Ungeschützter Datenverkehr 

Wer die Daten hat, hat die Macht. Das ist eine einfache Rechnung, bei der unterm Strich die Generierung und Analyse der Informationen über Software läuft. Google hat dieses Geschäftsmodell zunächst für den Consumermarkt perfektioniert. Die Digitalisierung der Produktion steht auf der anderen Seite der Medaille. Diese Daten stammen aus Maschinen, Anlagen und Prozessen.

Wer über sie verfügt, gewinnt das Rennen. So argumentiert auch Siemenschef Joe Kaeser im Interview (Der Spiegel 20/2014 vom 12.5.2014): „Der Zugriff auf Daten ist ein ganz entscheidender Faktor: Wer die Daten hat, hat gewaltigen Einfluss auf Konsumenten, Prozesse und ganze Wirtschaftssektoren.“


Noch verbuchen Automatisierer in industriellen Prozessen große Vorteile für sich und ihre Kunden. Sie können zum Beispiel Wetterdaten und Daten aus Windparks auswerten und wissen, wieviel Strom erzeugt wird und leiten daraus ab – wann er wieviel kostet. Joe Kaeser folgert: „Wir können durch unsere Fertigungssteuerung bei unseren Kunden dann dafür sorgen, dass hochenergieintensive Maschinen besonders gut mit Aufträgen versorgt werden.“


Google kann das noch nicht. Noch kommen die Daten aus den Anlagen und Maschinen. Aber Daten lassen sich nicht abschotten. Auch das gibt der Siemens-Chef zu. So ist die deutsche Cloud keine Option für Sicherheit: „Wer glaubt, dass sich Daten national sicher abschotten lassen, lebt in einer etwas anderen Welt.“


Aber was passiert nun wirklich mit den Daten aus den Maschinen und Anlagen? Wann wird Google sie auswerten können, in sein globales Netzwerk einspeisen und damit Geschäfte machen? Der europäische Gerichtshof weist den Konzern immer wieder in die Schranken. Ungeschützter Datenverkehr öffnet der Industriespionage Tür und Tor.


Aber es kommt noch besser. Heute übernehnen beauftragte Roboter, die sog. Bots den Datenklau und die arbeiten viel effektiver und schneller als ein Mensch das könnte. Wie der ‚Bot Traffic Report‘ der Firma Incapsula zeigt, stammten im Dezember 2013 schon 61,5 % des Datenaufkommens im Internet von „nicht menschlichen Einheiten“. Lediglich 31 % arbeiten laut neuester Studien „ehrlich“ im Auftrag von Suchmaschinen und anderen Webanalysen, der Rest ist kriminell. Sie klauen Kreditkartendaten, verwenden E-Mail-Daten für Spamattacken und infizieren Webseiten.


Viele sprechen vom Internet of Thingies – was umgangssprachlich genauso heißt, wie das zur digitalisierten Produktion vielbeschriebene „Internet of Things“. Was zwei Buchstaben ausmachen! Jetzt kommt es darauf an wirksame Sicherheit hinter alle Daten zu legen, die etwas mit Industrie 4.0 zu tun haben. Die [me]-Redaktion wird weiter die Augen offen halten und Lösungen vorstellen. Denn jetzt geht es um die Wurst. Wir brauchen ein sicheres Internet der Dinge. Ungeschützter Datenverkehr ist keine Option – auch nicht mit bester Software und intelligenten Sensoren als den Fühlern nach außen.


Herzlichst

Ihr

Peter Schäfer

 

 

Mai 2014

 

Editorial aus [me] 3/2014:

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