Bild: Red Bull Stratos/Red Bull Content Pool 
Initiative 31. November

Steckt Felix Baumgartner wirklich in diesem Anzug, und was hat das mit dem 31. November zu tun? Heinrich klärt auf.

 

 

Fragen über Fragen beschäftigen die [me]-Redaktion. Ist der Felix Baumgartner wirklich aus 39 Kilometern gesprungen? Steckte da tatsächlich ein Österreicher im Red-Bull-Anzug, der aus der Red-Bull-Kapsel auf die Red- Bull-Erde fiel? Oder war das nur wieder so ein Möchtegern-Challenger?

Und dann folgt logisch die Frage: Warum fehlt der 31. November im Kalender? 

 

Der Schriftsteller Henry Louis Mencken sagte einmal, es gebe auf jede komplexe Frage eine Antwort, die klar, einfach – und falsch ist. Mein Chef liebt solche Antworten und war deshalb kürzlich auf einer Zeitreise zum 31. November in Grenoble.


Der schlichte gregorianische Kalender sieht den 31. November nicht vor, das scheint einfach und klar. Aber eigentlich ist die Rechnung mit all den Mond- und Sonnengleichungen zu einfach – und deshalb falsch. In jedem Falle ist sie schlecht für die Wirtschaft, für den Euro und die Menschen, die ihn Tag für Tag ausgeben sollen. Denn der 31.11. als zusätzlicher Kalendertag wäre der EU-weite Anstoß für produktives Schaffen. „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Euro-Weinprodukt“, schreibt mir mein Chef per SMS aus Grenoble, dem Ausgangspunkt der Zeitreise. Ob die Reise zum Mittelpunkt des 31.11. die Milliardenhilfe fürs arme Griechenland ersetzt, das sei dahingestellt. Bundesfinanzminister Schäuble entsendet jedenfalls seinen Pressesprecher nach Grenoble. Der soll ministerielle Presseerklärungen an die am Raum-Zeit-Experiment beteiligten Fachredaktionen verteilen.


Aber jetzt zu den Komplikationen, die zu jedem gut gemeinten Projekt gehören. In Grenoble kommt es fast zum diplomatischen Eklat.


Die aus einer Elektro-Firmeninfo-Abfüllstation mit hungrigen Mägen angereisten deutschen 13 Top-Journalisten stoßen auf ein freundliches, aber auf den Ansturm völlig unvorbereitetes Restaurant-Team. Die Stühle stehen an den Tischen so, wie sie den gesamten Oktober über stehen: ausgerichtet auf verliebte Zweiergruppen und nicht auf eine 13-köpfige und geistig überforderte Journalisten-Meute. Der Anführer der wilden 13, in wohl informierten Kreisen, Th genannt, formuliert in perfektem Französisch mit typisch deutscher Gewissheit: „Wir haben doch reserviert!“ Die Meinungsführerin des Restaurants vertritt die andere Version: „Ce n‘est pas réservé.“ (Da sitzen Sie leider im falschen Boot. Uns liegt keine Reservierung vor).


Erst nach eingehender Recherche mittels aller zur Verfügung stehender Panel-PCs, internationaler Datencenter und Smartphones reift die Erkenntnis im relativen Raum-Zeit- Universum: Die Reservierung ist für den 31. November vereinbart – und den kennen die Franzosen nicht. Sie gehören seit 1582 der gregorianischen Kalender-Kongregation an und sind als Bonvivants auch an keinem zusätzlichen Arbeitstag interessiert.


Das Essen nun auf den 1. Dezember verschieben will keiner. Die Alternative, der gregorianisch legitimierte 1. Dezember, ist gefühlte zwei Monate weit weg von Grenoble an jenem 31. Oktober. Und den näher liegenden 31. November, den gibt es ja leider nicht. Hunger kennt keine Geduld. Die wilden 13 machen sich also ganz pragmatisch gemeinsam mit der charmanten Restaurant- Frau ans gewaltsame Stühlerücken. Hand in Hand zerstören sie romantische Zweierkombinationen zugunsten eines 13er Patchwork- Tischs. Vielleicht stürzen sie damit sechseinhalb Liebespaare in die Beziehungskrise und stellen das Duo Merkel-Hollande vor eine weitere diplomatische Hürde?


Glücklich am Platz – und zur Beruhigung von Madame Charmante mit einem Chartreuse verte (55 % Vol) ausgestattet – sprechen sich die deutschen Journalisten zu Ehren des 31.11. gleich für den Erwerb dreier Flaschen Vin Blanc und einer Flasche Rouge aus, quasi 3 : 1. Es kommt anders. Weil es den 31. nicht gibt, bringt Madame eine weiß und drei rot – 1 : 3 (13). Als reines Gegenvotum für den 31.11. bestellt die 13er-Gruppe dann gleich noch zwei mal weiß sowie diverse andere Kombinationen. Alles zur Eurorettung durch den Tag mehr im November. „Wir legen während der Eurokrise den gregorianischen Kalender auf Eis, retten den 31. November und integrieren den 35. Mai in die Eurozone“, schlägt mein Chef in Grenoble vor. Th von der Wilden 13 will ihn dem Stockholmer Nobelkomitee für den Wirtschaftsnobelpreis vorschlagen. Vom Preisgeld wollen die beiden am Wirtschaftsstandort Grenoble die erste gregorianische Privat-Kellerei mit der neuen Marke „Challenge 31“ gründen und jeden Tag eine Ü-30-Party feiern.

 

Herzlichst

Ihr Heinrich

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