[me] im Gespräch mit ...

Manfred Stern

ist Europachef bei Yaskawa

 

 

"Der Hype geht weiter" gedruckt

 

 

Yaskawa setzt heute nicht nur Trends bei Servoantrieben, Frequenzumrichtern, Motoman-Industrierobotern und Vipa-Steuerungstechnik, „sondern auch bei Zukunftstechnologien für eine menschengerechtere Welt“, sagt Europachef Manfred Stern. Dafür steht der Begriff Humatronics. Das Unternehmen, das 2015 100 Jahre alt wurde, schreibt immer wieder Technikgeschichte: 1969 prägte es den Begriff Mechatronik. Im Gespräch mit der [me] erklärt Manfred Stern einiges von dem, was heute auf der Agenda steht.


Alle großen Automatisierer möchten Gesamtlösungen bieten. Mit welchem Rüstzeug macht sich Yaskawa auf den Weg zum Systemanbieter?


Manfred Stern: Es strategische Bedeutung, dass wir die Steuerungstechnik durch unseren Geschäftsbereich Vipa wieder an Bord geholt haben. Als Systemanbieter sind wir damit auf dem besten Weg, um vor allem mittelständische und kleine Kunden zu gewinnen. Die großen Kunden führen in der Regel ihr eigenes Engineering im Hause und sind weniger auf eine ganzheitliche Lösung angewiesen. Um ihr eigenes Know-how und ihre Systemlösungen weiterzuentwickeln, suchen sie sich die am besten geeigneten Komponenten heraus, Best in Class-Produkte. Und die finden sie bei uns sowohl bei den Umrichtern als auch den Sigma-7-Servos.


Kleinere und mittelgroße Kunden wählen dagegen häufiger aufeinander abgestimmte Geräte und idealerweise Systeme von uns. Das gab vor drei Jahren mit den Ausschlag für die Akquisition von Vipa.


Durch die Integration des Steuerungsexperten haben wir weiteres Produkt-Know-how gewonnen, umgekehrt haben wir Kontinuität gewahrt – für uns wie für die Vipa-Kollegen. Denn wir haben als japanisches Unternehmen die Entwickler mit an Bord behalten, die vorher für den fränkischen Mittelständler gearbeitet haben. Ihr besonderer Spirit und ihre eigene Identität bewähren sich jetzt im Weltkonzern Yaskawa.


Und den Kollegen macht es Spaß, in einem großen Verbund zu arbeiten. Umgekehrt haben die Steuerungstechnik und insbesondere die Chipentwicklung maßgeblichen Einfluss auf die Zukunft der Yaskawa-Produktpalette. Das erfüllt unsere Ingenieure mit Stolz.

 

Welche Ziele haben Sie sich mit diesen ganzheitlichen Lösungen gesetzt?


Wir bedienen mit unseren ganzheitlichen Lösungen kleinere und mittlere Unternehmen und mit ihnen den weitaus größten Teil des Marktes. Zudem koppeln wir die Steuerungstechnik eng an leistungsfähige Einzelkomponenten und erweitern sie so zu sehr leistungsfähigen Systemen.


Gleichzeitig lösen wir die traditionell gewachsene Zweiteilung zwischen Motion Control und Roboter-Steuerung auf. Schließlich ist diese nicht primär technisch begründet, sondern hauptsächlich historisch. Daher bietet sie nicht unbedingt einen Wert für den Anwender.

 

Das müssen Sie näher erklären. Wie war die Zweiteilung früher, und was versprechen Sie sich von der Integration?


In der Vergangenheit wurden Roboter hauptsächlich für das Schweißen eingesetzt, während die Servos beispielsweise für Verpackungsanwendungen in der Maschinenwelt zuständig waren. Schweißanwendungen hatten ursprünglich keine unmittelbaren Berührungspunkte mit anderen Anlagenteilen. Dies hat sich mit dem Einsatz von Robotern in der allgemeinen Automation geändert. Eine Verpackungslinie zum Beispiel ist heute gemischt aufgebaut: Vorne laufen Zuführsysteme über die Inverter, während die Servos den eigentlichen Prozess bedienen und die Roboter in der Linie entweder als Delta Roboter für das Handeln von Zwischenprodukten zuständig sind und/oder am Ende der Verpackungslinie die Endprodukte palettieren.

 

Und das bildet sich auch in der Steuerung ab?


Richtig. Deshalb macht es keinen Sinn von dezidierten Steuerungen für SPS, Motion Control oder Roboter zu sprechen. Alles wächst zusammen.

 

Aber Steuerungs-Integration ist ja nichts Neues?


Klar, wir haben sie nicht neu erfunden. Viele etablierte Anbieter kommen von der SPS und möchten auch Motion Control anbieten und Robot-Lösungen integrieren. Allerdings haben wir hier als Robotik-Experten einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung aufgrund unserer jahrzehntelangen Tätigkeit in diesem Markt. Denn es ist leichter gesagt als getan, einen Roboter mit sechs Achsen zu regeln. Das setzt eingespielte Kinematiken sowie Erfahrung im Umgang mit der Sicherheitstechnik voraus.

Neben diesem Know-how-Vorsprung kennen wir uns in der Chipentwicklung aus und wissen, welche Hardware-Performance und Computingpower wir in der Zukunft im Chip brauchen. Gemeinsam mit Vipa/Profichip und unserer Grundlagenentwicklung in Japan entwickelt Yaskawa die erforderlichen Mikrochips.

Unter diesen guten Voraussetzungen mit Entwicklungsteams in Herzogenaurach und Japan integrieren wir die Steuerungslösungen und vereinheitlichen unsere Plattform.

 

Wie entwickelt sich die Steuerungstechnik generell und insbesondere bei Ihnen?


SPS und Motion Control werden sich zu einer flexiblen Anlagen- oder Maschinensteuerung verschmelzen, in die dann immer mehr Robotik integriert wird. Wie gesagt, Yaskawa nutzt hier die Erfahrung und den Vorsprung, um dies zu realisieren. Schließlich fokussiert unser Geschäftsbereich Vipa auf die integrierte Steuerung. Eine tragende Rolle spielt dabei die integrierte Motion-SPS-Funktionalität. Aber wir werden auch die originäre Vipa-Produktlinie vorantreiben. Weitere Software-Tools inklusive der einfachen Ankopplung von SPS und Robotersteuerung werden die Integration bei komplexen Aufgaben vereinfachen. Wir wollen SPS-Programmierer ohne Kenntnisse einer speziellen Robotersprache in die Lage versetzen, Roboter möglichst in SPS-Sprache zu programmieren.

 

Yaskawa hat immer wieder Technikgeschichte geschrieben und 1969 den Begriff „Mechatronik“ geprägt. Heute steht noch ein neuer Begriff auf der Agenda des Unternehmens: „Humatronics“. Was hat es damit auf sich?


Bei Humatronics geht es darum, Technologie für den Menschen einzusetzen. Dieses Themenfeld reicht von Exoskeletten für Querschnittsgelähmte, über Maschinen, die Schlaganfall-Patienten bei der Reha unterstützen, bis hin zu Labor-Robotern für die Medikamentenentwicklung. In Sachen Exoskelett hat sich Yaskawa deshalb strategisch am israelischen Startup Rewalk beteiligt. Hier wird sich die Technik in nächster Zeit noch stark verbessern. Das Exoskelett wird deutlich leichter werden, denn die Elektronik wird miniaturisiert, so dass eine noch bessere Hilfe für eingeschränkte Menschen erreicht wird.

 

Für ein technisch orientiertes Unternehmen wirkt ein Begriff wie Humatronics auf den ersten Blick eher ungewöhnlich. Welche Philosophie steckt dahinter?


Humatronics gewinnt vor allem an Bedeutung, weil wir die Technik für den Menschen noch besser nutzbar machen wollen. Für mich ist es absurd, wenn wir uns angewöhnt haben, von „Maschinenbediener“‘ zu sprechen und uns nichts dabei denken. Eine Maschine sollte eigentlich den Menschen bedienen, das ist die vernünftige Denkweise. Wir sollten die Maschine so bauen, dass sie sich nach dem Menschen richtet und nicht umgekehrt. Der Mensch darf nicht der Sklave sein, der ausführt, was die Maschine ihm vorgibt. Humatronics zeigt also den Weg auf, wie wir künftig mit der Technik interagieren und wie wir zum Beispiel Maschinen unseren Bedürfnissen gemäß programmieren. Ich bin überzeugt, dass in 20 Jahren Humatronics in den allgemeinen Sprachgebrauch der Ingenieure eingegangen sein wird und das Thema den gleichen Hype wie die Mechatronik erlebt.


www.yaskawa.com

 

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„Wir sind heute auch ein europäischer Hersteller“

Yaskawa hatte 2015 seinen 100. Geburtstag und gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Servoantrieben, Frequenzumrichtern und Industrierobotern. Seit der Gründung 1915 im japanischen Kitakyushu und seit der Einführung des Dreiphasen-Asynchronmotors schreibt das Unternehmen immer wieder Technikgeschichte: 1969 hat es den Begriff „Mechatronik“ geprägt. Und mit mehr als 330.000 produzierten Motoman-Industrierobotern gilt das Unternehmen als größter Hersteller. Aber Yaskawa möchte auch als europäischer Hersteller gesehen werden. „Nicht etwa, weil wir nicht stolz darauf sind, zu einem japanischen Konzern zu gehören, sondern weil es wichtig ist, nah am Kunden zu sein“, sagt Europachef Manfred Stern auf der 100-Jahr-Feier des Unternehmens in Eschborn. „Wir investieren deshalb in den Applikationssupport und suchen von der technischen beziehungsweise Applikationsseite gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen. Es geht auch darum, in Europa eigene Entwicklungen voranzutreiben und weiter auszubauen.“

 

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Beitrag aus [me] 2/2016

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