"Aus 1 mach 10"

Das Hexeneinmaleins ist aktueller denn je. Teurer Strom und knappe Rohstoffe verlangen, mehr Produkte in kürzerer Zeit aus weniger Rohstoffen zu produzieren – „aus eins mach zehn“ – diese Rechnung steht ganz oben auf der Industrieagenda. Dazu gehören höchste Energieeffizienz und zur Würze eine Prise Nachhaltigkeit. Für diese Würzmischung sprechen Berechnungen des Statistischen Bundesamts, wonach im produzierenden Gewerbe rund 43 Prozent der Ausgaben aufs Material entfallen, und das ist doppelt soviel wie fürs Personal. Aber Rohstoffe und Energie brauchen zur Verteuerung keine Gewerkschaften. Sie schaffen das ohne.

Da müssen populäre Ziele her, hat sich die Bundesregierung gesagt und die Messlatte für 2020 erst einmal ziemlich hochgelegt. Dann soll Deutschland aus der gleichen Menge Rohstoffe die doppelte Wirtschaftsleistung wie 1994 herausholen. Das Ziel ist längst nicht erreicht, aber die Erhöhung der Preise für Rohstoffe und Energie versprüht einige Hoffnungsfunken für diese Nachhaltigkeitsrechnung. Denn immer mehr Unternehmen überlegen, wie sie mehr aus weniger Rohstoffen herausholen. Über Beispiele, wie 20 bis 30 Prozent Material gespart werden kann, berichten wir, denn Mechatronik fördert die Nachhaltigkeit besser als manch eine politsche Zielvorgabe. Zu Buche schlagen zum einen Verbesserungen der Ablauforganisation im Betrieb, aber vor allem effizientere Maschinen.

Selten waren die Verkaufschancen für neue Maschinen besser. Die Unternehmens-berater von Roland Berger folgern aus einer Studie, dass das steigende Umweltbewusst-sein der Kunden des Maschinenbaus einer der wichtigsten Trends der kommenden Jahre sei. Die Intelligenz in den Maschinen deutscher Hersteller hebt sie gegenüber den Billiganbietern ab. Gute Aussichten!

Jetzt kommt es darauf an, den Blick der Anwender auf die Lebenshaltungskosten zu lenken, dann rechnet sich in der Regel auch der höhere Preis. Eingesparte Materialien und Energie sprechen eine klare Sprache. Jeder, der ein Auto fährt, das bei gleicher Leistung nur die Hälfte des Models von 1994 verbraucht, versteht das und verzeiht u.U. auch der Bundesregierung die oben beschriebene populistische Messlatte. Auch der Chef der Deutsche Messe AG, Dr. Wolfram von Fritsch, hat recht, wenn er zum Abschluss der Hannover Messe grüne Technologien weltweit als Geschäftsmodell und Wachstumstreiber bezeichnet: „Die Industrie hat hier marktreife Lösungen für die nachhaltige Produktion präsentiert und schreibt mit grünen Technologien schwarze Zahlen.“

Bleibt nach den großen Worten und schönen Aussichten der Blick in die Unternehmen – dort bestätigt sich ein weiterer Trend. Faires, verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln zahlt sich aus – im Benchmark oder ganz einfach beim Kunden. Angesichts des Fachkräftemangels sticht Nachhaltigeit auch bei Bewerbern. Sie bevorzugen Unternehmen, die ethische Werte beachten und nachhaltig für Mensch und Umwelt wirtschaften (siehe Seite 14 „Verantwortung übernehmen“).

Viel Spaß beim Lesen

 

Herzlichst Ihr Peter Schäfer

 

Mai 2012

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