[me] im Gespräch mit ...

Christian Winkel

geschäftsführender Gesellschafter der Winkel GmbH

 

 

 

 

 

 

Aus der zweiten Reihe innovativ 

„Wir innovieren aus der zweiten Reihe heraus“, bekennt Christian Winkel im Gespräch mit unserer Redaktion. Dabei macht der Winkel-Firmenchef klar, wie sein provokant klingendes Statement gemeint ist.   CHRISTOPH SCHOLZE 


Herr Winkel, Sie verheißen dem Markt „Innovationen, die bewegen“. Erklären Sie bitte!

Christian Winkel: Die von mir als geschäftsführendem Gesellschafter geleitete Winkel GmbH ist seit über 30 Jahren im Bereich Linear- und Handhabungstechnik tätig. Von Anbeginn hat unser Haus mit Stammsitz in Illingen, Württemberg, immer neue Produkte entwickelt. Zu Beginn haben wir uns mit Komponenten für Flurförderzeuge, Hubmastführungen und Hubmasten für Gabelstapler befasst. Aus diesem Segment heraus ist innovative Linear- und Handhabungstechnik entstanden. Heute sind wir Marktführer bei Schwerlast-Linearführung; unsere Komponenten und Systeme sind bei mehr als 8000 Kunden weltweit im Einsatz.

 

Erfolg aus Innovation - haben Sie dafür ein markantes Beispiel parat?


Unser Baukastensystem kommt zum Beispiel bei den Standard-Regalbediengeräten Colibri und Puma zur Anwendung. Bei deren Entwicklung haben wir uns gefragt, wie der Kunde vorhandenen Raum optimal nutzen kann. Ferner, wie sich die Durchsatzleistung zuverlässig erhöhen sowie darüber hinaus noch Energie einsparen lässt. Die gängigen Antworten des Marktes haben sich bis dato auf eine Evolution der kleinen Schritte beschränkt – hier ein paar Prozent rausgeholt, da ein paar Millimeter gespart. Die Revolution kommt von uns: Die neuen Regalbediengeräte (RGB) Colibri und Puma schlagen alle marktüblichen Geräte um Längen.

 

Was machen Sie bei Ihren RGBs anders als der Wettbewerb?


Bei marktüblichen Geräten überträgt der Motor seine Kraft auf die Fahrschiene per Radreibung. Nachteile sind: geringere Dynamik, höherer Energieverbrauch durch hohe Massen und höherer Verschleiß der Antriebsräder. Zudem schwingen die Geräte beim Beschleunigen und Abbremsen. Sie brauchen länger bis zur finalen Positionierung. Demgegenüber basiert unser formschlüssiges Antriebskonzept auf Kombination aus Zahnrad- und Zahnstangentechnik mit Kardanwelle. Die Idee dazu kam von unserem Portal- und Linearachsenprogramm.

 

Was nutzt die formschlüssige Technik?


Das Winkel-Antriebsprinzip erweist sich im Vergleich zum Mitbewerb als kleiner, leichter und steifer. Es zeigt kaum Durchbiegung, und es treten so gut wie keine Schwingungen auf. Die Innovation erlaubt nicht nur Spitzenbeschleunigung, sondern auch minimale Anfahrmaße. Das Resultat heißt: bis zu 10 Prozent Platz im Lager. Winkel-RBGs nutzen das zur Verfügung stehende Lagervolumen deutlich besser aus. Und bei gleicher Grundfläche bringt der Nutzer mehr Einlagerungsebenen unter. Auch vertikal haben unsere Geräte bessere Anfahrmaße. Durch die höhere Dynamik sind die Zugriffszeiten bis zu 25 Prozent schneller. Auf Grund geringer Massen beträgt die Energieeinsparung bis zu 30 Prozent.

 

Für welche Branchen und Einsatzgebiete sind Ihre RBGs speziell gedacht?


Unsere RGBs kommen in weitgehend allen Industriebereichen zum Einsatz. Es gibt kaum eine Branche, für die unsere innovativen Geräte nicht geeignet wären. Prädestiniert sind die Systeme Colibri für Behälter und Kartons sowie Puma für Paletten und Gitterboxen speziell auch dann, wenn vorhandene Lösungen aufgrund ihres Alters gegen neue Technik ausgetauscht werden sollen. Hier ist ein Riesenvorteil, wenn der Kunde künftig mehr Ware ins vorhandene Lager bekommt. Im Übrigen sind von uns auch Sonder-Regalbediengeräte erhältlich, etwa für Nutzlast bis 5000 Kilogramm, Hübe bis 40 Meter sowie Ausführung mit Satelliten-Beschickung oder mit Sonderlastaufnahmemittel.

 

Eine weitere Winkel-Innovation, die aufhorchen lässt heißt Fast Pick Station!


Ja, das ist eine Weltneuheit, mit deren Hilfe sich Paletten problemlos und effizient mit gemischten Waren kommissionieren lassen. Die aus Kommissioniertisch, Schacht und Folienstretcher bestehende Einheit erlaubt, Waren schnell, in hoher Qualität und ergonomisch auf Paletten zu kommissionieren. Letztere werden über den Schacht nach unten gefördert und sofort gestretcht. Die Ladung ist für den weiteren Transport gesichert. Prädestiniert ist die keine Grube erfordernde, daher ohne bauliche Maßnahmen integrierbare, Fast Pick-Station für vielfälligste Anwendungen zum Beispiel in Automobil- und Zulieferindustrie, Lebensmittelhandel, Textilindustrie oder Drogeriebranche.

 

Die klassische Winkel-Domäne sind Schwerlast-Linearführungen. Welche Entwicklungen sind hier aktuell im Gange?


Winkel baut Schwerlast-Linearführungen für Lasten von zehn Kilo bis 100 Tonnen. Wir bieten einen kompletten Baukasten in Form eines fein abgestimmten Programms von Laufrollen, so genannte Winkelrollen, an sowie passenden Führungen mit unterschiedlichen Profilen, Flanschplatten, Befestigungselementen und sonstigem Zubehör. Führungsaufgaben lassen sich so wirtschaftlich lösen, ohne Erfordernis aufwändiger Fräs- oder Bohrbearbeitungen. Aktuell ist die Erweiterung um neue Rollen und Rolleneinheiten aus Vulkollan- und Polyamidprofilen speziell für Speed-and-Silent-Anwendungen. Immer mehr gefragt sind überdies neue Ausführungen für Heavy-Duty-Anwendungen.

 

Wir hören von einem spektakulären Auftrag.


In der Tat. Soeben haben wir Rollen und Profile für den Bau des World Trade Center Transportation Hub in New York geliefert. Der Verkehrsknotenpunkt entsteht auf dem Gelände des 2001 zerstörten World Trade Centers. Auffälligstes Gebäudemerkmal ist das futuristische Dach aus verglasten Stahlrippen, die V-förmig mehr als 50 Meter in die Höhe ragen. Im aufklappbaren Dach des über drei Milliarden US-Dollar teuren Gebäudes kommen insgesamt 224 Rollen mit Anschraubplatten und 445 Meter U-Profil von Winkel zum Einsatz. Die Bauteile zusammen sorgen für robuste und langlebige Führung, die auch den extremen Belastungen beim Öffnen und Schließen der Rippenkonstruktion standhält. „Das innovative Antriebsprinzip der RGBs von Winkel erweist sich im Vergleich zum Mitbewerb als kompakter, steifer und energieeffizienter“

 

Liefern Sie auch komplette Systeme?


Ihre Frage greift einen Kernaspekt unserer Firmenphilosophie auf: Winkel produziert mechanische Komponenten und baut selbst keine Steuerungen. Wir arbeiten ausschließlich mit Systemintegratoren und agieren erfolgreich aus der zweiten Reihe heraus. Wir sind kein Komplettanbieter und spielen nicht die Rolle des Generalunternehmers. Zwar werden etwa die RGBs Kolibri und Puma mit Steuerungen ausgeliefert, aber wir selbst projektieren und bauen keine Gesamtanlagen, keine Hochregale und keine Fördertechnik.

 

Zeit für ein Fazit: Wofür steht Winkel?


Wir sind permanent in engstem Kontakt mit Endanwendern und Systemlieferanten in vielen Branchen. Einerseits arbeiten wir in der zweiten Reihe, andererseits agieren wir zugleich als äußerst entwicklungsfreudiges Haus. Der Name Winkel steht für innovative Linear- und Handhabungstechnik für weitgehend alle Industriebereiche. Wir sehen uns als zuverlässiger Partner führender internationaler Systemintegratoren. Träten wir in den Branchen irgendwann als GU auf, stünden wir sofort im Wettbewerb mit Kunden. Das vermeiden wir tunlichst!


Herr Winkel, ich bedanke mich für das interessante Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

www.winkel.de

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Beitrag aus [me] 5/2015

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