[me] im Gespräch mit ...

Helmut Schmid 

von Universal Robots 

 

„Kollaborierende Roboter gehören zur modernen Fertigung“

 


Mensch und Roboter arbeiten zusammen. Roboter gelten nicht mehr als Wettbewerber um Arbeitsplätze, sondern als zuverlässiger Nebenmann. Geht es nach den Roboterherstellern, entsteht daraus ein Dream-Team, das diverse Jobs gemeinsam produktiver erledigt. Doch wie weit sind wir wirklich auf dem Weg zur Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK). Lassen sich Produktionsabläufe optimieren? Ist der Kollege Roboter wirklich so rücksichtsvoll? Welche Rolle nimmt der Mensch in diesem Szenario ein?

Die [me] hat Roboter-Hersteller und Automatisierer befragt.

In [me] 2.2017 antworten Geschäftsführer Helmut Schmid für Universal Robots und Tomas Prchal. Er ist Global Technology Manager, Metal and Robotics bei B&R.


Helmut Schmid beantwortet Fragen zur Akzeptanz durch Mitarbeiter und zur Produktivität Mensch-Roboter-Kollaboration.

Roboter können auch zu Konkurrenten um Arbeitsplätze werden oder als solche empfunden werden. Wird der Kollege Roboter von den Mitarbeitern akzeptiert?


Helmut Schmid: Es liegt in der Natur des Menschen, der Einführung eines neuen Systems und damit neu definierten Arbeitsprozessen zunächst mit Skepsis zu begegnen. Das ist auch bei kollaborierenden Robotern nicht anders. Unsere Roboter sind jedoch nicht darauf ausgelegt, menschliche Arbeitskräfte zu ersetzen. Daher werden sie in der Praxis zumeist schon kurz nach der Einführung zu wertgeschätzten Kollegen, die manchmal sogar einen eigenen Namen bekommen: Sie übernehmen monotone oder gesundheitsschädigende Arbeiten und helfen als flexibles Werkzeug dort aus, wo gerade Not am Mann ist. Das entlastet die menschlichen Arbeitskräfte und ermöglicht ihnen, sich auf die Tätigkeiten zu konzentrieren, die auch ihrer Qualifikation entsprechen.

 

Welche Erfahrung haben Sie bei der Einführung solcher Systeme gemacht?


Wir merken vor allem, dass es kein Standard-Einsatzszenario für unsere Roboter gibt: Sie werden von unseren Kunden mit ganz unterschiedlichen Zielen eingesetzt – dementsprechend unterscheiden sich auch die erzielten Ergebnisse: Manche spüren Wettbewerbsdruck aus Fernost und automatisieren Produktionsprozesse, um Arbeitsplätze am heimischen Standort zu halten. Andere wiederum möchten ihre Mitarbeiter von ergonomisch belastenden und somit dauerhaft gesundheitsschädlichen Tätigkeiten befreien. Wieder andere setzen sie als eine Art „Springer“ ein, der jeweils in den Bereichen aushilft, in denen die aktuelle Auftragslage Mehrarbeit erfordert. So erreichen sie eine hochflexible Produktion gemäß den Anforderungen der heutigen Zeit.

 

Inwieweit vertrauen die Mitarbeiter auf die Sicherheitsvorrichtungen und -Versprechen?


Sicherheitsversprechen werden nicht aus dem Bauch heraus getroffen, sondern beruhen immer auf einer umfassenden Risikoanalyse vor der Einführung einer Applikation. Zusätzlich erhalten alle Mitarbeiter, die mit der Roboteranlage arbeiten, eine genaue Einführung über deren Sicherheitsvorkehrungen. Das sorgt für ein hohes Verständnis für die Funktionsweise unserer Roboter von Seiten der Mitarbeiter, wodurch der Umgang mit ihnen schnell zu einem selbstverständlichen Teil des Arbeitsalltags wird.

 

MRK und Produktivität: Kollaborierende Roboter arbeiten langsamer als solche, die abgesichert hinter einem Gitter montieren, transportieren, kleben, lackieren oder schweißen. Wie wird das in einer Produktionslinie am Band geregelt. Gibt es dazu extra Bereiche?


Herkömmliche Industrieroboter sind anders als kollaborierende Roboter nicht darauf ausgelegt, in direkter Umgebung menschlicher Arbeitskräfte mit diesen zusammenzuarbeiten und flexibel eingesetzt werden zu können. Ihr Einsatzszenario unterscheidet sich somit stark von dem unserer Produkte, weshalb sie im Regelfall auch in ganz unterschiedlichen Bereichen der Produktionslinie eingesetzt werden. So bringen beide Robotertypen ihre Stärken zur Optimierung der Fertigung ein. Kollaborierende Roboter werden häufig bei einer Fertigung am Band eingesetzt, wenn es um eine optimale Raumnutzung geht und somit nicht die Schnelligkeit der Roboter im Vordergrund steht.

 

Wie entsteht aus kooperierenden Robotern und MRK tatsächlich ein tragfähiges Geschäftsmodell?


Die kollaborierenden Roboter von Universal Robots wurden allesamt aus dem Gedanken heraus entwickelt, die Anforderungen einer modernen Fertigung zu erfüllen. Sie ermöglichen die Automatisierung bestimmter Aufgaben, die vorher mit herkömmlichen Industrierobotern nicht möglich war. Außerdem sind sie auch für kleine und mittelständische Unternehmen eine kostengünstige und lohnenswerte Investition. So tragen wir Automatisierung in ganz neue Bereiche und haben unseren Markt gewissermaßen selbst geschaffen.

 

Wieviel solcher Systeme haben Sie bisher verkauft, und was streben Sie an?


Weltweit befinden sich bereits mehr als 11.000 Roboter von Universal Robots im Einsatz. Wir sind sehr optimistisch, die damit einhergehende Marktführerschaft auch langfristig zu behaupten: So konnten wir im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von über 60 Prozent erreichen und erwarten auch für 2017 ein Wachstum von 50 Prozent oder mehr. Wir möchten auch weiterhin der Innovationstreiber unseres Marktes sein. Deshalb haben wir unsere Ausgaben in Forschung und Entwicklung im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht. Ebenso wichtig ist für uns eine anhaltende Investition in unser Personal, um Leistungsfähigkeit, Know-how und unsere weltweite Präsenz stetig zu erweitern.

 

MRK und Sicherheit: Bei der direkten Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine steht die Sicherheit der Mitarbeiter an erster Stelle. Wie sicher das sein kann, hängt auch von der Applikation ab, oder?


Die Sicherheit des Menschen ist das oberste Prinzip bei der Entwicklung einer Roboteranwendung. Der Roboterarm selbst stellt jedoch nur einen Teil davon dar, da erst die Ergänzung von Werkzeug, elektrischer Verbindung und Programmierung seine praktische Anwendung ermöglicht. Vor der Inbetriebnahme einer kollaborierenden Anwendung ist somit immer eine Risikobeurteilung der vollständigen Applikation inklusive aller Bestandteile im Kontext des jeweiligen Umfelds durchzuführen.

 

Inwieweit können voneinander unabhängige Sicherheitsvorrichtungen die maximale Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleisten?


Kollaborierende Roboter können dank ihrer Flexibilität ganz unterschiedlich zum Einsatz kommen. Genauso unterscheiden sich auch die im Einzelfall anzuwendenden Sicherheitsmaßnahmen, weshalb die Risikobeurteilung für jede Anwendung vor Inbetriebnahme essentiell ist. Bei echter Mensch-Roboter-Kollaboration, also der direkten Zusammenarbeit von Mensch und Maschine an einem Ort, wird die Sicherheit aber immer durch die Leistungs- und Kraftbegrenzung des Roboters gewährleistet. Die Kontaktkräfte von Mensch und Roboter werden so technisch auf ein ungefährliches Maß begrenzt. Nichtsdestotrotz behält der Systemintegrator auch hier die Gesamt-Applikation im Blick und ergreift gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen für das an den Roboter angeschlossene Werkzeug.

 

Ist eine Aussage zur Sicherheit rechtlich und faktisch verbindlich? Wer haftet im Schadensfall?


Verlässliche Aussagen zur Sicherheit einer Roboteranwendung können nur von dem für die Integration der kompletten Anlage Verantwortlichen getroffen werden – also von den jeweiligen Systemintegratoren und Vertriebspartnern. Diese haben die Pflicht zu prüfen, welche der bestehenden EU-Richtlinien bei der konkreten Applikation anzuwenden sind. Die Vielzahl bestehender Richtlinien unterscheidet sich auch darin, ob die Konformitätsprüfung vom Systemintegrator selbst durchgeführt werden kann oder ob eine staatliche Prüfstelle wie der TÜV einzubinden ist.

www.universal-robots.com

 

 

Beitrag aus [me] 2/2017
 
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