"Eben mal schnell die Welt retten"

Wer hätte das gedacht. Der Atomausstieg verändert unser Land schneller als erwartet. Das erschwert planvolles Handeln. Gut, der Politik wird das längst nicht mehr zugetraut, aber auch der Wirtschaft fehlen noch die durchgängigen Konzepte. Die großen Energieversorger erfinden sich nach anfäglichen Drohgebärden zur Zeit neu.

Hinter der Abschaltung von 8 400 Megawatt gesicherter Kraftwerksleistung steckt ein riesiger Handlungsbedarf. „Der deutsche Strommarkt gleicht derzeit einer Baustelle ohne Architekten“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Die Bauarbeiter wissen zwar, worum es geht, aber der Bauplan fehlt eben noch.

Dafür gibt es genug Signale, dass sich vieles ändert: Ich habe zum Beispiel das „Atomkraft-Nein-Danke“-Schild von meinem alten Diesel-VW-Bus gekratzt. Ohne Atomkraftwerke wirkt es auch deplaziert. Zu einem Elektro-Mobil Marke Siemens-Volvo würde es besser passen. Denn Siemens hat laut „Atomkraft nein danke“ gesagt und möchte sich wieder als Wegbereiter von E-Mobilen einen Namen machen. Ob sich deshalb das Ersetzen meines alten Diesels durch einen Elektromotor lohnt, wird sich noch zeigen.

Aber mit Komponenten wie dem Motor allein lässt sich kein Ruhm gewinnen. E-mobility verlangt heute nach dem ganzen Auto plus entsprechender Infrastruktur. Die Siemens-Produktion elektrischer Antriebe für öffentliche Verkehrsmittel, das Batteriemanagement und die Ladetechnik sind eben nur beste Voraussetztungen – erzeugen aber isoliert betrachtet wenig Publicity. Deshalb erscheint der Schritt zum ganzen Auto nur konsequent.

Um ganze Sachen zu machen, hat sich der Münchner Elektrokonzern allerdings einen ungewöhnlichen Partner ausgesucht: den schwedischen Autobauer Volvo, der inzwischen zum chinesischen Geely-Konzern gehört. Warum gerade die und nicht VW? Darüber darf spekuliert werden. Für meinen alten T3 wäre mir VW sympathischer gewesen, aber deutsche Automobilisten waren bisher nicht gerade wegweisend in Richtung Elektroantriebe.

Die deutsch-chinesischen Pläne klingen demgegenüber nach High-Speed: Gemeinsam sollen Antriebstechnik, Leistungselektronik und Ladetechnik für den Volvo-C30-Electric angepasst werden. Die ersten Mobile sollen bereits 2011 Probe fahren und Ende 2012 sollen dann 200 Fahrzeuge an Siemens geliefert werden. Aber selbst Siemens und Volvos Chinesen können alleine nicht eben mal schnell die Welt retten. Auch andere geben jetzt Gas mit Strom: SEW realisiert z.B. mit dem sächsischen Elektroautobauer Citysax die Idee die Akkus flächendeckend aufzuladen. Den Anfang macht demnächst ein Elektroauto am Frankfurter Flughafen. Wenn dann noch das gigantische Wüstenstrom-Projekt Desertec oder zumindest die Idee hierfür nordwärts nach Griechenland, Spanien und Portugal wandert, wird in Europa wieder mehr Wert geschöpft – für E-mobility „Made in Germany“ oder „Made in China“. Aber Strom kennt keine Grenzen.

Herzlichst Ihr Peter Schäfer

Oktober 2011

 

spacer
Online Werbung @ [me]
spacer