Wo bleibt der Papierkorb?

Wer Sheriff in den USA werden will, muss bereit sein, auch seinen privaten Facebook-Account zu öffnen. Er könnte ja eine Gangsterkarriere hinter sich haben. Also, Passwort oder keinen Job. Auch Privatunternehmen erpressen von Bewerbern bereits Infos aus dem geschützten Bereich. Daten sind heiße Ware.

Schließlich resultieren aus der Geschwätzigkeit im Netz unendlich viele Infos: Texte, Bilder und Videos schlagen dort auf – schnell wie aus der Pistole geschossen. Denn alle machen mit beim großen Outen. Dass dabei Betriebsgeheimnisse, wie Konstruktionsunterlagen einer Produktionsmaschine vor dem Patentantrag, öffentlich werden, scheint die Ausnahme. Solche Daten belasten eher Laptops, die gerne auf Messeständen verschwinden. Oder sie gelangen durch Hackvisiten in die falschen Hände – aber das sind andere Sicherheitsthemen.

Wie sicher können sich Nutzer fühlen? Nach wie vor scheuen sich viele Firmen, eigene Profile anzulegen – und das nicht zu unrecht. Denn genaue Richtlinien und technische Hilfsmittel müssen verhindern, dass schützenswerte Informationen am Schwarzen Brett gepostet werden.

Und was einmal online steht, bleibt (meist) für immer online. Ob Wiesn-Foto nach der 5. Maß, ob ein Kommentar zu Madonnas Männern in Strumpfhosen oder gar das Ablästern über ewig gestrige Technik des Wettbewerbs. Eine Bewerbung bei diesem Wettbewerber verspricht dann wenig Erfolg. Der Blog vergisst nichts, und ein persönliches Profil in einem sozialen Netzwerk schwört ewige Treue. Wer sich bei einem neuen Online-Shop anmeldet, stellt seine Daten mehr oder weniger direkt der Öffentlichkeit zur Verfügung. Wer solche persönlichen Daten im WorldWideWeb weiter nutzt oder ganz einfach bei Anbietern wie Google kauft, darauf hat der naive Shop-User keinen Einfluss. Also nicht wundern, wenn nach intensiven Internetaktivitäten viele Newsletter ins Email-Postfach flattern.

Den geschätzten Windows-Papierkorb, der mit einfachen Klicks zu bedienen ist und unerwünschte Dateien verschwinden lässt, den gibt es fürs Internet leider nicht. Hier hilft Vorsicht – nur das posten, was jeder wissen darf (siehe Seite 16). Gegen inhaltlich gehaltvolle und orthografisch richtige Texte in großer Online- Runde spricht in der Regel nichts. Es macht sogar Spaß zu verfolgen, auf wie vielen weiteren Webseiten das eigene Expertenwissen in kürzester Zeit auftaucht – vorausgesetzt die nötigen Quellenangaben sind korrekt.

Aber der Clou kommt noch: Facebook will jetzt die „timeline“ einführen, eine Art Zeitstrahl, auf dem die Aktiväten der User dokumentiert werden und der auch besondere Verknüpfungsmöglichkeiten (!) bietet. Die Idee dahinter ist, das gesamte Leben zu dokumentieren – von der „Wiege bis zur Bahre“. Na, dann viel Spaß und noch mehr Vorsicht. Denn das Versprechen, die eigenen Daten damit „redigieren“ zu können, wirkt wenig glaubwürdig. Facebook wird freiwillig keinen Papierkorb aufstellen. 

Herzlichst Ihr Peter Schäfer

 

April 2012 

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