[me] im Gespräch mit ...

Michael Koch ist Firmenchef
der Michael Koch GmbH

 

„Das können wir doch mal ausprobieren“ 

 

 

Der Energiespeicher ist einer der Klassiker der Michael Koch GmbH. Aber die Entwicklung der Module, die gegen Stromausfall helfen und Bremsenergie speichern, steht nicht still und schon gar nicht im „Fabrikle“ im Badischen Ubstadt-Weiher. Ein Gespräch über Nachhaltigkeit mit Firmenchef Michael Koch. 

 

Herr Koch, was gibt es Neues in Sachen Energiespeicher?


Michael Koch: Der Energiespeicher als Puffermodul zur unterbrechungsfreien Stromversorgung für Einzelantriebe kommt mittlerweile gut bei den Anwendern an. Viele haben sich zunächst nur für die unterbrechungsfreie Stromversorgung interessiert, doch auch ein anderer Aspekt rückt jetzt stärker in den Vordergrund: Durch die gespeicherte Bremsenergie finanzieren sich die Kosten.

 

Gibt es bereits Referenzanwendungen?


In der Pressenverkettung von Schuler Automation werden unsere Dynamischen Energiespeicher DES beim Crossbar-Roboter 4.0 als Puffermodul eingesetzt. Sie ermöglichen ein schnelleres Fahren der Anlage, kürzere Zyklen und sparen bis über 20 Prozent elektrische Energie. So entsteht auf Basis eines relativ kleinen Invests in unser System eine mehrfache Win-Win-Situation.


Der Crossbar Roboter 4.0 mit seinem Energiesparmodul war kürzlich ein Eye-Catcher am Stand von Schuler auf der Euroblech 2014. Diese Referenz eines renommierten Maschinenbauers hat uns großes Interesse beschert. Denn andere Maschinenbauer konnten sich überzeugen, dass unsere Geräte für mehr Energieeffizienz in dieser Roboteranwendung verantwortlich sind.

 

Bleibt der Energiespeicher mit seinen verschiedenen Ausprägungen, wie Sie ihn anbieten, ein Geheimtipp unter deutschen Maschinenbauern?


Sicher nicht. Auch in der Lagerlogistik zum Beispiel werden immer häufiger Energiespeicher genutzt. Unsere Kunden sind hier sehr stark international orientiert. In einem großen Hochregallagersystem in Osteuropa werden unsere Speicher wie die (DEV) immer wieder als Notstromaggregat gebraucht, denn Osteuropa zeichnet sich nicht überall durch stabile Netze aus. Und die beiden redundanten Stromversorgungen, die wir dort in Regalbediengeräten eingebaut haben, sorgen dafür, dass die fast täglichen Stromunterbrechungen die Verfügbarkeit des Hochregallagersystems nicht einschränken. Die Lieferfähigkeit des Kunden, der das Hochregallager betreibt, bleibt rund um die Uhr gewährleistet.

 

Aber wie zahlreiche Beispiele zeigen, bleiben selbst moderne Städte wie München nicht vom Stromausfall verschont. Was gibt es hier zu tun?


Viele Unternehmen wiegen sich in falscher Sicherheit. Deshalb müssen wir auch hierzulande Aufklärungsarbeit betreiben, nämlich dass wir an sensiblen Stellen Unterstützung leisten können. Es geht nicht darum, riesige Summen zu investieren, um eine ganze Fabrik abzusichern. Für den Fall der Fälle genügt es, sich auf die neuralgischen Punkte zu konzentrieren, die zu Schäden führen können. Diese liegen meist dort, wo der Motor nicht austrudeln darf, sondern geführt in eine sichere Stellung gebracht werden muss. Also genau dort, wo aufwändige Nacharbeiten die Folge sein könnten, wie zum Beispiel das Säubern der Extruder von Kunststoffmaschinen oder bei Textilmaschinen das lästige Auffädeln der Garne.

 

Das klingt nach „aus Schaden wird man klug“.


Manchmal ja, aber besser, man vermeidet ihn gleich. Denn es spricht sich langsam herum – dass wir eine Lösung bieten, wie es sie vorher nicht gab. Und wenn sie an greifbaren Beispielen auch schon eingesetzt wird, sagen sich viele Kunden: „Das können wir doch auch mal ausprobieren“. Schließlich ist das Ausprobieren bei unseren Geräten extrem einfach. Es bewährt sich, dass wir sehr viel in die ‚Usability‘ der Geräte investieren. Einfach anschließen und ausprobieren: Plug-and-play wird damit zur Selbstverständlichkeit.

 

Was kostet so eine Dynamische Energieversorgung (DEV) im Verhältnis zur Anlage, die im Notfall mit Energie versorgt werden soll?


Das ist sehr applikationsabhängig. In der Regel richten wir unseren Fokus auf Antriebe von 10 bis 50 KW Leistung. Dabei kommt es auch darauf an, ob es sich um Serienmaschinen oder um eine Einzelanwendung handelt. Selbst dann kann ein Kunde mit einem Invest von 2 000 bis 3 000 Euro seine Maschine vor Stromausfall schützen. Neben der Applikation spielen aber auch die unterschiedlichen Intentionen der Betreiber eine Rolle. Der eine möchte immer wiederkehrende Spannungsschwankungen überbrücken, also keine regelrechten Netzausfälle, sondern Netzeinbrüche oder starke Spannungsschwankungen. Andere möchten, wie oben erwähnt, beim Netzausfall geführt in eine sichere Ausgangsposition fahren. Dann gibt es Kunden, die das System einsetzen, um einen wenige Sekunden andauernden Netzausfall zu überbrücken, da das in ihrem Betriebsumfeld öfter vorkommt. Sollte der Ausfall wider Erwarten doch länger andauern, sind sie mit dem DEV auf der sicheren Seite, da ein sicherer Halt auch dann noch geführt werden kann. In all diesen Fällen kann der Energiebedarf sehr unterschiedlich sein. Davon hängt die erforderliche Speichermenge des jeweiligen Systems ab, was die Höhe der Kosten beeinflusst.

 

Das „Fabrikle“ der Michael Koch GmbH gilt unter Kennern als Produktivitätsschmiede – diese Erkenntnis teilen mittlerweile auch öffentliche Stellen.


Wir haben kürzlich beim Nachhaltigkeitswettbewerb des B:Efficient-Award 2014 den 2. Platz belegt. Für uns als Unternehmen ist das eine große Anerkennung, zumal der erste Platz an eine gemeinnützige Organisation ging, die sich Nachhaltigkeit von vorne herein auf die Fahnen geschrieben hat. Bei der Nachhaltigkeit ging es allerdings nicht nur um Produkte, sondern um das Unternehmen an sich. Also nicht nur um technologische Nachhaltigkeit, sondern auch im wirtschaftlichen und sozialen Sinn. Auch dort wollen wir Vorreiter sein.

 

Verändert das Thema Energiespeichertechnik die Michael Koch GmbH als Unternehmen?


Die Energiespeicherthematik hat unser Unternehmen sehr deutlich verändert. Wir sind heute ein starker Partner für Antriebstechnikunternehmen und für den Maschinenbau – und auch für Anwender der Maschinen, die für ihre Belange eine ganz spezifische Lösung suchen. Diese Vielschichtigkeit wirkt sich stark aufs Unternehmen aus. Wir wachsen, auch wenn die Wachstumskurve noch Möglichkeiten hat, stärker zu steigen. In den vergangenen Jahren sind wir von 25 auf 36 Mitarbeiter gewachsen und suchen aktuell noch weitere Mitarbeiter.

 

Kommen wir noch kurz auf die SPS IPC Drives zu sprechen. Was zeigen Sie ihren Besuchern in Nürnberg?


Auf dieser Messe präsentieren wir die 24-Volt-Notstrom- Energieversorgung NEV zur netzunabhängigen Versorgung eines 24-Volt-Netzes mit elektrischer Energie. Dieses Gerät ergänzt unsere dynamischen Energiespeicher mit USV-Funktion – den DEV sowie unsere dynamische Energiespeicherkombination DEK.


Jetzt können auch die Steuerung und die Peripherie eines Antriebs bei Spannungsschwankungen oder Netzausfall problemlos und unterbrechungsfrei mit Energie versorgt werden. Die NEV ist ausgelegt für alle Standardanforderungen an geregelte 24-Volt-Gleichspannungen in Maschinen und Anlagen und liefert bis zu 6 Ampere bzw. 150 Voltampere.


Der entscheidende Schritt ist die Versorgung des „Gehirns“ einer Anlage. Bisher haben wir den Muskel (die Motoren und Antriebe) mit der DEV zum Beispiel bei Stromausfall versorgt. Aber auch das Gehirn arbeitet nicht ohne Strom und konventionelle Sicherungen greifen gerade in dieser Schaltzentrale zu kurz.

 

Wie funktioniert diese Sicherung der „Gehirn“-Funktionen?


Das Gerät erlernt selbständig und automatisch die extern angeschlossene Spannung und somit das zu stützende Spannungsniveau im Bereich zwischen 22 und 26 Volt. Bei netzseitigen Spannungsschwankungen oder Stromausfall versorgt die NEV den zu sichernden 24 Volt-Stromkreis ohne Unterbrechung. Wie lange sie die Versorgung aufrecht erhalten kann, hängt in erster Linie vom Bedarf der Last in Verbindung mit der zur Verfügung stehenden Energie aus dem Dynamischen Energiespeicher ab. Bei Auslegungsfragen unterstützt unser kompetentes Team den Kunden.

 

Kaum ein Kunde möchte sich heute noch mit Einzelheiten befassen, was ihn interessiert ist, ob und wie seine Anlage läuft. Wie bewältigen Sie diesen Trend?


Entsprechend dieser Kundenwünsche bieten wir unsere Elektronikgeräte nicht mehr nur einzeln als Gerät an, sondern auch in größeren Einheiten fertig kommissioniert in Schaltschränken. Für solche Plug-and-play- Lösungen mit unseren DEV (Dynamische Energieversorgungen) und DES (Dynamischer Energiespeichern) braucht er keinen extra Schaltschrankplatz zu schaffen.


Auf der Messe zeigen wir noch eine Studie eines DES 4.0. Dieses neue Gerät ist darauf getrimmt, Ströme für längere Zeit hin und her zu schaufeln. Es ist speziell für Anwendungen ausgerichtet, die einen längeren Brems- und Antriebsbetrieb haben.

 

Gegen Spannungsausfälle haben sich viele etwas überlegt. Was haben Sie sich noch an Besonderheiten überlegt?


Spannungsschwankungen gehen oft mit Datenverlusten einher. Deshalb möchten wir nicht noch eine zweite, dritte, vierte Absicherung auf den Markt bringen. Die Absicherung für alle Fälle soll aus einem Gerät kommen. Dazu kommt auch, dass es insbesondere im Servo-Bereich einige Drive-Controller gibt, die keine eigene 24-Volt- Versorgung aus dem Zwischenkreis heraus haben. Diese Problem gibt es jetzt nicht mehr. 

www.bremsenergie.de  

 

 

 

Drei Fragen zur Notstromversorgung


Herr Koch, was ist NEV, und was soll NEV?


NEV nennen wir die 24-Volt Notstromversorgung. Von ihr versprechen wir uns auch einen Schub für unsere Speichersysteme, weil wir hiermit eben dem Nutzer weitere Speicher ersparen. Wir nehmen einen Speicher für den Antrieb wie für die Intelligenz, also die SPS. Mit einem Gerät plus Aufsatz hat der Kunde eine Versorgung für alles, was er als notwendig erachtet.

 

Wie wird NEV angeschlossen?


Die rund ein Kilogramm schwere NEV wird sehr einfach und werkzeuglos direkt auf die Dynamischen Energiespeicher von Koch geschoben und arretiert, dann mit einem Kabel mit verpolungssicheren Steckern angeschlossen. Das Gerät benötigt somit bei Maßen von 100 x 275 x 60 mm (Breite x Höhe x Tiefe) keinen weiteren Platz an der Schaltschrankrückwand. Die abzusichernde 24 Volt-Versorgung sowie die zu stützende Last werden über steckbare Klemmen an der Unterseite an die NEV konnektiert.


Wann ist NEV so weit und lieferbar?


NEV ist keine Designstudie mehr, sondern ein verfügbares Produkt. Als Teil ist sie fix und fertig auch in Serie lieferbar. Startpunkt ist die SPS IPC Drives.

 

 

 

Beitrag aus [me] 6/2014

14_6_IV_koch_SEI.jpg 


14_6_TITEL_188.jpg

 

 

Gerne können Sie [me] 6/2014 mit weiteren interessanten Beiträgen bestellen:

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de          

oder:      Kontaktforumlar

AGT Verlag Thum GmbH
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

 

 

 

spacer
Online Werbung @ [me]
 
spacer