Bild: fotalia – Dagmar Richardt
Fischkrapfen zur Work-Life-Balance

Die Work-Life-Balance hat für den Ingenieursnachwuchs Priorität. Der Job ist kein Ponyhof ohne Hürden. Diese philosophisch tiefe erkenntnistheoretische Einsicht, ist kürzlich in unserer Redaktionskonferenz wie eine Konfettibombe eingeschlagen.

 

Mein Chef hat uns über die Wege zur Work-Life-Balance einen von harten Softskills geprägten Monolog zum Besten gegeben – ohne Punkt und Komma. Die Krönung war die Ankündigung eines seiner gefürchteten Editorials. Wehe dem Leser!  

Doch zunächst zu uns. Ich schreibe den meiner persönlichen Work-Life- Balance (WLB) höchst schädlichen Vortrag über WLB mal vorsichtig dem Rosenmontag zu. An dem fand unsere Redaktionskonferenz tatsächlich statt – in Köln wären wir wahrscheinlich im Karnevalsumzug als die Redaktion mit gefährlichen Zukunftsvisionen hoch auf dem gelben Wagen der Psychiatrischen Ambulanz vorgefahren. Aber in München, der Stadt ohne weisen und mächtigen Elferrat, herrschte in unserer Redaktion ein Work-Out-Programm zur (WOP) dunklen Aschermittwoch-Stimmung. Und es roch nach Fisch – was wohl an den originellen Heringskrapfen lag, die mein Chef spendiert hatte.

 

So eine WLB ist kein Ponyhof


Aristoteles wusste es schon früher, er hielt damals als Griechenland noch geschäftsfähig war, große Dinge auf die Symmetrie zwischen Arbeit und Leben – also keine doppelte Rente für die vor 100 Jahren verstorbenen Landsleute. „Auf die altgriechische Variante der Balance des Handelns kommt‘s an“, verkündet mein Chef seine erste WLB-Regel: „Erst die Arbeit, dann das Spiel.“


Und Arbeit hat nichts mit Johnnie Walker zu tun, der erst kommt, wenn der Tag geht. „Sie kann auch bis spät in die Nacht hinein gehen, vielleicht zusammen mit so einem wie Johnnie Walker für die geregelte WLB“, erfährt die fassungslose Redaktionsrunde und bekommt noch einen Schlag Balance auf den Fischkrapfen: „Aber eine allzu starke Fixierung auf die Arbeit darf es in dieser Redaktion nicht geben. Das produziert ja den Stress, den es durch unsere Work Life Balance zu verhindern gilt.“


Der Höhepunkt der Konferenz war dann der gemeinsam durchgeführte Fit-for-Work-Test. „Wir müssen genau ausbalancieren, wieviele Life-Anteile für unsere harte mechatronische Arbeit notwendig sind, um ein Burn-out-Syndrom zu verhindern“, sagt unser Hobby-Therapeut und verteilt Tücher, Bänder und Softbälle, mit denen wir Koordinationsübungen machen sollen. Anschließend geht es auf zum Work Live Balance Camp an der Isar im Münchner Süden. Dort beginnt die große Steinmännchen-Challenge.

 

Die Steinmännchen Challenge


„Wer den Test nicht besteht, für den arbeitet unser Familienservice eine Health-Management-Maßnahme mit Wellness-Charakter aus“, erklärt mein Chef. Allerdings wird diese Maßnahme nur unter Belastung des Arbeitszeitbudgets wirksam durchgeführt werden können – also die Zeit wird vom Urlaub abgezogen und natürlich eigenfinanziert. „Work Life Balance ist schließlich eine Pflicht für jeden von uns“ , so der selbsternannte „Créateur“ des mechatronischen Steinmännchens.


Gott sei dank konnte fast jeder ein Steinmännchen mit mindestens drei Steinen aufbauen. Die meisten Kolleginnen und Kollegen brachten es sogar auf mehr als sechs gut aufeinander sitzende Steine. Mein Chef schaffte es genau auf drei wacklige bei höchstem Entstehungszeit-Anteil. Er ist eben durch und durch Mechatroniker. Ich muss wohl oder übel zur Health-Management-Maßnahme mit Wellness-Charakter. Meine wunderschönen drei kugelrunden Kiesel wollten leider nicht länger als zwei Zehntelsekunden übereinander bleiben.

 

Herzlichst

Ihr Heinrich

spacer
Online Werbung @ [me]
spacer