Bild: Karl Bichlmeir, Wege-ins-Netz.de
No five today

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat pünktlich zum fünfjährigen [me]-Jubiläum einen neuen 5-Euro-Schein rausgebracht.

 

Er ist glatter, leichter und hat das schönere Wasserzeichen und ein hübsches Hologramm. Mein Chef hat den Schein fünf Minuten gegen die Sonne gehalten, um das versprochene Give [me] five als Wasserzeichen zu sehen. Er hat dabei nur Europa ins Gesicht geschaut. 


Zugegeben, es ist hübsch, das Antlitz der Europa, der Königstochter, in die sich Zeus verliebt hatte. Das waren noch die Zeiten Europas ohne Euro, aber mit Zeus. Jetzt liebt Zeus Europa wohl nicht mehr, vielleicht wegen des glatten 5-Euro-Scheins? Leider gab es Schwierigkeiten bei der Anlieferung eines neuen 5-Euro-Scheins in die [me] Redaktion nach München. Für die Ausgabe des neuen Fünfers ist nämlich die Filiale der Deutschen Bank in Dortmund zuständig. Und das ist ja so eine Sache zwischen Bayern und Dortmund.


Warum braucht die Redaktion den neuen Schein?, fragt sich jetzt der geneigte Leser. Ganz einfach, die [me]-Redaktion testet und konfiguriert. Nach dem Kühlschrank 4.0 ist jetzt der Euro 5.0 an der Reihe. In den einzelnen Versuchsreihen werden Euroscheine bis in die Nanoebene zerlegt, um anschließend wieder kunstgerecht zusammengesetzt zu werden. Dabei wird jedes Teil mit einem Phasenprüfer und den Quality Gates auf seine Konfigurationsfähigkeit getestet. Unser Chef möchte den neuen Fünfer mechatronisch so konfigurieren, dass bis zu vier Nullen hinter der 5 stehen. Das mechatronische Hexeneinmaleins: aus 5 mach 50 000. Solche Scheine werden online-angepasst, je nach Einkaufswunsch. Ein 50 000-Euro-Schein morgens beim Bäcker wäre völlig oversized.


Konfiguration ist eine heiße Kiste, denn viele Fehler sind möglich, wie z.B. Fehldrucke mit Heidi Klum als Wasserzeichen statt des holden Antlitz der Europa. Aber bei der mechatronischen Konfiguration gewinnen alle Komponenten an Wert: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, pflegt mein Chef so gerne zu zitieren und fühlt sich dann auf Augenhöhe mit großen Technikphilosophen wie Descartes, Klinsmann und Stoiber.

 

Jetzt fahndet die ganze Redaktion nach einem 5-Euro-Schein. „Wir brauchen ihn, die Geldautomaten nehmen ihn nicht“, klagt er und sieht rot für sein zukunftsweisendes Konfigurationsprojekt Euro 5.0. Nur wenige Auserwählte haben ihn bisher in Händen gehalten und dann gleich wieder ausgegeben: „Ich dachte, das sei Monopoly-Geld.“

 

Weisen Ratschläge zufolge wurde er in einem Bankinstitut gesichtet. Warum also nicht dort vorbei schauen? Vorher muss die Ausrüstung stimmen. Mithilfe eines geleasten Test-3D-Druckers hat unser Chef nach einer gängigen Anleitung aus dem Internet sämtliche Einzelteile einer Smith & Wesson gedruckt und wollte sie fachgerecht zusammenbauen. Bisher hatte er nur Eierbecher gedruckt. Aber 1 000 Eierbecher machen keinen Colt. Nach sechs Stunden Bauzeit hat er aufgegeben. Hier hätte vielleicht etwas mehr First Lego League in der frühen prägenden Kindheit für mehr Technikbegeisterung gesorgt. Aber jetzt ist alles zu spät. Doch für einen simulierten Banküberfall sollten die vorhandenen Tools doch ausreichen, dachte er und packte die Colt-Einzelteile in eine durchsichtige Plastiktüte. Die legte er ein paar Tage später einer freundlichen Bankangestellten der Münchner Stadtsparkasse mit den Worten vor: „Dies ist ein simulierter Banküberfall. Bitte geben Sie mir kompakt bauende, glatte, leichte und neue Scheine.“ „Sie meinen wohl die neuen Fünfer“, entgegnete die Dame und schob die Smith & Wesson-Tüte weg und sagte: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Bauen Sie das Ding erst zusammen und kommen dann wieder. Vielleicht sind dann die Scheine aus Dortmund hier.“

 

Unser Chefredakteur hat daraufhin seine Smith & Wesson-Tüte wieder eingepackt, den Hut tief ins Gesicht geschoben und die Simulation abgebrochen. Bei uns gibt es zum fünfjährigen Jubiläum jetzt keine konfigurierbaren 5-Euro-Scheine. Wir hätten sie nur allzu gerne in hoher Auflage bei unseren Lesern in Umlauf gebracht – und hätten dann wohl nicht nur das beste, sondern auch das auflagenstärkste Blatt gemacht.


Herzlichst

Ihr Heinrich

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