2034: „Neue Männer braucht das Land“ 

Unser Chefredakteur taucht mit einem Satz rot geschämter Ohren auf der Redaktionskonferenz auf und beschwert sich: „Meine Frau hat mir das Septemberheft der [me] um die Ohren gehauen.“

Aua, diese Ohren bleiben wohl länger rot. Er spult den Vorwurf ab: Sie habe gesagt, das gehe doch gar nicht, nicht eine Frau sei abgebildet, weder in redaktionellen Beiträgen noch in Anzeigen der [me] ... Auf dem Messebild zur Motek seien ungefähr 50 Menschen zu sehen – ausschließlich Männer. Ob er wohl für ein Männermagazin arbeiten würde? Die Redaktionsmannschaft schweigt betreten – vielleicht sogar etwas schuldbewusst! 

 

Zwanzig Jahre später – 2034:


„Das ist deprimierend! Und die [me] ist wie alle technischen Fachzeitschriften – ein Frauenmagazin“, sagt meine Chefredakteurin. Nicht ein einziger Mann ist in der aktuellen Ausgabe abgebildet und keiner kommt zu Wort. Sie schnippt mit Daumen und Mittelfinger und die aktuelle Ausgabe der [me] 5.0 projiziert sich in 3D im Cyber-Physical- Space über unseren Köpfen. Wir sehen und hören wie Geschäftsführerinnen, und Software- Ingenieurinnen in unserer [me] 5.0 vielstimmig verkünden, wie sich die neuen technologischen Highlights ihres Unternehmens bei den Kundinnen im Maschinenbau bewähren. Das klingt ziemlich nach Female- Macho-Marketing in meinen Ohren. Aber ich sage nichts, als Mann über 50 in einer reinen Junge-Frauen-Runde bin ich vorsichtig.


„Wir sollten jetzt doch mal über eine „Männerquote“ in Fachzeitschriften nachdenken“, sagt unsere Chefredakteurin und outet sich als bekennende Männerversteherin. Ich halte als Quotenmann die Luft an und höre und staune als sie sagt: „Männer sind ja nicht von Geburt an blöde und nicht fähig sich technisches Verständnis geschweige denn Expertise anzueignen. Sie sind leider benachteiligt als das schwache Geschlecht in unserer Gesellschaft.“


„Aber sie wählen halt nicht den Beruf der Ingenieurin, denn sie schreiben nun mal die schlechten Noten in den MINT-Fächern, sprich Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Und überhaupt, Männer und Technik, das passt ja nicht in unsere Zeit – das ist wie ein Fisch auf dem Fahrrad “, meint unsere Macho-Mechatronik- Korrespondentin: „Sie leben ja immer noch mit der Vorstellung: wenn ich meine Traumfrau finde, stehe ich auf der Gewinnerseite und brauche keine solide technische Ausbildung. MINT ist eben nicht ihre Welt.“


„Aber in unsere Welt passt auch keine Männerquote. Die Quote – das ist so eine Sache, die auf wackligen Füßen und vermutlich auf sehr haarigen Beinen steht“, meldet sich die Korrespondentin aus Düsseldorf süffisant zu Wort. „Also kommt der Quotenmann aus der Steinzeit, trägt Lendenschurz und schwingt die Keule, weil er sich nur mit solchen schlagenden Mitteln durchsetzen kann“, merke ich an. „Aber mal im Ernst, woher sollen Männer die technische Kompetenz nehmen“, entgegnet meine Chefredakteurin und schaut mich mitleidig an, „die frühkindliche Rollenzuweisung, das Spielen mit Ken und Barbie statt mit Lego-Mindstorm-Robotern. Und dann erst die Erfahrungen in der Schule: Handarbeit statt des agilen Entwickelns mechatronischer Designs – ich weiß, ihr habt es schwer.“


Klar, Männer von heute wählen soziale Berufe, weil sie von der Technik und vom Systems Engieering absolut nichts verstehen. „Ich schreib‘s an jede Wand, neue Männer braucht das Land.“

Herzlichst
Ihr Heinrich

 

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