Agil fürs bessere Wetter

 

Philosophen haben sich über Jahrhunderte hinweg über den Zufall gestritten. Auch unser Chef will nichts dem Zufall überlassen und hat uns zur Redaktionskonferenz mit einige Zufallstheorien erfreut. „Nichts in der Natur ist zufällig, etwas erscheint nur zufällig aufgrund der Unvollständigkeit unseres Wissens“, zitiert er Spinoza. Aber was soll das? 

Diesmal kommt er für seine Verhältnisse schnell zur Sache. Er tischt uns zwar vorher noch eine Weisheit seines Lieblingsphilosophen Diogenes auf: „Zufälle sind unvorhergesehene Ereignisse, die einen Sinn machen“, sagte damals der, der im Fass lebte – das andere gerne austrinken und mein Chef immer wieder aufmacht. Das Fass, das er diesmal öffnete, hat etwas mit unserem Verlag zu tun. Der ja bekanntlich die Buchstaben agt im Namen führt.


Da nichts dem Zufall überlassen werden soll, und agt nur entfernt etwas mit der Buchstabenerklärung Anton, Gustav, Theodor zu tun hat, ging es diesmal auf unserer Redaktionskonferenz um die schlichte Namenserklärung und -gebung, also um so eine Art Taufe für 70-Jährige, denn so alt wird unser Verlag bald. Die drei oben genannten Herren – Anton, Gustav, Theodor – hatten nämlich in der Verlagsgeschichte keine Bedeutung. Sie wurden nur am Telefon als die agt’ler vorgestellt, als Buchstabiertrio, das jeder versteht. Aber was ist nun des agt-Pudels Kern, wenn schon nichts in der Natur der Dinge zufällig ist (siehe Spinoza), sondern unser Wissen nur unvollständig ist?


Unser Chef lässt nichts unversucht, unser Wissen zu vervollständigen: „agt steht für agile Technik“, doziert er und verweist ganz unzufällig wieder auf die Philosophenrunde. „Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall, findet Giacomo Casanova. In Sachen Damenbekanntschaften hat er wohl recht, doch nicht bei der agilen Technik“, korrigiert unser Chef den bekannten Bonvivant. In unserem Verlag bleiben die besten Dinge nicht dem Zufall überlassen. „Es ist eher wie bei der Softwareentwicklung. Nichts ist zufällig. Wann und in welchem Zustand Heinrich in der Redaktion erscheint, hängt immer von der Gestaltung des Vorabends ab. Montag ist der Tag der reduzierten Agilität.“


Der Seitenhieb auf meine Work-Live-Balance sollte sitzen, aber er tut es nicht. Wie wir aus der agilen Softwareentwicklung wissen, bilden sich in effektiven Teams Muster, welche helfen, das Projektziel früher und besser zu erreichen. Wir lernen, uns nicht zu überanstrengen. Unser Haus- und Hofphilosoph nennt das schöpferische Faulheit.


Das entscheidende Argument, das für meinen agilitätsreduzierten Montag spricht, ist, dass wir ja über agile Technik schreiben, aber es selbst nicht jeden Tag praktizieren müssen. Wir weisen durch unsere bahnbrechenden Beiträge zum Beispiel den Weg zum Design Thinking, zur besten aller Maschinenlösungen und last but not least zum besseren Wetter. Deshalb orientiert sich meine Antwort auf den Agilitäts-Exkurs unseres Chefredakteurs am Philosophen Max Scheler, der sagt: „Der Wegweiser braucht den Weg nicht zu verfolgen.“


Aber nichtsdestotrotz. Unser agile technik verlag hat branchenweit die besten Redakteure – eine Ausnahme gibt es vielleicht (Näheres erfahren Sie in einem persönlichen Gespräch). Und wir gehen „Agil in die Zukunft“ und halten es ansonsten mit Friedrich Nietzsche, der sagt: „Kein Sieger glaubt an den Zufall.“


Herzlich
Ihr Heinrich

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