Alle für einen

Dort wo der Innovationsdruck hoch ist, sind gute Ideen gefragt. Und die braucht der deutsche Maschinenbau dringend. Die meisten Hersteller leben davon teure und komplexe Maschinen ins Ausland zu verkaufen. Das erzeugt einen enormen Innovationsdruck, denn was heute neuester Stand der Technik ist, wird morgen Standard sein. Ständige Innovationen sichern also das Überleben.


Innovationen kommen aus vielen Quellen. Das Potenzial dazu hat kaum ein einziger Zulieferer alleine. Der Maschinenbauer braucht deshalb viele Partner und nicht einen für alles. Das Credo lautet: „Innovationspartnerschaft mit vielen Suppliern“. Vielleicht bietet der eine Partner gute Servoantriebe, aber die Industrie-PCs des Wettbewerbers passen harmonischer ins Gesamtkonzept der Anlage. „Kein Supplier allein macht den Maschinenbauer glücklich“, kommentiert Dr. Rainer Stetter von ITQ. Glücksbringer, die alles können, bieten und liefern was ein Maschinenbauer braucht, gehören in die alte Zeit – selbst wenn beide Ohren für Kundenwünsche weit geöffnet sind. In jedem zweiten Vortrag wird das „offene“ Ohr beschworen. Schließlich sei die Grundlage jeder Innovation, „immer ein offenes Ohr für die Probleme der Kundschaft zu haben“, heißt es im verschwörerischen Ton. Nicht zu vergessen, das Bekenntnis, nur Produkte anzubieten, „die einen wahren Nutzen für den Kunden haben.“ Bei solchen, meist im geschliffenen Marketingjargon vorgetragenen Erkenntnissen, denke ich immer an den Bäcker meines Vertrauens. Ob seine Semmeln auch etwas mit dem Kundennutzen zu tun haben, den er zuvor durch sein offenes Ohr erlauscht hat? Aber sicher doch! Schmeckt sein Brot niemandem, bleibt er drauf sitzen und trägt nicht zur Sättigung hungriger Kunden bei.


Zurück zum Nutzen geschmacksneutraler Technik: Cyber Physical Systems verhelfen zu den so dringend erwünschten Innovationen. Schließlich basiert das alles auf der Vernetzung der Fähigkeit der Vielen. Prof. Alberto Sangiovanni-Vincentelli von der Universität Berkeley, einer der Ideengeber der 4. industriellen Revolution, brachte auf dem VIP-Kongress von National Instruments auch die Schwarmintelligenz ins Spiel. Informationstechnologie entwickle sich zunehmend zu einer dezentralen und kollaborativen Umgebung, die reich an Schnittstellen zur physikalischen Welt, dem Internet der Dinge, sei. Dass der Schwarm das Leben der einzelnen Teilnehmer sicherer und komfortabler macht, setzt der Professor dabei voraus. Alles dreht sich um Software. Sie gibt den Ton an und bindet Hardware, also Elektronik und Mechanik wie in der „klassischen“ Mechatronik ein (siehe Seite 9).


Also alle für den Maschinenbauer: Erst die Fähigkeiten von Vielen verleihen einer Engineering Community die notwendige Drehzahl, um Innovationen für den Maschinenbau voran zu treiben. Auf der SPS IPC Drives wird sich die Engineering Community formieren. Ich freue mich schon auf die Pressekonferenz der Innovatoren und werde in der [me] die Initiative durch die Schilderung von Engineering-Beispielen unterstützen. Der erste Beitrag dieser Serie, mit dem Thema „Im mechatronischen Beziehungsdreieck“, steht auf Seite 14.

Viel Spaß beim Lesen.

 

Herzlichst Ihr

Peter Schäfer

 

 

November 2013

 

Editorial aus [me] 6/2013:

13_6_TITEL_188.jpg 

spacer
Online Werbung @ [me]
spacer