Rettet das Abendland 


Quote ist kein schönes Wort. Für manche von uns klingt es wie ein etwas sperriges Männerverhinderungsding oder einfach wie ein Angriff auf das Leistungsprinzip: Wer gut ist, schafft es nach oben, heißt es oft. Aber sind Männer wirklich besser?


Soviel ist sicher, in diesem Land stimmt etwas nicht: Es wird von der mächtigsten Frau der Welt regiert und eine Frau kommandiert die Soldaten. Gleichzeitig zählt es in der EU zu den Ländern mit dem geringsten Frauenanteil in Führungspositionen. Denn in den Vorständen deutscher Dax-Konzerne sitzen 13 mal mehr Männer wie Frauen. Zurück zur Quote. Die Mehrheit möchte sich nicht auf einen festen Prozentanteil aus einer Gesamtmenge festlegen. Nur 38 Prozent befürworten – laut einer repräsentativen Umfrage Mitte Oktober – die von der Bundesregierung geplante 30-prozentige Frauenquote für die Aufsichtsräte der 108 größten Unternehmen. Dabei ist die Zustimmung bei den Frauen (48 Prozent) höher als bei den Männern (28 Prozent). Die gesetzliche Frauenquote legt unter anderem fest, dass Aufsichtsratsposten unbesetzt bleiben, wenn der Frauenanteil im Führungsgremium unter 30 Prozent liegt. Und jetzt wird weiter geschlechtsspezifisch gevotet: Die Hälfte der deutschen Männer glaubt, dass es schwierig sein wird, genügend qualifizierte Frauen für diese Posten zu finden. Bei Frauen hegen da nur 35 Prozent ihre Zweifel. Die Geister scheiden sich geschlechtsspezifisch. Aber was passiert, wenn gesetzlich nichts passiert? Nichts! Ein anderes Beispiel: Erst die 100-prozentige Nichtraucherquote hat Klarheit geschafft und wird heute kaum noch angezweifelt. Das Abendland ist wider Erwarten nicht untergegangen.


Die Quote treibt uns nicht in die Krise – und wer schert sich in einer mittelständischen Wirtschaft schon um die Auffüllung der Aufsichtsräte? Außerdem wollen Frauen entsprechend ihrer Kompetenz eingestellt werden, und nicht um einen Prozentsatz aufzufüllen. Im vorigen Heinrich, der Glosse in der [me], waren die heutigen Verhältnisse auf den Kopf gestellt. In der Fiktion im Jahr 2034 hatten die Frauen das Sagen und überlegten, ob eine Männerquote angemessen sei. Die Chefredakteurin schob die schwache Männerquote in technischen Berufen z. B. auf „die frühkindliche Rollenzuweisung, das Spielen mit Ken und Barbie statt mit Lego- Mindstorm-Robotern. Und dann erst die Erfahrungen in der Schule: Handarbeit statt des agilen Entwickelns mechatronischen Designs ... .“ Sicher möchten Männer in 20 Jahren nicht in ein solches Rollenraster fallen. Aber warum sehen wir Frauen heute immer noch so? Wir müssen die die Voraussetzungen schaffen, dass Frauen technische Berufe wählen. Das Verhältnis 13 : 172 bei den Dax-Vorständen, wie es das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nachgezählt hat, ist einfach beschämend. Was läuft hier schief? Gerne möchte ich mit Ihnen darüber diskutieren.


Immerhin kommen in dieser Ausgabe der [me] starke Frauen zu Wort – in Interviews oder als Autorinnen. Diesmal sind es mehr als in manchen anderen Ausgaben, die – selbstkritisch bemerkt – wie fast alle technischen Fachzeitschriften „Männermagazine“ ohne Frauen waren.


Herzlichst

Ihr

Peter Schäfer

 


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Peter H. Schäfer
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Editorial aus [me] 6/2014, November:

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