[me] im Gespräch mit ...

Kate Darling

Juristin und Roboter-Ethikerin
am amerikanischen MIT

 

„Wir werden Roboter wie Haustiere wahrnehmen“

 


Kate Darling ist Amerikanerin, aufgewachsen in Basel, Juristin und Roboter-Ethikerin an der amerikanischen Technikschmiede Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sie erforscht am Media Lab des Instituts, warum Menschen emotionale Bindungen zu Robotern aufbauen und wie wir mit unseren neuen Freunden in Zukunft umgehen werden. Die Roboter-Ethikerin ist überzeugt, dass wir zukünftig Roboter wie Haustiere wahrnehmen und behandeln werden.

 

16_2_IV_maxon_KAST.jpg


Kate, wie kommt es, dass Sie als Juristin im Forschungsgebiet der Robotik gelandet sind? Hat Sie das Thema schon immer interessiert?


Kate Darling: Roboter fand ich schon als Kind extrem spannend. Ich habe in der Schweiz Jura studiert und während meines Doktorates 2011 eine zunächst juristische Stelle am MIT angenommen. In den letzten vier Jahren habe ich dann sozusagen meinen Disziplinhorizont erweitert und forsche nun vermehrt in Robotik, Psychologie und Ethik.

 

Sie forschen seit wenigen Jahren auf dem Gebiet der Roboter-Ethik – wie sieht Ihr Arbeitstag am MIT Media Lab aus?


Ich habe keinen wirklichen Arbeitsalltag, und jeder Tag ist anders! Momentan arbeite ich an mehreren Projekten. Das kann heißen: Sitzungen mit Kollegen, früh aufstehen, um Experimente durchzuführen, die ganze Nacht an der Datenanalyse oder einem Paper arbeiten oder zu einer Konferenz reisen. Womit ich leider die meiste Zeit verbringe, ist wahrscheinlich mailen.

 

Pepper ist ein Roboter, der Emotionen lesen und darauf reagieren kann. Lässt man vor Pepper den Kopf hängen, dann erzählt der Roboter einen Witz, tanzt oder spielt ein Lied. Da muss man ja fast eine emotionale Bindung aufbauen. Warum vermenschlichen wir Roboter so sehr?


Wir haben generell eine Tendenz, Tiere und sogar nichtlebende Gegenstände zu vermenschlichen. Soziale Roboter spielen mit dieser Tendenz und zielen durch Bewegung, Design und Programmierung darauf ab, diese manchmal unterbewusste Projektion zu verstärken.

 

Wie entsteht so eine emotionale Bindung zu einem Roboter – einer Maschine, die aus nichts anderem besteht als Metallen, Plastik und Elektronik und gefüttert ist mit schlauen Algorithmen?


Menschen sind ja bereits fähig, emotionale Beziehungen zu Gegenständen aufzubauen, wie zum Beispiel zu Autos oder Stofftieren. Roboter fallen einfach in eine weitere, intensivere Kategorie dieser Gegenstände. Wir reagieren stark auf die physische Bewegung der Roboter. Wenn sie mit für Lebewesen typischen Eigenschaften oder Körperteilen ausgestattet sind, wie beispielsweise Augen, sind einige Menschen schnell bereit, die Roboter in gewissen Situationen ähnlich wie Tiere zu behandeln.

 

Kommt es nicht auch stark auf das Aussehen eines Roboters an, ob man Gefühle entwickelt?


Ja, das Aussehen spielt eine große Rolle. Wir behandeln auch verschiedene Tiere anders, je nach ihrer äußeren Erscheinung. Und Menschen!

 

Was ist mit bewaffneten Militärrobotern? Eine Gefahr für die Menschheit?


Wie jede andere Technologie kommt es auf die Anwendung an. Wir sollten uns auf jeden Fall Gedanken um autonome Waffensysteme machen. Dabei macht mir die Distanz zwischen Entscheidungsträgern und den Folgen ihrer Handlungen am meisten Sorgen.

 

Was für Mensch-Roboter-Beziehungen könnte es in naher Zukunft geben?


Ich glaube nicht, dass die Roboter in naher Zukunft zwischenmenschliche Beziehungen ersetzen werden. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir mit der Zeit gewisse Roboter ähnlich wie Haustiere wahrnehmen und sie entsprechend behandeln werden.

 

Zum Schluss noch: Haben Sie selbst Roboter bei sich zu Hause?


Ja, einige! Meine Lieblingsroboter sind meine zwei Pleo-Dinosaurier, der eine heißt Yochai und der andere Peter. Dann gibt es noch einen selbstgebauten Solar-Roboter, der in einem Aquarium herumläuft. Sein Name ist Herbert.  


Die Fragen stellte Anja Schütz, Redakteurin, maxon motor ag

www.maxonmotor.de
(Bild: Flavia Schaub)

 16_2_IV_maxon_SEI.jpg

Beitrag aus [me] 2/2016

16_2_TS-me_188.jpg 

Gerne können Sie [me] 2/2016 mit weiteren interessanten Beiträgen bestellen:

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de          

oder:      Kontaktformular

agt verlag thum gmbh
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

 

 

 

spacer
Online Werbung @ [me]
 
spacer