Technik-Insekt auf sechs Beinen 

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Der Roboter heißt Hector und sieht aus wie eine riesige Stabheuschrecke. Inspiriert von dem Insekt hat Hector (HExapod Cognitive auTonomously Operating Robot) elastische Gelenke und ein extrem leichtes Außenskelett. Ausgeklügelte Antriebssysteme sorgen in den sechs Beinen für flexible Bewegungen.

ANJA SCHÜTZ

 

Behutsam bewegt sich Hector über den Hindernis-Parcours, dabei sieht er so elegant aus, wie kaum ein anderer Roboter. Die Forschungsgruppe „Biomechatronik“ der Universität Bielefeld unter der Leitung von Prof. Dr. Axel Schneider entwickelte den sechsbeinigen Laufroboter nach dem Vorbild der Stabheuschrecke. Für die Konstruktion wurden die Maße des Insekts etwa um den Faktor 20 hochskaliert. Die resultierende Gesamtlänge Hectors liegt daher bei rund 90 cm – eine Riesenstabheuschrecke. Ziel des Projekts ist, das Laufverhalten dieser Insekten besser zu verstehen und die zugrundeliegenden Koordinationsmechanismen für technische Systeme nutzbar zu machen. Außerdem will das Forscherteam grundlegende Konzepte für die Ansteuerung von elastisch aktuierten Robotersystemen weiter untersuchen.

 

Biologisches, dezentrales Regelungskonzept


Das extrem leichte Außenskelett besteht aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK). Alle Antriebsteile und die Verbindungselemente der Beinsegmente wurden in Bielefeld hausintern konstruiert und gefertigt und bestehen aus einer Aluminiumlegierung. Die Einzigartigkeit des 12 Kilogramm schweren Roboters besteht darin, dass er mit sehr vielen Sensoren ausgestattet ist und mit einem biologischen, dezentralen Regelungskonzept arbeitet. Durch die eigens konstruierten Antriebe und Tastsensoren kann er sich beim Laufen flexibel an die jeweilige Beschaffenheit des Bodens anpassen. Momentan ist Hector in der Lage, über leicht unebenes Gelände zu laufen und kleinere Hindernisse, wie beispielsweise Stufen, problemlos zu übersteigen.

 

Ein Bein hat drei Motoren


Jedes Bein des Laufroboters besitzt drei Gelenke, so dass gleichzeitig die Bewegungen von 18 Gelenken kontrolliert werden müssen. Dafür sind pro Bein drei bürstenlose maxon EC 45 Flachmotoren verbaut. Bei den 50 Watt starken Antrieben handelt es sich um Spezialausführungen ohne seitliche Anschlussplatine. Die 18 Beingelenke werden nach biologisch inspirierten Regelalgorithmen gesteuert. Dafür ist die Antriebselektronik mit entsprechender Regelung in die Antriebe eingebettet. Um die Antriebe elastisch zu gestalten, wurden eigens dafür entwickelte Elastomerkupplungen direkt in die Antriebe integriert. Dem Forscherteam war es wichtig, dass die Motoren ein hohes Drehmoment bei einem kleinen Bauvolumen und einer geringen Masse aufweisen. „Außerdem sollten die Motoren eine möglichst geringe Länge aufweisen, da die resultierende Länge des gesamten Antriebs neben anderen Faktoren auch den Bewegungsspielraum der Beine limitiert. Daher haben wir uns für die EC 45 flat 50 W entschieden“, erklärt Jan Paskarbeit, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe und Entwickler und Erbauer von Hector.

 

Einfaches intelligentes Verhalten


Zwar ist Hector in Sachen Intelligenz Insekten noch weit unterlegen, aber schon bei der Beinkoordination werden komplexe Sensordaten verarbeitet. Er kann alleine laufen und reagiert auf Hindernisse. „Eine gewisse, einfache Intelligenz kann man einem Insekt kaum absprechen. In diesem Sinne kann man auch bei Hector von einem einfachen, intelligenten Verhalten sprechen. Eine von vielen wichtigen Eigenschaften von intelligentem Verhalten ist beispielsweise, über den Moment hinaus zu planen. Erste Varianten einer „höheren“ Robotersteuerung, die gegenwärtig auf dem System getestet werden, sollen dem Roboter einfache Planungsfähigkeiten verleihen, ihn also auch in diesem Sinne etwas intelligenter machen“, sagt Paskarbeit. Bis 2017 soll der Laufroboter im Rahmen eines kooperativen Projekts innerhalb des Bielefelder Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie mit weiteren Fähigkeiten ausgestattet werden. 

www.maxonmotor.de  

 

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Beitrag aus [me] 6/2015

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