[me] im Gespräch mit ...

Dr. rer. nat. Wolfgang Heuring

seit dem 1. März 2015 CEO der Business Unit Motion Control in der Siemens-Division Digital Factory

 

 

 

 


Realität und Simulation

 

Die Redaktion sprach mit Dr. Wolfgang Heuring, CEO der Business Unit Motion Control in der Siemens-Division Digital Factory, über Chancen, die das digitale Zeitalter für die Konzeption und das Betreiben von Werkzeugmaschinen eröffnet und welche Ansätze der Technologiekonzern Siemens verfolgt.

PETER SCHÄFER, GERD FAHRY 

 

 

Dr. Heuring, das Schlagwort ‚Digitalisierung‘ ist in aller Munde, wenn es um Produktivitäts- und Effizenzsteigerung in der Fertigung geht. Welche Möglichkeiten, welche Potenziale sehen Sie für die Hardware ‚Werkzeugmaschine‘?


Unsere Antwort auf die Anforderungen der Digitalisierung haben wir im Wesentlichen in der Digital Enterprise Software Suite gebündelt. Werkzeugmaschinenhersteller und fertigende Betriebe können durch unsere integrierten Produkte und Lösungen die Chancen der Digitalisierung schon heute nutzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern. Sie können damit beispielsweise eine Maschine optimal designen und den Betrieb der Maschine simulieren. Das wiederum erschließt Möglichkeiten, die sie sonst nicht haben. So lässt sich durch diese Simulationsmöglichkeiten eine Maschine so lange optimieren, bis eine maßgeschneiderte Lösung entsteht und dies in kürzester Zeit. Dafür benötigt man natürlich entsprechende Software, die die reale Fertigungswelt abbilden kann. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von einem digitalen Zwilling einer realen Maschine.

 

Und wie entsteht dieser digitale Zwilling einer realen Maschine?


Im Grunde bildet ein Kinematikkonzept die Basis. Wir haben ein Teil, das zugeführt und beschleunigt werden muss. Gleichzeitig haben wir ein Werkzeug für das Bearbeiten und letztlich muss das Teil wieder abgeführt werden. Solche Logiken für Massenbewegungen und Abhängigkeiten kann man mit unserem Mechatronics Conzept Designer simulieren. Eine weitere Logik heißt: Werkzeug einschalten, Werkzeug ausschalten, transportieren, einschalten und so weiter. Und dann kommen wir zum eigentlichen CNC-Programm, zur Bearbeitung des Werkstücks. Die Simulation findet also in drei verschiedenen Welten statt und alle drei Welten haben wir mit unserem Integrated Engineering-Ansatzes verschmolzen.


Und noch ein Aspekt, den ich persönlich für wichtig halte: Es ist nicht so, dass hier eine Simulation entsteht, wo ein bisschen herumgespielt wird, sondern die Bestandteile der Simulation entsprechen der Realität. Auch die Funktionalitäten einer Steuerung, die eingebunden werden, bilden die wirkliche Steuerung ab und es gibt keine Unterschiede zwischen dem was original ablaufen würde und dem, was in der Simulation entsteht.

 

Das wirft gleichzeitig auch die Frage auf: Lassen sich auf Basis von Digitalisierung und Simulation Dinge beziehungsweise Maschinen designen, die vorher nicht möglich waren?


Multi- und Hybridtechnologien eröffnen im Design Freiheitsgrade, mit deren Nutzung wir noch Erfahrungen sammeln müssen. Mit der Entwicklung von Multitasking-Maschinen lassen sich zum Beispiel Dreh-, Fräs- oder andere notwendige Operationen in einer Aufspannung realisieren. Damit kommt man viel schneller zum fertigen Teil, ohne Umspannen. Und wir erreichen eine wesentlich höhere Präzision, von der wir vor zehn Jahren nur träumen konnten. Mit additiven Fertigungsverfahren wiederum können wir auch Strukturen bauen, die mit klassischen Bearbeitungsverfahren bisher so nicht herstellbar sind. So entstehen auch ganz neue Teilekonzepte. Auf der anderen Seite bedeutet dies gerade bei Hybridtechnologien, dass wir auch über die Strömungsverhältnisse in der Maschine Bescheid wissen müssen, um das richtige Kinematikkonzept auswählen zu können.

 

Mit Ihren Lösungsansätzen liegen Sie ja ganz auf Industrie 4.0 – Kurs. Stellen Sie bei kleineren Maschinenbauern beziehungsweise Fertigungsunternehmen eine gewisse Scheu gegenüber dieser Strategie fest?


Eine direkte Scheu sehe ich nicht, eher ein hohes Interesse, aber auch ein hohes unternehmerisches Denken. Im Vordergrund steht hier die Frage: Was bringt es mir unter dem Strich für mein tägliches Geschäft. Wir sehen beispielsweise den Markt der Shopshopper durchaus signifikant und wollen die Zusammenarbeit mit diesem Kundenkreis intensivieren. Auf der anderen Seite verzeichnen wir auch einen Generationswechsel an den Schaltstellen in diesen Unternehmen. Diese ‚Nachfolger‘ gehen mit der Digitalisierung ganz anders um, als noch die Gründergeneration.

 

Dr. Heuring, um in die Breite zu gehen, sind Standards notwendig. Aus Ihrer Sicht, welche haben sich herauskristallisiert?


Wir haben immer die Philosophie, dass wir unseren Kunden nicht irgendwelche Standards vorschreiben wollen. Wir sind der Meinung, dass es sich in den nächsten Jahren noch ein Stück weit herauskristallisiert, welcher Standard sich wo durchsetzen wird. Hier sind wir absolut offen und werden unsere Produkte entsprechend anpassen. Zur EMO gehen wir jedenfalls gut vorbereitet und werden ein Feuerwerk der Innovationen zünden. 

www.siemens.com/emo


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Beitrag aus [me] 4/2015

 

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