[me] im Gespräch mit ...

Markus Sandhöfner 

ist Geschäftsführer von
B&R Industrie-Elektronik in Bad Homburg 

 

Dreifach schneller durch standardisierte Module

 

 

Mit Funktionsbausteinen will B&R die Software-Entwicklung vereinfachen. „Mapp stellt Entwicklern ein Framework zur Verfügung, mit dem sie erheblich schneller entwickeln und gleichzeitig die Wartung der Software vereinfachen“, sagt Markus Sandhöfner. Der Geschäftsführer von B&R Industrie-Elektronik in Bad Homburg erklärt an Beispielen, was Mapp-Funktionen leisten. „Die Software-Entwicklung wird um den Faktor 3 beschleunigt.“


Industrie 4.0 verändert den Maschinenbau – sowohl die Maschinen selbst als auch ihre Entwicklung. In diesem Zusammenhang hat B&R die Mapp-Technologie ins Spiel gebracht. Was leistet sie?


Markus Sandhöfner: Mapp ermöglicht unseren Kunden, Alleinstellungsmerkmale für ihre Maschinen zu schaffen, indem sie den Software-Entwicklern die Programmierung von Basisfunktionen abnimmt. So gewinnen die Entwickler Zeit für die Umsetzung von Innovationen. Die Basisfunktionen bieten wir unseren Kunden über standardisierte Module, die sich im Feld tausende Male bewährt haben. Mapp stellt Entwicklern ein Framework zur Verfügung, mit dem sie erheblich schneller entwickeln und gleichzeitig die Wartung der Software vereinfachen können.

 

Was gewinnt Ihr Kunde an Entwicklungszeit durch dieses Framework?


Die Software-Entwicklung wird im Schnitt um den Faktor 3 beschleunigt. Bereits ein Jahr nach der Markteinführung nutzten Kunden von B&R die Mapp-Technology weltweit in mehr als 200 Applikationen zur Entwicklung von Maschinen und Anlagen.


Produzenten fordern für neue Maschinen zunehmende Flexibilität, um eine höhere Vielfalt von Produkten auf der gleichen Maschine herstellen zu können. Mapp hilft dem Maschinenbauer, die gesteigerte Variantenvielfalt zu beherrschen. Gleichzeitig verkürzt Mapp Projektlaufzeiten und erhöht die Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen im Betrieb. Das liegt zum einen daran, dass Mapp-Komponenten durch die breite Verwendung extrem zuverlässig sind. Besonders hervorzuheben ist andererseits, dass Daten besser auswertbar werden. Durch die Digitalisierung und Vernetzung knüpfen die Maschinen direkt an die Auftragswelt an. Die entsprechende Konfiguration wird über Mapp softwareseitig direkt und zeitsparend ermöglicht.

 

Prozesse werden komplexer. Wie bekommt Mapp diesen Zuwachs der Software in den Griff?


Es gilt die Softwareentwicklung insgesamt einfacher zu gestalten, obwohl die Komplexität zunimmt. Die Mapp-Komponenten vereinfachen die gesamte Maschinensoftware und machen den Code übersichtlicher. Bei einem Benchmark des unabhängigen LIAM-Instituts wurden mit Mapp-Technology 83 Prozent des Source-Codes eingespart. Bei einer Code-Basis, die wesentlich kleiner ausfällt, lassen sich Fehler leichter finden. Zudem sind alle Mapp-Komponenten ausführlich getestet und werden von B&R gewartet.

 

Wie gestaltet sich die Erleichterung im Einzelnen?


Die Softwarecodierung wird einfacher, denn die Software für einzelne Funktionen muss nicht mehr geschrieben werden. Sie wird nur noch parametriert, und die Verkopplung einzelner Funktionen erfolgt über Mapp automatisch. Früher wurden in einem Kontaktplan oder in einem strukturierten Text Funktionen eingesetzt; einzelne Funktionsblöcke und Funktionsaufrufe sowie Variablen mussten dabei definiert werden.


Dann wurden entsprechende Funktionen und Operatoren eingesetzt, die sehr schnell um den Faktor 20, 30 oder 40 wuchsen. Heute kann all das innerhalb einer einzigen Mapp-Komponente abgebildet werden. Ein entscheidender Bestandteil von Mapp-Technology ist der sogenannte Mapp-Link, der auf dem Client-Server-Prinzip basiert. Jede Mapp-Komponente stellt Daten bereit, die bei Bedarf abgefragt werden können. So lässt sich zum Beispiel mit wenigen Klicks ein umfangreiches Energie-Management-System einrichten.


Die gesamte Software lässt sich so wesentlich schneller programmieren und sie ist einfacher zu beherrschen, da sie auf Standards basiert, die vorgefertigt und sicher getestet bereitstehen. Das senkt den Pflegeaufwand sowie die Entwicklungszeit, Software miteinander zu vernetzen.

 

Können Sie ein konkretes Beispiel geben, wie ein Mapp-Funktionsbaustein funktioniert?


Besagter Mapp-Funktionsbaustein für Energiemonitoring ist solch ein Beispiel. Wird die Komponente Mapp Energy zur Applikation hinzugefügt, ruft sie die Energiedaten aller Achsen ab. Wird eine weitere Achse hinzugefügt, übernimmt Mapp Energy automatisch die Energiedaten. Maschinenvarianten und -optionen sind somit sehr leicht handhabbar. Mapp Energy bereitet die Daten nach Wunsch des Anwenders auf. Über eine grafische Konfiguration können individuelle Berichte und dynamische Auswertungen erstellt werden.


In der Vergangenheit wurden die Aufrufe programmiert und an den Funktionsbaustein angekoppelt, parametriert und in die Softwareumgebung eingebunden. Wenn 40 unterschiedliche Achsen einzubinden waren, erfolgten diese Arbeitsschritte 40 Mal. Der Aufwand war groß.


Über den neuen Mapp-Funktionsblock Mapp Energy wird nur noch ein Link von dieser Komponente zu einer Achskombination oder einer einzelnen Achse gesetzt. Die Daten, die dann auf dem Antrieb erzeugt werden, werden automatisch mit in die Mapp-Energiekomponente eingelesen. Die Anwendung der Daten, ihre Parametrierung und die Auswertung erledigt der Mapp-Baustein automatisch.

 

Gibt es auch schon standardisierte Module für eine Branche wie die Verpackung?


In der Verpackungs-, Nahrungsmittel- und Getränkebranche sind einzelne Fertigungslinien teilweise sehr heterogen aufgebaut. Es ist deshalb eine große Herausforderung für die Konsumgüterhersteller, Maschinen unterschiedlicher Hersteller in einer Linie zusammenzuführen. Da eine Maschine immer mehr Daten produziert, steigt auch der Aufwand für die Vernetzung der Maschinen in einer Linie, ebenso wie für die Bereitstellung der Daten aus einer Linie in das ERP-System. Arla-Foods, ein dänisches Unternehmen, schätzt, dass sich der Aufwand alle zwei Jahre um 30 Prozent erhöht. Das führt innerhalb weniger Jahre zur Verdopplung der Arbeit für die Anwender, sofern keine intelligenten Methoden genutzt werden, um diesen Aufwand nach unten zu drücken. Mapp kommt hier genau richtig.


Speziell für die Verpackungs- sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie haben wir zusammen mit der OMAC den Funktionsbaustein Mapp PackML entwickelt. Als erster Anbieter weltweit stellt B&R hier eine webbasierte Konfiguration sowohl für die Fabrik- als auch für die Maschinenebene bereit und ermöglicht es so, ohne großen Aufwand auf kundenspezifische Anforderungen optimal einzugehen. Weitere Mapp-Module, die derzeit entwickelt werden, ermöglichen zur Laufzeit einfache Konfigurations- und Softwareänderungen über den Bildschirm, vereinfachen die Mensch-Maschine-Kommunikation oder unterstützen die Maschinenentwicklung mit Technologiefunktionen. Bis Anfang nächsten Jahres werden wir die Anzahl der verfügbaren Mapp-Module von derzeit über 200 um den Faktor 2 ausbauen.

 

Für welche Anwendungen lassen sich solche fertigen Funktionsblöcke einsetzen?


Wofür heute noch Software-Code geschrieben werden muss, all das lässt sich zukünftig weitestgehend in Mapp-Komponenten verwirklichen. Dadurch kann der Anwender auf der einen Seite die Komplexität verringern. Auf der anderen Seite kann er mit dem Softwareteam, das ihm heute zur Verfügung steht, die Aufgaben von morgen lösen – trotz zunehmender Funktionalität und steigender Komplexität.


Zusätzlich bietet B&R dem Maschinenbauer mit Scalability+ ein Höchstmaß an Flexibilität, indem Maschinensoftware vollkommen unabhängig von der Hardware geschrieben werden kann. Ebenso flexibel gestaltet sich das B&R Hardware-Portfolio. Kunden wählen für jeden Anwendungsfall stets die passende Lösung. Die Kombination aus all diesen Aspekten generiert dann bei unseren Kunden einen immensen Wettbewerbsvorteil.

www.br-automation.com

 

Die Fragen stellte Peter Schäfer

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Beitrag aus [me] 2/2016

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