Arbeiten, um zu leben

Alle klagen über Fachkräftemangel. Gefragt sind Rezepte dagegen. Eines lautet: „Macht es den Bewerbern leicht, sich für uns zu entscheiden“. Dazu erscheint es höchst sinnvoll deren Bedürfnisse zu kennen. Doch wie leicht machen wir es ihnen? Dazu zunächst einige Zahlen und Meinungen:


Eine Studie, die in den vergangenen Monaten von der Hochschule Rhein Main durchgeführt wurde, zeigt einen deutlichen Trend auf, der sich mit dem sperrigen Begriff Work-Life-Balance beschreiben lässt. Die Mehrheit der 268 Befragten setzt auf viel Zeit für Familie und Freunde (92,9 Prozent). Flexible Arbeitszeiten sind für 83,6 Prozent ein ausschlaggebendes Kriterium bei der Wahl des potenziellen Arbeitgebers. Die so genannte Generation Y – das sind die, zu denen auch der technische Nachwuchs zählt – schätzt Unabhängigkeit, Work-Life-Balance und stetige Weiterbildung. Für 71,3 Prozent sind interne und externe Fachseminare von großer Bedeutung. Abwechslungsreiche und anspruchsvolle Aufgaben motivieren stark und sind für 86,9 Prozent der Befragten sehr wichtig.


Work-Life-Balance hat also ganz und gar nichts mit schöpferischer Faulheit zu tun. Das haben viele deutsche Firmenchefs erfahren – manchmal höchst schmerzlich. Denn bei vier von zehn Mitarbeitern klappt das mit der Ausgewogenheit zwischen Wohlfühlen und Arbeit nicht. Der übliche Dauersprint im Job zieht in Deutschland Probleme nach sich. Das belegt die „Global Talent Management & Rewards Study 2012“. Sie besagt, dass es um die Work- Life-Balance in Deutschland schlechter steht als in vielen anderen Staaten weltweit. Bei rund 40 Prozent der Mitarbeiter könne von einer Balance eher nicht die Rede sein. Basis für die Untersuchung sind die Aussagen von über 1 600 Unternehmen weltweit zum Vergütungs- und Talentmanagement.


Vier von zehn Deutschen arbeiten unter großem Druck und die Arbeitsbelastung ist hierzulande deutlich gestiegen. Der Wettbewerb steigt und viele Unternehmen stehen unter dem Druck, kurzfristig ihre Produktionsprozesse zu optimieren oder ihre Umsätze zu steigern. Gut, Höchstleistungen sind kurzfristig möglich, aber bei Dauersprint erlahmt die Motivation.


Unterm Strich führt ewiger Stress zur Kündigung. Aus Mitarbeitersicht zählt die Chance, arbeitsbezogenen Stress zu begrenzen, zu den zehn wichtigsten Gründen für den Jobwechsel. Der Studie zufolge haben 70 Prozent der Unternehmen in Deutschland Probleme, ihre jungen Fachleute in der Firma zu halten. International sind es dagegen 54 Prozent. In jeder dritten deutschen Firma ist zudem die Fluktuation der Hochschulabsolventen hoch, weltweit dagegen nur in jeder fünften.


Das sind keine guten Aussichten, neue Mitarbeiter zu begeistern. Doch statt zu jammern sollten daraus Strategien entstehen. Etwa wie Work-Life-Balance Mitarbeiter motiviert und junge Ingenieure bewegt, sich für uns zu entscheiden. Mein Kollege Heinrich hat sich dazu einige Gedanken gemacht, die ich allerdings nicht so ohne weiteres unterschreibe (Siehe Heinrich).


Herzlichst

Ihr  Peter Schäfer

 

 

Februar 2013

Editorial aus:

13_1_TITEL_188.jpg

spacer
Online Werbung @ [me]
spacer