervig sein. Und wer nicht will, dass alles aus einer Hand kommt und in eine Tasche fließt braucht – viel Geduld mit und ohne teure Hotline. Das musste einer lernen, der von Hause aus nur höchst minimalistisch mit Geduld ausgestattet ist – unser Chef.


Aber alles der Reihe nach. Es begann mit der Reservierung bei Ryanair. „Es sollte ein einfacher Flug sein – eben hin und zurück“, erklärt mein Chef. Was rauskam und am Schluss auf der Rechnung stand, war ein einfacher Flug, plus ein einfacher Samsonite Koffer als offizielles Ryanair Handgepäck, plus eine Reiseversicherung und der Mietwagen kam noch obendrauf.

Was sich zunächst wie ein Schnäppchen anhörte, war aber keins, denn diese Zugaben kosteten sehr wohl einiges. Ryanair ist schließlich kein Wohlfahrtsverband, der reisende Chefredakteure mit preisreduzierten Samsonites, Versicherungen und Mietwagen ausstattet. Also lösten diese Angebote aus einer Hand beim Besitzer dreier Samsonites, der seit einem Jahrzehnt reiseversichert unterwegs ist und seinen Mietwagen bereits anderswo reserviert hatte, heftige Wegklick-Bewegungen aus. Nur wo klicken? Die Ryanair-Seite gleicht einem Wühltisch für extra-teure Waren, und der jeweils entscheidende Wegklick- Button ist geschickt getarnt. Also doch eher die Nadel im Heuhaufen. Angeblich wird das Versteck monatlich geändert. Buchen Sie noch, oder fliegen Sie schon? „Wer sucht, der findet oder auch nicht“, sagt sich der geduldige Online-Bucher. Die Fluglinie mit den billigen Preisen und den klebrigen Zusatzangeboten setzt auf Resignation: „Dann versichere ich mich eben doppelt.“


Die Alternative ist eine Hotline mit saftigen Minutentarifen. Hier wird des Rätsels Lösung von der fröhlich hilfsbereiten Wie-kann- ich-Ihnen-helfen-Servicekraft gelüftet. Aber auch das dauert. Das Gespräch plus Extra-Ryanair-Warteschleife endet vielleicht nach 25 Minuten und dann ist die Reiseversicherung wirklich ein Schnäppchen. Mein Chef gehört nicht zu den Fragern, schließlich erteilt er ständig gute, aber überflüssige „mechatronische“ Ratschläge. Die Ryanair- Falle hätte ich ihm gegönnt. Leider hat er zwei Stunden verbissen gesucht und konnte zunächst das „offizielle Ryanair Handgepäck“ tatsächlich wegklicken.


Nach weiteren zwei Stunden und endlich in Hochform hat er das Versteck der Reiseversicherung aufgestöbert. War nicht ganz leicht, deshalb – Hut ab! Im Versicherungskästchen befindet sich die Option: „Wählen Sie Ihr Wohnsitzland“. Dort versteckt sich gut getarnt zwischen den beiden bekannten Wohnsitzländern Lithuania und Latvia die gesuchte Option: „Nicht versichern“. Offensichtlich zählt „Nicht versichern“ für Ryanair zu den möglichen Wohnsitzländern ihrer Fluggäste. Bei solch speziellen Geographie- Kenntnissen verwundert es, dass Ryanair- Flüge meist ziemlich übliche Reiseziele ansteuern. Manchmal landet der Pilot zwar in einer anderen Stadt, aber auch das hat Gründe. Vielleicht hat er keinen Bock auf den Flugplan oder konnte ihn einfach nicht auf der Ryanair-Online-Seite finden. Leider ist mein Chef wieder von seinem Ryanair- Flug zurück und nicht in dem Wohnsitzland „Nichtversichern“ gelandet. Jetzt heißt es durchhalten oder sollten wir doch mit Ryanair kooperieren und unseren verehrten Chefredakteur beim nächsten Flug auf einer einsamen Insel aussetzen lassen? Immerhin wäre der Aussetzdienst eine neue Geschäftsidee für Fluglinien, die mit der einfachen Fliegerei nix verdienen. In der Redaktion sammeln wir bereits für diese Dienstreise unseres Chefs auf die versteckte Insel namens „Nichtversichern“. Die ist nur in geheimen Logbüchern von Ryanair verzeichnet. Niemand findet von dort zurück

 

Herzlichst

Ihr Heinrich

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