[me] im Gespräch mit ...

Dr. Stefan Mohr
von Leuze electronic

 

„Reduktion auf das, was sicherheitstechnisch gebraucht wird“

 

Komplexen High-End-Sensoren wie Sicherheits-Laserscannern eilt der Ruf voraus, dass ihre Montage und Programmierung schwierig, die Installation zeitraubend und die Anwendung höchst Knowhow-intensiv sei. „Wir vereinfachen unsere Produkte“, sagt Dr. Stefan Mohr von Leuze electronic: „Denn nicht nur der erfahrene Fachmann, sondern jedermann soll mit unseren Sensoren arbeiten können.“ 


Nicht jeder kann oder will einen Professor einstellen, um Sicherheitssensoren bedienen zu können. Wie sind Sie vorgegangen, um solche Highend-Sensoren entsprechend einfach zu gestalten?

 

Dr. Stefan Mohr: Alles, was besondere Eingaben erfordert, sollte aufs Nötigste begrenzt werden. Das Wichtigste ist, dass der Bediener innerhalb weniger Schritte einen Erfolg spürt. Verglichen mit dem Consumer- Bereich ist es im Privathaushalt selbstverständlich, ein Gerät mit einem Knopfdruck in Betrieb zu nehmen. Ein neues Fernsehgerät setzt sich heute nach etwa 5 Minuten selbst in Betrieb. Es fragt die gewünschten Einstellungen entweder direkt vom Bediener ab oder ermittelt sie selbständig. Das wird bei unseren Sicherheitssensoren jetzt auch möglich sein. Wir brauchen nur noch ganz wenige sicherheitsrelevante Daten, um die Parametrierung der Geräte vorzunehmen und genau an die Applikationswünsche anzupassen.

 

Das heißt, es ist einfach und der Bediener wird geführt?


Einfache Bedienung beginnt bereits bei der Wahl des Sensorsystems, also damit, möglichst komfortabel das geeignete Gerät aus einer großen Familie auszusuchen. Danach sollte es für den Mechaniker einfach sein, das System an der Wand oder direkt an der Maschine zu befestigen. Daraufhin folgt die Elektrik. Nicht alle Sensoren müssen 25-adrige Kabel haben, wenn der Kunde nur fünf braucht. Auch hier sind Anpassung an die Anforderung und gezielte Reduktion angesagt.

 

Und dann zur Software ...


Spätestens bei der Inbetriebnahme zeigt es sich, dass zu einfachen Software-Funktionen auch einfache Bediener-Oberflächen gehören. Beim dynamischen Aufbau der Softwaremenüs sollten Funktionen nur dann dazugeschaltet werden und sichtbar sein, wenn sie tatsächlich gebraucht werden. Das ist die Reduktion aufs Wesentliche, also auf das, was gebraucht wird.

 

Der Kunde kann also genau die Funktionen aktivieren, die er braucht. Das klingt manchmal einfacher als es ist?


Er kann sich beschränken, indem er in der Menüführung oder der Parametrieranweisung die Funktionen, die er nicht braucht, gar nicht erst aktiviert – auch wenn sie ihm angeboten werden. Wenn diese Funktionen nicht aktiv sind, braucht er sich auch nicht darum zu kümmern.

 

Industrie 4.0 heißt vernetztes Handeln, und das erfordert mehr Daten, was letztlich aber der einfachen Bedienung entgegensteht. Wie erreichen Sie hier sinnvolle Reduktion auf das, was gebraucht wird?


Industrie 4.0 ist ja im übertragenen Sinne Kommunikation. Kommunizieren hat aber letztendlich mit der Bedienung insofern zu tun, dass Kommunikationsprotokolle einfach zu- oder abgewählt werden können und sie die Bedienung damit nicht erschweren. Ein weiterer Aspekt in puncto Kommunikation ist der einfache Betrieb, der bedienungsoptimiert während der gesamten Betriebsdauer des Sensors funktioniert. Dazu gehören klare, verständliche und angepasste Systemmeldungen. Ein internes Status-Datentelegramm in unseren komplexen Sensoren entspricht mehreren 100 Bytes. Das braucht nicht jeder Kunde, und mancher wäre damit auch überfordert. Auch hier gilt Reduktion aufs Wesentliche. Und das sind klare Informations- und Kommunikationsstrukturen und eine einfache Menüführung.

 

„Meine Geräte, meine Devices sind einfach zu bedienen“, das sagt heute jeder Hersteller. Aber das ist mitnichten immer der Fall.


Bei uns schon! Angepasst und einfach zu bedienen ist immer der erste Schritt und damit auch der wichtigste. Jeder Anwender möchte relativ schnell zu einem Ergebnis kommen, auf das er dann aufsetzen und aufbauen kann. Mit unseren Produkten kann er das.

 

Welche in diesem Sinne beispielhaften Produktlinien gibt es bei Leuze bereits?


Auch die Barcode-Positionier-Systeme folgen diesem Prinzip: sehr einfach zu montieren, auszuwechseln und einfach in Betrieb zu nehmen. Bei unseren Produkten werden Status- bzw. Betriebszustände automatisch nach außen kommuniziert. Das Barcode-Positionier-System gibt z. B. Infos über verschmutzte Stellen des Bandes zur Vorwarnung an den Anwender: „Pass auf, da musst Du mal reinigen, sonst fällt das System demnächst aus!“ Solche Vorwarnstufen werden immer üblicher in unseren Systemen, da sie ganz einfach die Betriebssicherheit erhöhen.

 

Ist diese Philosophie der Sicherheit kundengetrieben oder ist sie aus Ihren Entwicklungsideen entstanden?


Der Kundenwunsch nach einfachen Produkten und Systemen definiert bereits seit etwa 15 Jahren meine Arbeit und fließt so als Anstoß in unsere Entwicklungsideen ein. Besonders markant zeigt sich hier die Reduktion aufs Wesentliche.

 

Gilt das auch für die Arbeitssicherheit?


Es gibt insbesondere in der Arbeitssicherheit kaum Prozesswechsel, nur nach sicherheitsrelevanten Umbauten. Die Arbeitssicherheit wird, sobald sie gut installiert ist und einwandfrei funktioniert, etwa 10 Jahre nicht mehr im Zentrum des Interesses stehen. Schließlich ist das Sorglos-Sein auch das Ziel, denn die Interaktion zwischen dem, der das Gerät betreibt, und dem Gerät selbst soll auf ein Minimum reduziert sein. Wenig zielführend ist dann eine Bediensoftware, bei der sich der Kunde nach drei oder mehr Jahren überlegen muss, wie er all das vor etlichen Jahren eingerichtet hat. Nach so langer Zeit fehlt jede Übung in der Interaktion mit dem Gerät.

 

Welche Rolle spielt Industrie 4.0 in der Arbeitssicherheit?


Heute bringt jeder Sicherheitssensor, auch die einfachen, seine eigene Software mit und hat nach der erstmaligen Inbetriebnahme auch seine singulären Einstellungen und Informationen immer parat. Unterm Strich liefern Sensoren schon heute zu viele Informationen, mit denen wenige im Augenblick etwas anzufangen wissen. Dieses Überlasten wird eher noch schlimmer. Deshalb heißt Vereinfachung in diesem Kontext: Reduktion und Auswahl auf genau die Daten, die für die jeweilige Aufgabe gebraucht werden. Denn nur so kann sich jeder auf das Wesentliche konzentrieren. Wir leben in einer Informationsflut und ich hoffe, Industrie 4.0 schafft die Strukturen, diese Informationsflut zu ordnen und transparent zu gestalten.

Die Fragen stellte Peter Schäfer

www.leuze.com

 

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Beitrag aus [me] 2/2015

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