„Was Hänschen nicht lernt ...“ 

 

 

Routinen sind das Sparprogramm des Gehirns. Vierzig Prozent der Dinge, die wir tun, haben etwas mit Routinen zu tun. Das ist ökonomisch, spart es doch Kapazitäten für schwierigere Entscheidungen. Das Gewohnte hat großen Charme. Wir unterhalten uns am liebsten in Sprachen, die wir gut sprechen und verstehen, und nicht in jenen mit dem 50-Vokabeln-Wortschatz.


Der Gewohnheitsmodus gilt auch für technische Entscheidungen. Wenn sich Maschinenbauer für SPS- oder Antriebslösungen entscheiden oder ein Engineering-System ordern, hat das viel mit der eigenen Kenntnis der Lösungen zu tun. Kaum einer wählt ruhigen Gewissens eine neue Lösung eines ihm bisher unbekannten Herstellers. An der Vorliebe fürs Gewohnte ändert selbst ein versierter Vertriebsingenieur nur wenig. Seine Argumente für die neue Lösung müssten schon sehr schwerwiegend sein oder das bekannte System technisch außen vor. Jeder potenzielle Kunde hat seinen eigenen Lernhintergrund. Der bezieht sich auf die ihm bekannten Marken und die bereits während der Techniker- oder Ingenieursausbildung erlernte Bedienerfahrung mit den aus seiner Sicht bewährten Lösungen. Auch hier gilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Ein Beispiel ist der Umgang mit speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS). Der SPS-Markt ist hart umkämpft, und Entscheidungen für künftige Systeme werden schon sehr früh geprägt. Ohne jetzt frühkindliche SPS-Prägungen im Sinne von Herrn Sigmund Freud anzusprechen, die ersten positiven Erfahrungen halten zuweilen ein ganzes Technikerleben.


Das Erlernen jeder herstellerspezifischen SPS-Technik ist zeitaufwändig und deshalb schwer im Tagesgeschäft unterzubringen. Hier greift jeder gerne auf Routinen und bereits erworbene Kenntnisse zurück. Wer später im Job eine Entscheidung für oder gegen ein SPS-System treffen muss, wird das nehmen, was er kennt. Also nur im Notfall wählt er ein System, das er neu erlernen muss. Hans greift auf das zurück, was Hänschen gelernt hat. Die erste Begegnung mit den SPS-Systemen an der Technischen Hochschule oder Universität prägt den späteren Nutzer.


Aber dafür müssen diese Lehreinrichtungen erst einmal mit den Systemen ausgestattet werden – und hier tun sich einige Hersteller schwer und machen schwerwiegende Fehler. Manche geben scheinbar „großzügige“ Rabatte, die solche Systeme für Hochschulen immer noch tausende Euro kosten lassen. Andere bieten Starter- Kits, wie z. B. Wago mit einem Koplettsystem inklusive Software für 449,– Euro. Wenn man dann aber sieht, dass für Hochschulen sechs (!) S7-1200 inkl. TIA Portal 1 098,– Euro kosten, versteht man, warum Siemens SPSen eine derartige Verbreitung finden.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Hochschulsponsoring?
Was sollten die Unternehmen tun, um hier am Ball zu bleiben?

 


Herzlichst

Ihr

Peter Schäfer

 


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Peter H. Schäfer
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Editorial aus [me] 5/2014, Oktober:

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