Bild: Karl Bichlmeier, www.wege-ins-netz.de 
Vom Sessel geschleudert

Warum sind Chefsessel so billig? Für schlappe 49,- Euro gibt es sie im einschlägigen Möbelhandel. Was steckt dahinter?, fragt sich Heinrich. Ist die Sitz-Position des Chefs in Gefahr? Aber die Frage nach der richtigen Sitzposition greift zu kurz. Die ganze Position steht zur Disposition. 


Sitzt hier der richtige Mann auf dem falschen Sitz oder steht der richtige Stuhl unter dem falschen Mann, frage ich mich manchmal, wenn ich unseren Chefredakteur am Schreibtisch sitzen sehe. Dieser Stuhl und diese Haltung!


Aber eigentlich lautet die Frage: Warum sind Chefsessel so billig und Badewannen für Bischöfe so teuer? Für 49,- Euro gibt es frei schwingende C-Sessel im einschlägigen Möbelhandel – eine gute frei stehende Badewanne kostet mindestens 15 000 Euro. Was steckt dahinter? Ist die bequeme Sitz-Position des Chefs in Gefahr? Braucht ein Bischof den geistigen Rückhalt einer teuren Badewanne, und wann wird er mit ihr ausgeschüttet?


Die Fragen nach der richtigen Sitzposition des Chefs und der stabilen Lage eines Bischofs in seiner Badewanne greifen zu kurz. Im Falle des Bischofs Tebartz-van Elst steht die ganze Position zur Disposition. Brauchen wir den überhaupt? Für Limburg ist diese Frage beantwortet. Der Papst hat klar gesagt: „Ja aber, wenn dann, vielleicht doch oder besser lieber nicht.“


Gegen diese Form der operativen Metaphysik setzt unser Redaktions-Think-Tank innig miteinander vernetzte Cyber Physical Systems. Wir geben diesem Zukunftsprojekt die unverfängliche Form einer mechatronischen, gelben Badeente für First-Class- Badewannen.


Diese unsinkbare Badeente (Cyber Physical Rubber Duck, CPRD) ist das erste disziplinübergreifende Projekt der Mechatronic Community. Alles ist technisch unter Kontrolle. Einzig der Human-Resource-Faktor gibt noch Rätsel auf. Wie bei Herrn Müller- Lüdenscheidt und Herrn Dr. Klöbner sind spätere Badekonflikte nicht auszuschließen: „Wenn Sie die Ente hereinlassen, lasse ich das Wasser heraus.“ Für solche Konflikte ist eine Safety-Schaltung vorgesehen, die im Ernstfall automatisch die Küstenwache verständigt.


Doch zurück vom CPRD zum billigen Chefsessel. Auch hier laufen die Entwicklungen auf Hochtouren. Industrie 4.0 macht auch Sitzmöbel intelligent. Beflügelt von den Cyber Physical Rubber Ducks wandelt unser Chef seinen 49-Euro-Sessel in ein mechatronisches Meisterwerk um. “Chefpositionen in Redaktionen sollen wieder lukrativer werden – zumindest was das Sitzen betrifft.“ Der Stuhl.4.0 sitzt in der Startposition. Es soll einer sein, der spürt, wenn einer nicht länger in dieser Position sein möchte oder sein sollte. Ein Stuhl mit Verstand, der weiß, wer zu ihm passt.


ABS, ESP, elektronische Torque-Motorsteuerung gehören ebenso zum Sessel wie das Automatik-Schleudersessel-Getriebe. Nicht wegzudenken ist eine aktive Federung, die den Stuhlkomfort nachhaltig steigert. Ein Sessel also, der den freien Fall bei Positionsverlust menschlich erträglich macht. Solch ein Stuhl hat aktive Polit-Positionserkennung und parametriert sich bei der ersten Wendebewegung selbst. Das bisher übliche Programmieren auf Erfolg entfällt. Die Signal- und Energieübertragung erfolgen über WLAN und implementieren die zuschaltbare Aussitzreglung automatisch. Über EtherNet IP verbindet sich der Stuhl mit weltweit jedem beliebigen Meeting. Außerdem scannt das Sesselaggregat die Person, die es besetzt und meldet die Metadaten aus Gewicht, Alter, Intelligenz, Redegeschwindigkeit und bevorzugter Drehrichtung an den frei programmierbaren NSA-Port.


Auch für die gewöhnlichen Redaktionstätigkeiten ist der Stuhl konzipiert. Er optimiert die Schreib-Blickwinkel-Position für journalistische gut recherchierte Beiträge und ist mit einem frei kalibrierbaren Wecksignalmodul ausgestattet. Eine integrierte Kopf-Nach-Vorne- Sinkwarnung verhindert das gefürchtete Schleudertrauma durch zu schnelles Einnicken. Was übrigens auch bei Stühlen mit ungeregelter Drehzahl eine tägliche Gefahr ist. Ein Chefredakteur verdient zusätzlich die servotechnisch gepufferte Wiegefunktion. Am Ende jeder guten Entwicklung steht der Praxistest und die Inbetriebnahme.

Die ganze Redaktion fiebert, ob der Chef den heißen Stuhl übersteht oder ob er von der ungeheuren Drehzahl des Stuhls einfach verwirbelt wird?

 

Herzlichst

Ihr Heinrich

 

 

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