Innovation ist blau

Der junge Picasso hat in seiner Blauen Periode gemalt wie vorher kein anderer. Kunstexperten sprechen von bahnbrechender Innovation. Getrieben war sie von einem ungeheuren Kreativitätsschub. Kreativität ist die rebellische Schwester der Innovation. Eine kreative Idee ergibt noch lange keine Innovation. Sie wirbelt das Gewohnte durcheinander und bahnt neue Wege.


Ein Beispiel für kreatives Schaffen kurz vor der Innovation ist der erste Computer mit einem Prozessor aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen. Ein Team der Stanford University hat ihn gebaut. Computer werden immer kleiner und leistungsfähiger, wobei die Schaltkreise auf den Chips inzwischen so winzig sind, dass die Physik dem Fortschritt bald ein Ende setzt. Als Ausweg gelten Kohlenstoff-Nanoröhrchen, die als Transistoren auf Mikrochips eingesetzt werden sollen. Allerdings ist die Produktion dieser Carbon Nanotubes extrem schwierig. Franz Kreupl, Professor für Hybride Elektronische Systeme an der Technischen Universität München, bestreitet in der Zeitschrift „Nature“, dass solche Computer heute schon wettbewerbsfähig sind. Sie seien eher mit den Prototypen aus dem Jahr 1955 vergleichbar. Das aktuelle Design des Prozessors sieht Kreupl kritisch. Denn in der PMOS-Ausführung lasse sich der Chip nicht skalieren, also nicht kleiner produzieren. „Für mehr Leistung ist das aber nötig, denn der Nanoröhrchen-Rechner der Stanford-Forscher hat gerade einmal 178 Transistoren auf seinem Prozessor-Chip. Heutige CPUs auf Siliziumbasis vereinen mehrere Milliarden Transistoren auf einem Chip.“ Das ist eine Entgegnung aber keine „Watschn“ (Ohrfeige) für die Kreativen. Bis zur Innovation braucht es noch einige Schritte, aber die Richtung stimmt.


Manchmal geht es schneller und nicht zurück ins Jahr des 1955-Burgers von Mac Donalds. Innovationen für eine vernetzte Welt sind heute unser tägliches Brot in der [me]-Redaktion. Mobiles Internet, Big Data, Cloud Computing und das „Internet der Dinge“ sind solche Themen. Die Zahl der daran beteiligten intelligenten Systeme wächst stetig weiter: Marktbeobachter von IDC gehen davon aus, dass bis 2015 mehr als ein Drittel der vernetzten Geräte intelligente Systeme sein werden – das entspricht einem Marktvolumen von etwa vier Milliarden Einheiten. Dieser Wandel birgt Vorteile: Intelligente Anwendungen tragen in fast jeder Branche zur Produktivitätssteigerung bei. (Dazu Seite 30)


Um bei den ständig gut informierten Kreisen zu bleiben. IDC zufolge setzt jedes dritte Unternehmen in Deutschland Social Media wie Public Social Networks oder Communities für Unternehmenszwecke ein – Tendenz: sehr schnell steigend. Innerhalb der nächsten beiden Jahre nimmt die Zahl der Betriebe weiter zu, die mit Kunden und Geschäftspartnern über soziale Medien interagieren und Mitarbeitern diese Funktionen auch für die interne Zusammenarbeit zur Verfügung stellen. Wie sich Social Media im Kommunikationsmix macht, erfahren Sie in unserer Serie „Die Reise der Entscheider (Teil 2)“ auf Seite 12.


Kreativ und innovativ sein wie Picasso in der Blauen Phase, das sollten sich alle wünschen, die von Industrie 4.0-Errungenschaften reden. Bis in einer [me]-Ausgabe geklärt wird, ob das nun eine Revolution oder Evolution ist, reiben wir uns die Hände und sagen, das haben wir doch schon viel früher so gemacht.

 

Ihr  Peter Schäfer

 

 

Oktober 2013

 

Editorial aus [me] 5/2013:

13_5_TITEL_188.jpg 

spacer
Online Werbung @ [me]
spacer