Technik muss begeistern 

Den Unternehmen fehlen die Ingenieure zu Tausenden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht dadurch den Aufschwung gefährdet. Im Juli 2010 fehlten 36 800 Ingenieure, und die Lücken wachsen kontinuierlich. Der Ingenieurmangel wird sich in den nächsten Jahren verschärfen, stellte das IW kürzlich in einer Studie fest. In keinem anderen europäischen Industrieland rücken so wenige Ingenieure von den Hochschulen und Universitäten auf den Arbeitsmarkt nach.
Ein Grund ist die mangelnde Akzeptanz für technische Berufe bei Jugendlichen. Dabei ist Technik den Kids keineswegs fremd. Computer sind nur ein Teil ihrer täglichen Technikerfahrung. Technik wird auch von Kindern und Jugendliche als selbstverständlich im Leben genommen. Was am Selbstverständlichen häufig fehlt, ist die Spannung. Dabei kann gezeigt werden, dass zum Beispiel die Arbeit als Ingenieur hochspannend ist– nicht nur in der Raumfahrttechnik. Auch „wenig erregende“ Kabel und Maschinen liefen dazu reichlich Stoff. Über sie lassen sich spannende Geschichten über berufliche Perspektiven vermitteln. Das Pixybuch eines Kabelherstellers ist ein ermutigendes Beispiel – wie man es richtig macht.
Wie bei allen Missionen ist Authentizität ein Muss: Nur wer von Technik fasziniert ist, kann dieses Gefühl an andere weitergeben. Dieser Aufgabe sind Schulen nur selten gewachsen. Deshalb finden nur wenige Schüler Technik sexy. Obwohl sie durchaus begreifen, dass nicht die Superhelden die Welt retten, sondern die Ingenieure mit ihren Ideen und Projekten.
Hier liegen große Potentiale, die während der Schulzeit oft verschüttet werden. Schließlich ist die Affinität der Kinder zur Technik offensichtlich, denn sie sind die geborenen Forscher: offen, neugierig und begeisterungsfähig. Der Erfolg von Lego und Fischer Technik beruht darauf. Doch auch die Schulen müssen an diesem Strang mitziehen. Es darf nicht sein, dass technische Fächer nicht gewählt werden, weil der Mathe-Unterricht traditionell Frust unter den Schülern verbreitet. Schulabgänger begründen ihre Ablehnung gegen Technikstudiengänge damit, dass dort der Mathematik-Anteil viel zu groß sei. Deshalb beklagen sich viele Lehrkräfte an technischen Hochschulen und TUs, dass im Mathe-Unterricht der Zündstoff liege, der jedes Interesse an technischen Studienfächern wegsprenge. Jetzt nur auf die Lehrer zu schimpfen, wäre zu einfach. Klar, die guten Pädagogen können kaum für ein Fach begeistern, das über Schülergenerationen hinweg ein Imageproblem hat.
Technikflucht liegt keineswegs nur an Mathelehrern. Bei 8 Jahren Gymnasium werden oft naturwissenschaftliche Fächer beschnitten. Zudem haben Chemie-, Bio- und Physiklehrer einen anderen fachlichen Hintergrund als Elektrotechniker und Maschinenbauer. Diese Lücke können gemeinsame Ausbildungsprojekte von Unternehmen und Schulen schließen. Technik muss jetzt Perspektiven zeigen und begeistern.

Zitat:
„Die Entscheidung einen technischen Beruf zu ergreifen ist zu 80 Prozent in der Kindheit begründet“

 

 

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