[me] im Gespräch mit ...

Michael Fraede ist General Manager
der Business Unit Robotics der
Yaskawa Europe GmbH in Allershausen

 

„Greifer oder Gummilöffel?“ 

 

 

Mit weltweit 300 000 installierten Robotern ist Yaskawa der größte Hersteller für Industrieroboter. Michael Fraede hat 25 Jahre Erfahrung im Robotergeschäft und in der Automatisierungstechnik. Der General Manager der Business Unit Robotics der Yaskawa Europe GmbH in Allershausen spricht im [me]-Interview über Besonderheiten und Trends auf dem Robotik-Markt. 

 

Was ist die aktuelle Ausgangssituation für Yaskawa am deutschen Robotik- Markt?


Michael Fraede: Wir möchten auf jeden Fall in der Roboterkomponente deutlich schneller als der Markt wachsen. Die Chancen stehen sehr gut dafür. Auf dem Weltmarkt ist Yaskawa nach der verkauften Stückzahl die Nummer eins, je nachdem welche Robotertypen dazu gerechnet werden. Diese führende Position haben wir auf dem europäischen Volumenmarkt noch nicht erreicht. Aber auch hier stehen die Chancen gut, auf die ersten Ränge vorzurücken. Unsere Produkte sind gut und unseren Vertrieb und Service haben wir weiter ausgebaut. Über die letzten 30 Jahre betrachtet, haben wir unseren Fokus sehr stark auf das Bahnschweißen und den Anlagenbau gerichtet. Das betreiben wir auch unvermindert weiter und nutzen das dort generierte Know-how konsequent, um das angestrebte Wachstum im Wesentlichen mit der Komponente Roboter voran zu treiben.

 

Was ist aus Ihrer Sicht der Unterschied zwischen dem japanischen und dem europäischen Robotik-Markt?


In der Vergangenheit haben sich die Japaner immer überlegt, ob sie für eine Aufgabe einen Roboter einsetzen können. Der Europäer hat dagegen abgewogen, wann er einen Roboter einsetzen muss – das war dann, wenn er keine Alternative gesehen hat. Dann hat er sich gefragt, wie schnell sich der Roboter rechnet. Deshalb hat sich hier die Stückzahl in der installierten Basis ganz anders entwickelt. Europa hat allerdings in den vergangenen Jahren eine gigantische Aufholjagd hingelegt in der Verbreitung der Roboter als ‚normales‘ Produktionsmittel.

 

Sind Maschinenbauer heute immer noch eher konservativ gegenüber dem Einsatz der Roboter eingestellt?


Das ist nicht mehr so das Problem, denn der Roboter ist heute im Maschinenbau ein akzeptiertes Produktionsmittel, egal ob er in Deutschland, in Schweden, in China oder in Japan produziert wurde. Entscheidend ist, ob er qualitativ in der Spitzenklasse mitspielt, seine Aufgaben höchst zuverlässig erfüllt und last not least, ob ein Vertrauensverhältnis zum Lieferanten besteht, der schließlich lebenslangen Service für den Roboter bieten muss.

 

In welchen Bereichen ist der Roboter heute ein „normales“ Produktionsmittel?


Hier fallen insbesondere neben der Automobilbranche die klassischen Anwendungen wie Montagehandhabung, Palettieren, Verpacken, Maschinenbeladen als Volumenbereiche ins Auge. Die Automobilindustrie ist nach wie vor der Hauptabnehmer im Volumenmarkt.

 

Mit welchen Bauformen sind Sie im Automobilmarkt vertreten?


Der 6-Achser ist dort die dominierende Bauform. Daneben spielen auch kartesische sowie Scara- und Delta-Roboter eine wichtige Rolle. Allerdings sind die Preise für 6-Achser im Automobilbau und Autozuliefererbereich in den letzten Jahren stark gesunken, und deshalb ist hier der Ertrag weniger attraktiv als in anderen Industriesegmenten. Aber unser Erfolg ist wie gesagt nicht allein vom Automobilgeschäft abhängig. Wir setzen auf ein Wachstum außerhalb des Automobils. Dafür ist Yaskawa heute sehr gut aufgestellt.

 

Wie stehen also jetzt die Chancen für ihre Roboter im Montage- und Handhabungsbereich?


Yaskawa hat hier beste Voraussetzungen für eine große Marktdurchdringung. Wir verfügen über 100 Basismodelle – vom kleinen Scara über 6-, 7- oder 15-Achser bis hin zum 800-Kilo-Roboter gibt es jede denkbare Bauform. Deshalb können wir die verschiedenen Branchen bedienen und haben für jede Anwendung in der Regel immer den passenden Roboter zur Hand. Derzeit positionieren wir uns zum Beispiel im Biomedical Bereich. Auf diesem Wachstumsmarkt der Robotik kommt uns unser Applikationsverständnis zugute, denn für Life Science sind ganz spezielle Geräte gefragt.

 

Gibt es in der Roboter-Programmierung, was die Mechatronik betrifft, Unterschiede zwischen Japan und Europa?


Relativ wenig. Es kommt heute eher darauf an, wo der Roboterhersteller seine Herkunft und seine Hauptbranche sieht. Wenn er sich auf den Automobilbau konzentriert, hat er vom Betriebssystem aus betrachtet seine ganze Softwarefunktionalität auf die Bedürfnisse dieses Kundenkreises aufgebaut und entwickelt sich in dieser Linie weiter. Hersteller wie Yaskawa stellen sich von Anfang an auf eine breitere Funktionalität ein – ob für den Automobilbau oder andere Branchen. Der Unterschied zwischen Asien und Europa liegt höchstens in den Feldbussen, die jeweils standardisiert sind. Darauf stellen wir uns ein, um unseren Kunden den gewünschten Komfort zur Konnektivität zu ermöglichen. Wir können heute alle gängigen Feldbussysteme anbinden und unterstützen.

 

Stichwort „Einfaches Programmieren“. Was können Sie hier bieten?


Der Kunde möchte nach Möglichkeit so wenig Programmiersprachen und so wenig Steuerungen wie möglich in seiner Anlage haben. Deshalb verschieben sich alle Aktivitäten – von Programmieren übers Parametrieren bis hin zum einfachen Bedienen – immer eindeutiger auf die SPS-Ebene und auf eine einheitliche Bedienoberfläche. Der Roboter wird deshalb auf den ersten Blick immer mehr zum „Sklaven“. Das ist im Prinzip in Ordnung, nur die Regelung des Roboters wird die SPS nicht übernehmen können. Auf der Roboterseite wird weiterhin immer eine Mathematische Intelligenz verbleiben, die die Verstärker entsprechend sauber zum kinematischen Modell regelt. Die Verbindung dieser beiden Welten stellt unsere Schnittstelle MotomanSync sicher.

 

Wie sieht es in punkto Sicherheit aus? Ist der selbstständig arbeitende kooperierende Roboter, der nicht immer eingesperrt ist, ein Entwicklungsziel das jeder anstrebt?


Das ist im Moment ein Hype in der Öffentlichkeit, der nach meiner Beobachtung etwas mehr von den Herstellern getrieben als vom Markt gezogen wird. Hohe Taktzeit, Genauigkeit, Traglast und Prozesseffizienz, ROI waren immer schon die wesentlichen Anforderungen an den Roboter.


Ein kooperierender Roboter widerspricht oftmals diesen erwünschten Zielen. Er darf nicht so schnell sein, er muss nicht immer so genau sein, aber er unterstützt den Menschen. Gleichzeitig ist er teurer, da er viel mehr Sicherheitstechnik enthält. Hinter dem kooperierenden Roboter steht ein anderes Denken, also ein anderes Anforderungsprofil, das zu einem anderen Anwendungsumfeld passt. Der Volumen-Markt selbst ist noch nicht reif dafür. Die ersten Signale in kooperierende Roboter kommen hauptsächlich von den Autoherstellern, die stets eine technische Vorreiterrolle einnehmen und daher neue Systeme gerne testen.


Erschwerend kommt hinzu, dass es bis heute noch keine klare Gesetzgebung und Rechtsprechung gibt, die definiert, was Sicherheit in Sachen kooperierende Roboter bedeutet. Der Roboter allein ist nur eine trügerische Sicherheit. Gibt man einem Roboter einen Greifer, einen Gummilöffel oder ein Messer in die „Hand“, ergibt das drei verschiedene Sicherheitsklassen, aber der Roboter ist der gleiche. Die Verantwortung liegt in der Zertifizierung der Sicherheit über die Gesamtanwendung. Diese Verantwortung wird im Markt noch etwas unsicher behandelt und zu wenig wahrgenommen. Der VDMA bietet hier in der Sammlung von gültigen Richtlinien und Vorschriften eine wertvolle Unterstützung.

 

Allerdings bezeichnen einige Hersteller die Mensch-Roboter-Kooperation als einen Trend in der Robotik. Was sind aus Ihrer Sicht die wahren Trends?


Es gibt Megatrends, über die viel gesprochen wird, und welche, die tatsächlich gebraucht werden. Das Thema kooperierende Roboter wird eher besprochen, aber noch nicht so viel gebraucht. Was eher gebraucht wird, ist die Einfachheit der Steuerungen und der Programmierungen. Hier drückt heute schon der Schuh der Kunden und der Systemintegratoren. Denn jeder Nutzer will bestimmte Steuerungsebenen standardisieren und möchte so wenig „Subkulturen“ wie möglich darunter haben. Bedienerfreundliche Software hat im heutigen Volumenmarkt eine höhere Bedeutung, die kooperierenden Roboter werden in ihrer Marktverbreitung auch davon profitieren.

 

Stichwort Software?


Software und die Steuerungstechnik stehen heute stärker im Mittelpunkt. Es hat sich eingespielt, dass bestimmte Anbieter mit ihren Feldbussen Standards in bestimmten Industriebereichen gesetzt haben. Unsere Roboter haben sehr komfortable und gute Schnittstellen zu diesen Feldbussen.

 

Was ist Ihre Kernbotschaft zur SPS IPC Drives?


Yaskawa tritt hier hauptsächlich als Anbieter in der Antriebs- und Steuerungstechnik auf. Schließlich zählen wir weltweit auch bei Servosteuerungen, und Sicherheitstechnik zu den Top-Herstellern. In der Antriebs- und Steuerungstechnik ebenso wie in der Robotik können wir dem Kunden Durchgängigkeit auf der Maschinen- wie auf der Steuerungsebene bieten.

Die Fragen stellte Peter Schäfer.

www.yaskawa.de

 

Beitrag aus [me] 6/2014

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