[me] im Gespräch mit ...

Dr. Volker Maier 

von Schaeffler Industrie

 

 

Achtung, das Wälzlager meldet ...

 

 

Jedes Wälzlager kann exquisite Information weitergeben. Es sitzt dort, wo mechanische Kräfte wirken und erfährt sämtliche Belastungen. Wenn die mit dem Wälzlager generierten Daten per Cloud-Technologie mit dem Domain-Know-how eines Lagerherstellers verarbeitet werden, entsteht Mehrwert. Diese Informationen können gezielt zur Steuerung des Prozesses eingesetzt werden. Dabei geht es um optimale Auslastung der Leistungsgrenzen bis hin zur Optimierung der Produktqualität. All das funktioniert aber nur über eine ganzheitliche und durchgängige Infrastruktur vom Sensor bis in die Cloud. Schaeffler hat mit dem Smart Ecosystem 4.0 die passende Umgebung dazu geschaffen. Ein Gespräch mit Dr. Volker Maier. Er verantwortet bei Schaeffler Industrie den Bereich R&D Innovation Projects.

 

Mit dem Smart Ecosystem 4.0 hat Schaeffler Großes vor. Als ganzheitliche, cloudbasierte Soft- und Hardware-Infrastruktur soll das Smart Ecosystem alle Stufen der digitalen Wertschöpfung umfassen. Wie kommt der Anwender damit zurecht?


Dr. Volker Maier: Die flexible Architektur des Systems ermöglicht Herstellern und Betreibern von Maschinen und Anlagen einen einfachen, anwendungsorientierten und ausbaufähigen Einstieg in die digitalen Dienstleistungsangebote von Schaeffler. Das Wälzlager, seine mechatronischen Derivate und das entsprechende Domain-Know-how stellen dabei die zentrale Informationsquelle dar.

 

Wie können Sie damit von einzelnen Komponenten bis zu digitalen Services alle Stufen der digitalen Wertschöpfung erfassen?


Sensorisierte Komponenten, die an zentraler Stelle in den Antriebssystemen von Maschinen und Anlagen Daten erfassen, sind die grundlegenden „Enabler“ für die digitalen Services. Ziel von Schaeffler ist es, kontinuierlich konventionelle mechanische Produkte in die digitale Welt zu transformieren und zu integrieren. Sensorisierte Lager und Führungen sind bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. Auf der Hannover Messe 2017 wird Schaeffler mit dem FAG VarioSense ein mit unterschiedlichen Sensoren modular konfigurierbares, auf Standardtypen basierendes Wälzlagersystem präsentieren, das es ermöglicht, praktisch jede beliebige Lagerstelle zu sensorisieren. Damit ist ein wichtiger Grundstein gelegt, um in Zukunft nicht nur komplexen Systemen, sondern auch einfachen Aggregaten und Maschinen einen Weg in die Digitalisierung und das Internet der Dinge zu ebnen.

 

Wie gelangen die Daten und die Diagnosen in die Cloud, und wie werden daraus digitale Services?


Über ein flexibles Gateway gelangen die Daten in die Schaeffler-Cloud, in der das Wälzlager-Domain-Know-how von Schaeffler in Form von digitalen Services nutzbar gemacht wird. So können über die automatisierte Wälzlagerdiagnose oder die Restlaufzeitberechnung von Wälzlagern konkrete Informationen zum Zustand des Lagers und damit der überwachten Maschine zur Verfügung festgestellt und konkrete Handlungsempfehlungen gegeben werden. Aber auch ein Echtzeit-Eingriff in die operativen Maschinenprozesse wird auf Basis realer Lastdaten möglich sein.

 

Die Wälzlagerdiagnose basiert auf Schwingungsdaten von Wälzlagern und weiterer rotierender Teile wie Wellen. Wie werden diese Daten erhoben und zugänglich gemacht?


Wir präsentieren dazu auf der Hannover Messe den cloudfähigen FAG SmartCheck. Er ermöglicht erstmals einen einfachen und flexiblen Einstieg in die Digitalisierung von Maschinen und Anlagen auf der Basis schwingungstechnischer Überwachung. Die neue Version des SmartChecks ermöglicht über eine MQTT-Schnittstelle den direkten Link in die Schaeffler-Cloud oder jede andere auf IBM-Technologie basierende Plattform. Alternativ ermöglicht eine OPC/UA-Schnittstelle die Kommunikation mit anderen Cloud-Technologien über ein Schaeffler-Gateway oder eine andere Gateway-Lösung. Die Anbindung des SmartChecks an die Schaeffler-Cloud erfolgt dabei denkbar einfach etwa mit einem Smartphone durch das Scannen eines auf dem Produkt befindlichen QR-Codes und über eine frei verfügbare App. Damit hat der Kunde zum Beispiel direkten Zugriff auf die automatisierte Wälzlagerdiagnose von Schaeffler auf Basis der vom FAG Smart Check erhobenen Schwingungsdaten von Wälzlagern und weiterer rotierender Teile wie Wellen.

 

Wie werden die Rechte des Kunden für den Zugriff auf diese Zustandsdaten der Lager geregelt?


Der Kunde erhält je nach Vertrag den Zugriff auf die Zustandsdaten, eine teilautomatisierte Handlungsempfehlung oder bei komplexeren Maschinen auch eine Anbindung an das Schaeffler Service Center, das spezifische und individuelle Handlungsempfehlungen zur Verfügung stellt.

 

Wie sieht es mit weiteren Daten wie zum Beispiel Drehzahl und Drehmoment aus?


In einem nächsten Schritt wird über den SmartCheck auch die Aufnahme von Drehzahl und Drehmoment möglich sein sowie die Klassierung dieser Lastdaten. In der Cloud wird dann auf Basis des Wälzlager-Berechnungstools Bearinx ein Abgleich realer Lastdaten mit den zugrundeliegenden Auslegungs-Lastdaten erfolgen und eine Berechnung der Restlaufzeit des Wälzlagers erfolgen. Diese Anwendungen werden für alle auf der SmartCheck-Technologie basierenden Produkte zur Verfügung stehen, so zum Beispiel auch für Anwendungen in der Bahntechnik.

www.schaeffler.com

Die Fragen stellte Peter Schäfer

 

Beitrag aus [me] 2/2017
 
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