Der Kümmerling und die sieben Eier 

Es sind die Fragen des Alltags, die den großen Geist bewegen. Warum bekommen mein Chef und seine Kollegen nach einer Pressekonferenz einen Kümmerling überreicht? Dass solche Konferenzen hochprozentig und äußerst gehaltvoll sind, steht außer Zweifel. Aber warum gab es ausgerechnet einen Kümmerling? 

Meist erzählen auf Pressekonferenzen Leute aus wichtigen Unternehmen mehr oder weniger Geistvolles und die Journalisten stellen, wenn sie danach noch wach sind, mehr oder weniger schlaue Fragen.

Jetzt zum Kümmerling: Er zählt zu der Spezies der Halbbitter. Man nimmt ihn ein, wenn einem etwas auf den Magen geschlagen ist. Leider steht der Name geradezu als ein Paradebeispiel für schlechte PR – wer möchte schon als Kümmerling bezeichnet werden. Schlechtes Karma für den Kümmerling ist auch, dass er anders als seine alkoholischen Artgenossen eigentlich kein geistiges Getränk ist, und auch keines, das der gewogene Zuhörer auf Pressekonferenzen gerne mit Wahrheit verbindet; denn die steckt bekanntlich nur im Wein – in vino veritas.

Häufig fristet der wahre Kümmerling als Kräuterschnaps sein Dasein an Tankstellen oder im Laden kurz vor der Kasse – eben für den Notfall, wenn einem nach dem Tanken beim Blick auf die Rechnung die persönliche Eurokrise auf den Magen schlägt oder wenn im Einzelfalle der Alkoholpegel bedenklich nach unten sinkt. Journalisten sind vielseitige Menschen – beide Fälle sind denkbar.


Eine weitere Alltagsfrage, die den mechatronisch bewegten Konstrukteur bewegt, ist die nach der Anzahl der Eggseats im Kühlschrank. Hersteller von Konstruktionssoftware melden gerne stolz, wieviel Seats sie verkauft haben. Jeder will seinem Wettbewerber einige Nasenlängen voraus sein. Und jeder Sitz misst mindestens 7 Nasenlängen. Mir drängt sich die Frage auf, warum mein neuer Kühlschrank einen Eierbehälter für 7 Eier hat – also 7 Eggseats? Gängige Packgrößen für Eier basieren aber auf 6 oder 10. Welche Überlegungen stecken hinter der magischen Zahl 7?

Ein typischer Fall für die Hotline meines Kühlschrankproviders. Die freundliche Dame von der Auskunft entpuppt sich als Eier-Einkaufs-Individualistin: „Aber man kann doch 7 Eier kaufen. Erst 6 und dann ein einzelnes“, hat sie mir ganz praktisch vorgeschlagen. „Oder 3 und dann 4.“ Wir haben noch etwa 60 Minuten gemeinsam gerechnet und unglaubliche Varianten entdeckt, aber auf mehr als 7 sind wir dann doch nicht gekommen. Da der Nachhilfeunterricht nur 0,14 Cent pro Minute kostet, macht das 8,40 Euro – und dafür bringt mir sonst niemand Mathe bei. Der 6eroder 10er-Packstandard lässt sich schließlich auch durch Rechnen nicht verändern.

Deshalb habe ich beim Produktmanagement nachgefragt – also den Menschen, die darüber wachen, dass ein Produkt einen gewissen Gebrauchswert hat. Beim Kühlschrank sind das der Verbrauch, der sich in Großbuchstaben wie dem A mit den vielen Pluszeichen ausdrückt, die Farbe der Innenbeleuchtung oder die akustische Leistung – der Brummfaktor unter 90 Dezibel. Wenn ein Düsenjet übers Häuschen donnert und der Kühlschrank das Geräusch übertönt, gilt er als besonders geeignet für Flugschneisengeschädigte. Aber meiner ist ein Leisekühler – Special Edition für Schattenparker. Alles in allem beruht er auf einem technisch und ergonomisch durchdachten Konzept.

Bis auf den Eierbehälter. Hinter den 7 Eggseats könnte auch eine coole Idee des Designers oder die 7 als magische Eier-Haltbarkeitszahl stehen. Der Produktmanager hat den strategischen Ansatz hinter der Zahl 7 enthüllt: „Die Überlegung hinter der „7er Eierablage“ ist, dass beim Kauf von neuen Eiern in der Regel immer noch ein Altbestand im Kühlschrank ist – also trifft die neue 6er Eierpackung auf ein Altei: 6+1 Ei.“ In Zukunft sei geplant mehr Plätze in der Eierablage zu verbauen (siehe Nasenlänge voraus). Ich habe gleich eine weitere Eiersitzbank bestellt und kann jetzt 14 Eier lagern. Was den strategischen Ei-Einkauf betrifft, frage ich bei jedem Neuerwerb bei der Hotline an. Zweimal 7 Eier – das ergibt ganz neue Einkaufsvarianten.

 

Herzlichst

Ihr Heinrich

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