[me] im Gespräch mit ...

Maximilian Brandl (re),

Vorsitzender der Geschäftsführung, Eplan 

Dieter Pesch (li),

Bereichsleiter Produktmanagement & Entwicklung, Eplan

 

„Da steckt Potenzial“

 

Wer sich auskennt, spart viel Zeit, haben sich die Entwickler von Eplan gesagt. „Eplan ist eine professionelle Lösung, die bis heute viele Kunden nicht in vollem Umfang nutzen.“ Aus dieser Überlegung heraus ist Eplan Experience entstanden, eine systematische Handlungsanleitung. Eplan-Chef Maximilian Brandl und Dieter Pesch, Bereichsleiter Produktmanagement & Entwicklung, erklären Hintergründe des Konzepts und machen neugierig auf News aus der Mechatronik-Ecke. Eine davon ist das „House of Mechatronics“, dessen technologischer Vorhang zur Hannover Messe 2016 fällt.


Zunächst einmal – was verbirgt sich hinter Eplan Experience?


Maximilian Brandl: Ein Konzept, das unseren Kunden die Arbeit mit Eplan zu erleichtert. In einer konzertierten Aktion haben wir überlegt, welche Potenziale im Engineering brachliegen und welche konkreten Handlungsfelder dahinterstecken. Aus der Idee ist Eplan Experience entstanden. Wir geben damit weltweit konzentriert unsere Erfahrung im Lösungsgeschäft weiter, die wir über Jahre hinweg gewonnen haben. Daraus haben sich acht Handlungsfelder ergeben. Sie decken in der Breite alles ab, was unsere Kunden beschäftigt: vom Engineering, über die Standardisierung, bis hin zur Installation und Infrastruktur. Im Rahmen dieser acht Handlungsfelder bieten wir ein skalierbares Programm, um den Nutzungsgrad von Eplan insgesamt zu erhöhen.

 

Soll der Kunde diese Handlungsfelder der Reihe nach abarbeiten?


Dieter Pesch: Nein, nicht zwingend. Sie decken verschiedene Bereiche ab. Wenn wir zum Beispiel feststellen, dass der Handlungsbedarf beim Kunden in seiner IT-Umgebung liegt, setzen wir hier an. Schließlich verschenkt unzureichende Integration in der IT-Landschaft viel Zeit und Qualität, wenn Daten nicht automatisiert in andere IT-Systeme übergeben werden können. Allerdings stellt sich häufig bei genauer Betrachtung heraus, dass es Optimierungspotenzial nicht nur an einer Stelle, sondern an vielen Stellen gibt. Ob beim Arbeiten mit Eplan selbst, der richtigen Installation des Programms, den Konstruktionsmethoden oder beim Umgang mit Normen und Standards – vielfach lassen sich in mehreren Bereichen noch deutliche Potenziale ausschöpfen.

 

Acht Handlungsfelder sind nicht wenig. Wie überzeugen Sie den Kunden vom Nutzen des Zusatzaufwands?


Maximilian Brandl: Oft hat es sich der Kunde selbst zum Ziel gesetzt, seine Engineering-Prozesse zu verbessern. Kürzlich in einem Kundenmeeting hat der Leiter der Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung fünf Themen benannt, die er vorantreiben möchte. Ohne Eplan Experience zu kennen, hat er vier der dort gelisteten Handlungsfelder aufgezählt. Eines davon war der Wunsch, dass seine Elektroabteilung neue Normen und Standards, wie z. B. die „Mechatronik-Norm“ IEC 81346, erfolgreich umsetze. Wir konnten ihm als Dejà-vu das Modul „Normen + Standards“ aus Eplan Experience vorstellen. Dort leiten wir an, wie Anwender optimal mit weltweiten Normen und Standards arbeiten können, die in Eplan hinterlegt sind.

 

Muss sich der Kunde für Eplan Experience ein neues Software-Tool zulegen, das er wiederum erlernen muss?

 
Dieter Pesch: Nein. Eplan Experience ist ein Strategie- und Methodenprogramm, das von uns ständig weiter ausgebaut wird. Wir verkaufen dazu keine neuen Tools, sondern beraten Kunden, die gesamte Bandbreite der Eplan-Funktionalität auszunutzen. Unsere Erfahrung zeigt: Bei einer High-End-Lösung wie Eplan wird heute vielfach nur ein Teil der Potenziale, resultierend aus Standardisierung, Integration und Automatisierung, erschlossen. Gerade im Hinblick auf volle Datendurchgängigkeit und virtuelles Engineering gibt es hier deutliches Handlungspotenzial. 

 

Wie schafft es dieses Konzept, jeden einzelnen Arbeitsablauf im Engineering effizienter zu machen?


Maximilian Brandl: Wir gehen Schritt für Schritt vor. Viele dieser Handlungsfelder sind Voraussetzung für die Mechatronik. Datendurchgängigkeit ist hier ein Muss. Wer keine einheitliche Datenbasis hat, braucht den nächsten Schritt gar nicht erst zu gehen. Darin liegen einige Gründe, warum viele Projekte scheitern. In Deutschland ist der Handlungsbedarf nicht so groß wie in anderen Ländern. Aber auch hier gibt es Unternehmen, die vor Jahren Eplan gekauft haben und sich per „learning by doing“ entwickelt haben. Sie bekommen jährliche Updates und schauen sich das System aber nicht genau an. Sie arbeiten immer noch mit zu komplexen und umständlichen Strukturen, letztlich nicht wirklich effizient. Dabei könnten sie ihre Engineering-Prozesse signifikant vereinfachen.

 

Jeder möchte Zeit und Geld sparen. Aber um etwas Neues zu tun, muss Problembewusstsein da sein. Lässt sich der Erfolg in Zeit und Geld rechnen?


Dieter Pesch: Definitiv ist die Bereitschaft dafür da. Ein Problem ergibt sich daraus, dass viele Entscheider sich damit nicht auskennen. Wir müssen dann oft Überzeugungsarbeit leisten. Aber im Anschluss sind manche Kunden „Feuer und Flamme“, wieviel Zeit sie mit Eplan Experience sparen können. Deshalb haben wir auch bewusst mit den Handlungsfeldern „Normen und Standards“ und „Konstruktionsmethoden“ begonnen, denn hier besteht hoher Beratungsbedarf, da sich auf beiden Gebieten in den letzten Jahren in der Branche viel getan hat. Stichworte sind die IEC 81346, in dem die Projektstrukturierung und Betriebsmittelkennzeichnung eine wichtige Rolle spielen. Auch die ISO 1219 hat für den Bereich Fluidtechnik massive Änderungen gebracht. All das wirft Fragen auf, wie solche Normen im Eplan-System optimal umgesetzt werden. Im Handlungsfeld Konstruktionsmethoden gibt es eine andere Aufgabenstellung: Konstruktionsbezogen erfordern immer kleinere Losgrößen sowie Time-to-Market eine effizientere Konstruktion mit Eplan. Hier stellt sich täglich die Frage, alles klassisch zu projektieren oder beispielsweise effizienter, zum Beispiel über Makrotechnologie.

 

Trifft dieses Bedienproblem alle Märkte gleich?


Maximilian Brandl: Es ist unterschiedlich. Wir haben in Deutschland einen hohen Marktanteil und es gibt hier viele professionelle ECAD Anwender. Sie haben klassisch eine andere Anwendungstiefe als viele Anwender in einem Land wie Korea, die noch ein Jahr vorher ihre Schaltpläne mit einem einfachen IT-Tool gezeichnet haben. Wir unterscheiden zwischen sich entwickelnden Märkten, zwischen reifen Märkten, wie in Zentraleuropa, sowie neuen Märkten mit einer anderen Engineering-Kultur – Beispiel Japan. Deshalb gehen wir differenziert vor, je nach Marktreife und Engineering-Kultur. Wir wollen den Nagel auf den Kopf treffen und niemanden mit zu vielen Informationen überfrachten.

 

Gemeinsam mit Ihrer Schwesterfirma Cideon haben Sie sich in Sachen Mechatronik einiges vorgenommen. Was tut sich hier?


Maximilian Brandl: Der Stellenwert und die Bedeutung der Mechatronik im Maschinen- und Anlagenbau werden immer größer. Zur Hannover Messe werden wir eine hoch interessante Neuheit präsentieren – Unternehmen dürfen gespannt sein.

Mit dem „House of Mechatronics“ führen wir gemeinsam mit unserem Schwesterunternehmen Cideon unser Know-how in den Bereichen Elektro-CAD, Mechanik-CAD, Software und Prozessoptimierung zusammen. Eplan ist CAE-Spezialist in der Automatisierung – Cideon wiederum im Bereich Mechanik und zugleich der Entwicklung von Multi-CAD-Schnittstellen. So bündeln wir unser Know-how, um das Thema Mechatronik inhaltlich zu füllen. Gegenüber MCAD-Anbietern haben wir einen strategischen Vorteil, da wir kein eigenes PDM-System anbieten und komplett neutral auftreten. Wir arbeiten also mit unterschiedlichen PDM-/PLM-Anbietern zusammen – genau so offen, wie im Bereich der Automatisierungstechnik, konkret der SPS-Anbieter.


Dieter Pesch: Das „House of Mechatronics“ ist ein ganzheitliches Lösungsportfolio. Wir unterstützen unsere Kunden bei der Einführung mechatronischer Prozesse im Engineering mit dem Ziel, dass die verschiedenen Disziplinen integriert zusammenarbeiten. Dazu muss eine gemeinsame Sicht auf die zu konstruierende Maschine geschaffen werden – also eine mechatronische Strukturierung der Maschine/Anlage, über die Systemgrenzen der disziplinspezifischen Softwarelösungen hinaus. Und dazu benötigt es ganz neue Kommunikationsstrukturen – die Bereiche Elektrotechnik, Mechanik und Software gehören hier real wie auch im System „an einen Tisch“.

 

Was verbirgt sich hinter „Smart Engineering and Production 4.0“, dem gemeinsamen Projekt von Rittal, Phoenix Contact und Eplan, das sie auf der Hannover Messe 2106 fortführen?


Dieter Pesch: Das Thema „Smart Engineering and Production“ war für uns auf der Hannover Messe 2015 ein Riesenerfolg. Die Ursprungsidee war, plastisch darzustellen, dass der digitale Artikel und das digitale Engineering extrem wichtig sind. Die Verbindung von Artikeln und dem Engineering-Projekt ergeben ein „Single Source of Truth“-Konzept. Egal, ob ein Konstrukteur Ausbrüche erstellt, Klemmenleisten robotergesteuert vorgefertigt oder Kabel maschinell konfektioniert werden: Immer bildet der digitale Artikel, der entsprechende Eigenschaften der jeweiligen Komponente beinhaltet, die Grundlage. Auch hier wird es zur Hannover Messe neue, erweiterte Ansätze geben, die wir im Team unseres Technologienetzwerks präsentieren. So gehen wir konsequent weitere Schritte auf dem Weg der Digitalisierung im Engineering.


Die Fragen stellte Peter Schäfer


www.eplan.de
www.seap40.com

16_2_IV_eplan_SEI.jpg

Beitrag aus [me] 2/2016

16_2_TS-me_188.jpg

 

Gerne können Sie [me] 2/2016 mit weiteren interessanten Beiträgen bestellen:

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de          

oder:      Kontaktformular

agt verlag thum gmbh
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

 

 

 

spacer
Online Werbung @ [me]
 
spacer