[me] im Gespräch mit ...

 

Helmut Schmid

von Universal Robots

 

„Roboter sind flexible Werkzeuge“ 

Sie kleben, schrauben, schleifen, polieren, messen, prüfen, montieren oder verpacken. Kollege Roboter wird bezahlbar und arbeitet Hand in Hand mit dem Menschen. Er nimmt ihm ergonomisch unangenehme Arbeiten ab, ohne ihn zu ersetzten. „Im Gegenteil“, sagt Helmut Schmid, Geschäftsfüher Western Europe bei Universal Robots. „Wenn sich die Produktivität durch zwei Leichtbauroboter verdreifachen lässt, entstehen neue Arbeitsplätze.“


Beim „Herzlich Willkommen, Kollege Roboter“ bleiben viele Unternehmen noch zurückhaltend. Universal Robots will im Bereich Mensch-Roboter-Kollaboration die Taktrate erhöhen. Wie läuft die Arbeitsteilung Mensch-Roboter?


Helmut Schmid: Wir sehen die Roboter als flexible Werkzeuge, die jeder Mitarbeiter dort einsetzen können soll, wo sie im Betrieb benötigt werden. Sie müssen dabei eine so hohe Flexibilität bieten, dass sich das Versetzen der Roboter auch bei kleinen Losgrößen lohnt. In dieser Rolle übernehmen die Roboterarme vor allem repetitive und ergonomisch ungünstige Aufgaben, und entlasten damit den Mitarbeiter. Der wiederum kann sich verantwortungsvolleren Tätigkeiten widmen, zum Beispiel der Qualitätssicherung.

 

Die Leichtbaurobotik könnte leicht eine neue Dimension des Wettstreits um den Arbeitsplatz zwischen Mensch und Roboter einläuten. Wie entkräften Sie diese Befürchtung?


Durch zahlreiche Projekte, die das Gegenteil veranschaulichen. Nehmen wir den global tätigen Dichtungshersteller Trelleborg Sealing Solutions als ein Beispiel. Um am dänischen Produktionsstandort wettbewerbsfähig bleiben zu können, installierte der Konzern 42 kollaborierende Leichtbauroboter. Die Auftragslage konnte dadurch so sehr verbessert werden, dass 50 neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Auch unter kleinen Unternehmen gibt es solche Beispiele: Die FME Feinmechanik AG ist ein Schweizer Zulieferbetrieb in der Präzisionsmechanik und Medizintechnik mit 15 Mitarbeitern. Das Unternehmen konnte seine Produktivität durch zwei Leichtbauroboter verdreifachen und dadurch auch einen neuen Arbeitsplatz schaffen. Aus unserer Sicht, muss der eingeläutete Wandel in der Produktion zu dem Ergebnis führen, dass Menschen und Maschinen jeweils das tun, was sie am besten können. Die Schwächen des einen werden durch die Stärken des anderen ausgeglichen – und umgekehrt.

 

Ein wichtiger Part für die Mensch-Roboter-Kollaboration ist die Sicherheitstechnik. Braucht der Leichtbauroboter diese teure Technik?


Generell ist für jede Anwendung eine eigene Risikobeurteilung notwendig. Da spielen zum Beispiel das Gewicht und die Art des Werkstückes sowie des Werkzeugs und die mögliche Geschwindigkeit des Roboters eine wichtige Rolle. Wird die Beurteilung erfolgreich abgeschlossen, kann der Roboter ohne Schutzumhausung neben dem Menschen arbeiten. Mittels der eingebauten Leistungs- und Kraftbegrenzung können Mitarbeiter den Roboter flexibel in ihren Arbeitsalltag integrieren und an sich verändernde Produktionslayouts anpassen. Das gehört zu unserem Verständnis von Kollaboration dazu.

 

Wie machen Sie Roboter auch für kleine und mittlere Unternehmen bezahlbar und leicht zu bedienen (Parametrieren statt Programmieren)?


Gerade weil die Roboter aufgrund ihrer kompakten Bauart auch unter beengten Platzverhältnissen arbeiten können, sich dank einfacher Programmierung leicht versetzen lassen und dadurch die hohen Kosten für die Programmierung und – bei MRK-Anwendungen – die Schutzumhausungen entfallen, sind sie sehr kostengünstig implementierbar. Die Programmierung erfolgt über einen Touchscreen oder im Teach-Modus, in dem der Anwender den Roboter einfach per Hand von Wegpunkt zu Wegpunkt führt und die Bewegung abspeichert.

 

Wie dynamisch kann so ein Leichtgewicht arbeiten?


Flexibilität ist eine der wichtigsten Eigenschaften von Leichtbaurobotern. Sie lassen sich nicht nur leicht programmieren und versetzen. Sie können je nach Bedarf auch leicht in bestehende Maschinen integriert werden, auf mobilen Robotern oder Achsen operieren und je nach Werkzeug in unterschiedlichsten Anwendungen arbeiten: Sie kleben, schrauben, schleifen, polieren, messen, prüfen, montieren oder verpacken – je nach Bedarf.

 

Wo MRK eingesetzt wird, funktioniert sie oft nur, wenn deutlich geringere Geschwindigkeiten gefahren werden. Rechnet sich das dann noch für genügend Anwendungen?


Auch hier muss in der Praxis für jede spezifische Anwendung eine gesonderte Beurteilung erfolgen. 16_3_ROB_universal_188.jpgEine mögliche Lösung sieht vor, den Roboter nur dann mit verminderter Geschwindigkeit arbeiten zu lassen, solange sich eine Person in seinem Arbeitsbereich befindet. Dies funktioniert über eine einfache Umstellung in den Bewegungseinstellungen des Roboters. Sobald die Person den definierten Arbeitsbereich verlässt, bewegt sich der Roboter wieder mit maximaler Geschwindigkeit. Außerdem kann man den Roboter außerhalb der normalen Schichten, zum Beispiel nachts, vorarbeiten lassen. Die Arbeiter haben dann genug Material zur Verfügung, das sie bearbeiten können, während der Roboter noch länger mit Maximalgeschwindigkeit arbeitet.

 

Wo würden Sie eine Ihrer MRK-Lösungen in einer Verpackungslinie integrieren?


Zum Beispiel beim Etikettieren von Produkten, wie es der australische Spritzgusshersteller Prysm Industries gemacht hat. Dort übernimmt ein UR5 seit 2014 Etikettieraufgaben und entlastet damit nicht nur die Mitarbeiter, sondern konnte gleichzeitig eine höhere Produktivität, flexiblere Prozesse sowie mehr Aufträge bei 550 Dollar weniger Kosten pro Tag ermöglichen. Natürlich kommen auch Pick & Place-Aufgaben oder das Palettieren in Frage, je nach Bedarf ergänzt durch Kamerasysteme oder andere Sensoren.

 

Die Trends: Wie und mit wem kollaboriert der Roboter in 10 Jahren?


Nur unsere Vorstellungskraft begrenzt uns darin, wie sich diese Roboter einsetzen lassen. Wir haben schon Anwendungen in Galerien oder Farmen gesehen. Sicherlich werden wir in den nächsten 10 Jahren noch viele fantasievolle und ambitionierte Talente erleben, die uns mit neuen Anwendungen überraschen. Natürlich auch in den immer intelligenter gestalteten Fabrikhallen, wo sich Mensch und Roboter durch ihre jeweiligen Stärken ganz alltäglich ergänzen werden.

www.universal-robots.com

Die Fragen stellte Peter Schäfer

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Beitrag aus [me] 3/2016

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