Har(?)ware im Sack

Nicht nur Pflanzen, Tiere und Menschen leiden unter Umweltverschmutzung. Auch Laptops reagieren empfindlich. Tasten rasten nicht mehr richtig, wenn der Staub der Stadt oder feuchte, neblig herbstliche Landluft sie in ihrer Bewegungsfreiheit hemmen.

Und solche kleinen Hardwarestücke reisen mit viel Software im Gepäck durch die Welt. Sie schnuppern fremde Luft mit viel Staub, Schmand und Sand. All das verstopft und hemmt die Hardware. 


Mein Chef ist leidenschaftlicher Laptopbediener. Ob er das immer mit frisch gewaschenen und entstaubten Fingern tut, ob er Kaffee in die Tastatur schlabbert oder sich sogar bei schlechten Texten die Haare rauft, ist mir nicht genau bekannt. Das soll hier auch nicht haarklein besprochen werden. Es muss aber irgendwie so gewesen sein. Spätestens als er durch die Redaktion lief und sich beklagte: „Mein G blockiert“, war der Tatbestand klar. Analytiker zögerten nicht mit der Diagnose: Drecktop.


Schmutz legt die Tastatur lahm und hemmt die Schläge in der Wortschmiede der [me]. Der fingerbetriebene Hammer verfehlt den Amboss, und die digitale Botschaft auf dem Bildschirm zeigt nur gähnende Leere. Kein G im Text, schränkt den Redakteur (!)ravierend ein. Die Themensuche und (!)enerierung (!)uter Texte steht vor neuen Herausforderun(!)en.


„Geh doch mit dem Staubsauger über die Tastatur, das zieht den Dreck raus“, lautete der gut gemeinte Expertenrat. Doch guter Rat kann teuer werden.


Gesagt, gesaugt, getan. Nach dem Saugangriff auf den Dreck, war das G staubfrei und rein. Doch ein Buchstabennachbar war spurlos verschwunden. Das D fehlte nach der Staubsaugerattacke. „Lieber Staubsauger, bitte gib mir das Stück Hardware zurück“, flehte ein eingefleischter Mechatroniker.


Vielleicht lässt sich das D ja in den Einstellungen nachbilden?, fragt sich jeder Softwarefreund. Etwa durch eine Tastenkombination, ALT + SHIFT, die hilft fast immer. Doch das greift zu kurz. Die Systemsteuerung muss her. Sie hat den direkten Zugriff aufs Herz der Hardware und reguliert den Tastenschlag, wenn der unter Rhythmusstörungen leidet. Nach der Eingabe des Medikaments „Tastaturen und Eingabemetho(!)en än(!)ern“ in die Taskleiste unten links im Windows-Logo, erscheint „Tastaturen und Eingabemethoden ändern“. Und, das D ist dabei! Freudig reibt sich jetzt einer die Hände und sagt: „Ich werde das d durch Software ersetzen.“


Aber was wird hier geboten? Tastatur umstellen heißt, schlicht und ergreifend eine neue Sprache installieren. Aber welche Sprache enthält kein D und ist im Schnellkurs erlernbar? Unser Chef müsste sich in zahlreichen Volkshochschulkursen abmühen. „Das können wir den anderen Kursteilnehmern nicht zumuten“, war sich das Redaktionsteam einig. Und es kam, wie es kommen musste. Der Sieg der Hardware über die Software zum Preis eines kollektiven Wühleinsatzes. „Jeder untersucht einige Kubikdeziliter“, lautete die Parole des strategisch geplanten Wühleinsatzes. In dem mit einem Skalpell chirurgisch aufgetrennten Staubsack, suchte die gesamte Redaktion selten einvernehmlich mit Atemmasken, Schutzbrillen und Gummihandschuhen ausgerüstet – und brachte den Missing Link in der Hardware wieder zutage. Das D als Missing Link zwischen Windows 7 und der Tastatur hat den mechatronischen Beweis erbracht: Erst das D macht den Laptop perfekt. Auf den ersten, mechatronisch ungeschulten Blick ist es nur ein kleines Stück Hardware. Aber im Inneren des Staubsaugers ruht die Erkenntnis und wird allen bewusst. Außerhalb von China, Japan, Russland und Griechenland ist diese Hardware eigentlich unverzichtbar. Der Software- Fortschritt muss also aus diesen Ländern kommen.


Herzlichst

Ihr Heinrich

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