[me] im Gespräch mit ...

Markus Nerge ist bei Lohmeier Marketingleiter und Key Account Manager Automotive

 

"Wir denken weiter"

 


Dem Gehäuse, dem Schaltschrank folgen bestimmte Arbeitsgänge beim Kunden. Lohmeier möchte Mehrwert bieten und macht sich Gedanken, wie sich die Arbeit erleichtern lässt. Marketingleiter Markus Nerge beantwortet Fragen zu aktuellen Trends im Schaltschrankbau.

 

Ein Gehäuse – auch ein sehr aufwändig durchdachtes – bleibt immer nur ein Gehäuse. Wie kann ein Schaltschrankbauer Gehäuse systemisch weiterdenken und -entwickeln?


Markus Nerge: Dieser „Nurein- Gehäuse“-Aberglaube ist leider weit verbreitet. Deswegen sind unsere Kunden immer extrem positiv überrascht, was wir ihnen z.B. in Sachen Montagefreundlichkeit als Mehrwert bieten können. Wir schauen uns an, was unsere Kunden als Nächstes mit den Gehäusen tun müssen. Die Antwort ist einfach: Sie werden bestückt und verdrahtet. Wir konstruieren Schaltschränke für die industrielle Praxis von Anfang an so, dass das möglichst ergonomisch, praktisch und gesundheitsschonend ablaufen kann. Zusätzlich bieten wir Kunden unsere arbeitserleichternden Montagetische an.

 

„Bestücken“ klingt doch aber nicht sonderlich mühselig?


Sprechen Sie mal mit jemandem, der den ganzen Tag nichts anderes macht, als in gebückter Haltung an einem starr auf der Werkbank befindlichen Wandschaltschrank zu stehen und darin Bauteile zu verdrahten. Der wird Ihnen einiges über Rückenschmerzen erzählen können, weil er in unvorteilhaften Körperhaltungen arbeitet. Häufig ist hierbei ein Wechsel zwischen stehender und sitzender Tätigkeit nicht möglich, wie es eigentlich von Berufsgenossenschaften empfohlen wird. Muskel- und Skeletterkrankungen gehören bereits jetzt zu den häufigsten arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen und sind mit mehr als 20 Milliarden Euro Kosten das teuerste Krankheitssymptom der Industrieländer. Hier kann man nur mit Prävention entgegenwirken, schließlich sinkt das Renteneinstiegsalter ja nicht gerade.

 

Stichwort Montagetische. Was kann solch ein Tisch, der aussieht wie eine Staffelei, die mit Elektronik statt mit Farben bestückt wird?


Man kann ihn z.B. auf den Bediener und die Gehäusegröße einstellen, sodass die optimale ergonomische Arbeitshaltung erreicht wird – sei es durch eine Höhenverstellung oder die Neigung der Arbeitsfläche. Bei einer elektrischen Verstellung des Tischs kann somit im Handumdrehen aus einem Steh- ein Sitzarbeitsplatz gemacht werden, wie es die Berufsgenossenschaften empfehlen. Des Weiteren können die im fertigen Zustand sehr schweren Gehäuse während der gesamten Verdrahtung auf dem Tisch liegen bleiben und dank der Rollen von einer zur nächsten Arbeitsstation gefahren werden. Somit kann das klassische „Pack mal gerade mit an“ zum Kollegen entfallen.

 

Welche neuen Entwicklungen gibt es in Sachen Montagetische?


Wir versuchen, dieses Konzept auf immer mehr Produkte zu übertragen. Bislang haben wir Montagetische für Wandschaltschränke und Montageplatten für Anreihschaltschränke. Beide Modelle lassen sich so verstellen, dass sitzend oder stehend daran gearbeitet werden kann. Es gibt verschiedene Varianten: von wirtschaftlich günstiger manueller Verstellung bis zur elektrisch oder hydraulisch verstellbaren High-Tech-Lösung, die bei den schweren Montageplatten der Großschränke sogar als Einbauhilfe genutzt werden kann. Dort können Sie die fertig bestückte Platte direkt von dem Montagetisch seitlich in den Schrank schieben und müssen sie nur noch festschrauben, wenn dieser dafür vorbereitet ist. Es ist also kein Einsatz von mehreren Mitarbeitern oder Hebezeugen mehr nötig, und der eigentliche Produktionsablauf wird nicht mehr unterbrochen.

 

Gibt es weitere systemische Hilfen für die Montage von Schaltschränken und Gehäusen?


Die Produkte an sich sollten aus unserer Sicht bereits montagefreundlich sein, wie ich schon sagte. Nicht ohne Grund bieten wir den Anreihschaltschrank, der eine der kürzesten – wenn nicht sogar die kürzeste – Montagezeit aller am Markt befindlichen Schränke hat. Er erfordert kein langes Heraussuchen von Zubehör aus dem Katalog und kein Studieren von Artikelnummern oder Bauanleitungen. Unser Schrank kommt fertig montiert inklusive Montagezubehör und Dichtungen zum Kunden, bei der Bestellung muss also nur eine Artikelnummer angegeben werden. In weniger als fünf Minuten ist er an den nächsten Schrank angereiht. So lässt sich teure Montagezeit deutlich reduzieren.

 

Wenn das Gehäuse transportiert und aufgestellt wird, ist Ergonomie ebenfalls wichtig. Was hat es mit dem Treppensteigersystem auf sich? Welche Entwicklungen zeichnen sich hier ab?


Der Treppensteiger ist noch eine Stufe weitergedacht: Voll bestückte Gehäuse sind häufig sehr schwer: Ein konfektionierter Großschrank z.B. wiegt nicht selten 300 oder 400 kg. Den sicher ausgeliefert oder an seinen Aufstellort zu bekommen, ist keine leichte Aufgabe für den Anlagenbauer. Oftmals ist die eine oder andere Treppenstufe im Weg. Hier wie bei den Montagetischen gilt: Alleine hebt das keiner mit der Sackkarre, und wenn, dann nur auf Kosten der eigenen Gesundheit. Der Treppensteiger ermöglicht es Bedienern, allein oder maximal zu zweit hohe Lasten sicher und ergonomisch über Treppenstufen zu bewegen. Alle Tische oder Treppensteiger, die wir anbieten, dienen der Ergonomie und der Schonung der wichtigsten Ressource eines jeden Anwenders überhaupt: der Gesundheit.

 

Was gibt es Neues zum Innenleben des Schaltschranks? Wie sieht es mit der Klimatechnik aus?


Im Bereich der Klimatechnik sind wir bestens gerüstet und können von Filterlüftern bis zu sehr energieeffizienten Klimageräten mit guten Produkten aufwarten. Unsere eCool-Kühlgeräte-Serie ist auf dem neuesten Stand der Technik und punktet mit Bestnoten in Sachen Energieeffizienz. Vergleichstests haben ergeben, dass durch diese Geräte der Stromverbrauch der Schaltschrankkühlung deutlich gesenkt werden kann – und das macht sich auch finanziell bemerkbar.

 

Nun zu den Materialien: Was macht die Konkurrenz zu den klassischen Stahlblech- und Edelstahlgehäusen?


Sowohl Kunststoff als auch Aluminium sind weniger als Konkurrenz zu sehen, sondern vielmehr als eine auf die jeweilige Applikation optimierte Lösung. In bestimmten Bereichen kommt heute zunehmend Kunststoff zum Einsatz. Dies betrifft aber entweder einzelne Bauteile oder Baugruppen am Gehäuse, oder aber es handelt sich um bestimmte Einsatzgebiete, bei denen derzeit eher Gehäuse bis zur Größe eines Wandschaltschranks verwendet werden. Was die Großschränke angeht, kommen bei Outdoor-Anwendungen häufig Aluminiumschränke zum Einsatz. Solche Gehäuse fertigen wir allerdings nicht selbst: Wir haben einen Partner, der uns dahingehend versorgt.

 

Werden sich diese Alternativen jemals „ernsthaft“ gegenüber den Klassikern durchsetzen?


Bei einzelnen Bauteilen und da, wo es technisch und wirtschaftlich Sinn ergibt, wahrscheinlich schon, aber eine generelle „Materialrevolution“ im Bereich der Schaltschränke ist derzeit aus unserer Sicht nicht erkennbar.

 

Wie sieht der Schaltschrank in zehn Jahren aus? Beamt er sich dann selbstständig von Einsatz zu Einsatz? Bestellt er sein Innenleben ohne fremde Hilfe bei Ihnen? Gibt es ihn dann überhaupt noch? Oder ist er dann 5 x 5 x 5 Zentimeter groß? Konzentriert sich Lohmeier dann auf Mikromontage und Mikrosystemtechnik?


In der Tat arbeiten wir derzeit an einem absoluten Top-Secret-Projekt. Wir forschen am Schaltschrank, der im Inneren größer ist als außen, haben aber noch keinen patentwürdigen Lösungsansatz gefunden.

www.lohmeier.de

Beitrag aus [me] 3/2013

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