Nachhaltige Peanuts 

Wenn die Kuh per SMS den Bauern ruft, ist das sicherlich eine M2M-Lösung, die das Prädikat nachhaltig verdient. Wer sein Kapital in die in Echtzeit überwachten Kühe steckt, leistet mehr fürs nachhaltige Wirtschaften als Alt-Bundespräsident Wulff. Der lies für 100 000 Euro Porträts von Bundespräsidenten in der Villa Hammerschmidt aufhängen. Das Geld stammte aus dem Konjunkturpaket für Nachhaltigkeit. Sein Nachfolger Joachim Gauck entfernte kürzlich diese Bildergalerie deutscher Nachhaltigkeit aus den öffentlich zugänglichen Räumen seiner Dienstvilla.


Mit unter Beweis gestelltem Verständnis für Nachhaltigkeit würdigte Gauck die neuen Träger des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Er nannte sie Exponenten für etwas, was ihn auch stolz auf Deutschland mache: Erfindungsreichtum und Unternehmergeist von Menschen, die das Wünschenswerte in Machbares wandeln. „Es reicht ja nicht aus, wenn wir große Worte wählen und politisch korrekt mehr Nachhaltigkeit wünschen.“


Wie bei jedem hehren Ziel gibt es Rückschläge. Nachhaltigkeit sollte nichts kosten, denn „Geiz ist geil“. Kostet sie doch etwas, wie bei der Energiewende, sind die Lobbyisten zur Stelle. Wie eine erfolgreiche Kampagne der Atomstrom-Lobby mutet es an, wenn in einer Umfrage von Bild gleich 65 Prozent der befragten 100 000 Leser sich die Atomkraft zurückwünschen.


Dann noch das Getöse um die EEG-Umlage, die außer für besonders energieintensive Industrien (für die wird‘s billiger) 2013 auf 5,58 Cent je kWh steigt. Nachhaltigkeit in Form von Strom kostet – allein durch neue Transportleitungen. Dennoch kostet der „konventionell“ erzeugte Strom den Verbraucher unterm Strich mehr. Das beweist eine Studie des Forums Ökologisch-soziale-Marktwirtschaft (FÖS). Die versteckten Zusatzkosten gehen in Steuern und Abgaben unter. Seit Jahrzehnten wird gefördert: Atomstrom seit 1970 mit 187 Mrd Euro, Energie aus Steinkohle mit 177 Mrd und Braunkohle mit 65 Mrd Euro. Die 54 Mrd Euro für Ökostrom sind dagegen Peanuts. Und dann die Finanzhilfen und Steuervergünstigungen: Im Schnitt wurde erneuerbar erzeugter Strom von 1970 – 2012 mit 3, 4 Cent pro kWh, Braunkohle mit 1,3, Steinkohle mit 3,3 und Atomstrom mit 4,0 Cent gefördert. Und es fehlen noch die gesamtwirtschaftlichen Folgekosten, wie Endlagerung und Klimaschäden. Die FÖS-Studie schlägt sie drauf. Eine kWh- Windstrom kostet die Gesellschaft 8,1 Cent, Wasserstrom 7,6, Steinkohle 14,8 und Atomstrom von 16,4 bis 42,2 Cent.


Die wegen der Anlagen-Investition hohen Kosten der Fotovoltaik mit 36, 7 Cent setzen die FÖS-Experten in Relation mit den Anfangszeiten der Atomenergie. Sie wurden mit 60 Cent/kWh subventioniert. Das Fazit: Nachhaltigkeit lohnt sich am Ende doch!

 

Herzlichst Ihr  Peter Schäfer

November 2012

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