iPhone mit Allrad

 
Alle Welt spekuliert. Baut Apple jetzt das „iCar“? Seit Wochen verdichten sich die Hinweise. Das Wall Street Journal meldet, dass bereits mehrere Hundert Leute am Geheimprojekt mit dem Codenamen „Titan“ arbeiten.

 

Apple heuere vermehrt Autoingenieure an – und ein geheimes Team arbeite an „automobilen Produkten“. Auch ein führender Manager von Mercedes-Benz und zahlreiche Mitarbeiter des Elektroauto- Herstellers Tesla seien zu Apple gewechselt. Es herrscht Alarmstimmung.


Selbstverständlich soll das iCar zumindest ein Elektroauto sein. Da der Konzern, wie einst beim iPhone die Telefonszene, gerne ganze Branchen aufmischt, wird es wahrscheinlich ein autonom fahrendes sein. Ein Fahrzeug zu entwickeln ist teuer, aber der Konzern sitzt auf einem Geldberg von 178 Milliarden Dollar und fährt dank iPhone weitere Milliarden ein. Auch die deutsche Automobilbranche und mit ihr die zuliefernden Maschinenbauer müssen sich warm anziehen oder selbst Weltbewegendes entwickeln. Aber vielleicht dürfen sie das iPhone auf Rädern ja in Lizenz fertigen.


Zum Weltbewegen gehört allerdings nicht nur viel Geld, sondern auch ein guter Plan. Ein sich autonom bewegendes Auto ist ein intelligenter, vernetzter Roboter, der eine Hauptrolle in der Story um eine Inszenierung zu Industrie 4.0 spielt.


Google hat ihn im Forschungslabor Google X bereits gebaut. Angeblich manövriert er problemlos selbst durch den dichtesten Stadtverkehr – in den USA mag das vielleicht klappen. Aber auf den Straßen von München, Paris oder Rom hat Google-Car keine Chance. Maschinen sind mit verwirrenden Bewegungslinien und irrationalen Entscheidungen der Verkehrteilnehmer heillos überfordert. Das kann bis heute nur der Mensch. Auch die sinnliche Wahrnehmung der fahrenden Roboter lässt zu wünschen übrig, und die sichere Navigation hat enge Grenzen. Dichte Alleen, Tunnel und Häuserschluchten unterbrechen häufig die Verbindung zum Satelliten. Selbst der superschlaue Fahrroboter kann dann seine Position nicht mehr mit den ultrapräzisen Karten abstimmen. Und die Sicht: Sensoren und Kameras streiken bei Verschmutzung und schlechtem Wetter. Verwirrende Baustellenführungen und schadhafte Straßenmarkierungen stellen den Spurassistenten kalt.


Und dann zur Software. Hier gilt immer noch die Faustregel: Auf 100 Programmierzeilen kommen drei Fehler. Und die werden dann nicht still und leise mit der nächsten Version behoben, wenn das Auto auch nur im übertragenen Sinne gegen die Wand gefahren ist.


Zurück zum iCar. Das Wesentliche daran wird nicht das Fahrzeug sein – egal wie autonom es sich bewegt. Die Macken fahrender Roboter sind zweitrangig. Wie beim Technologiesprung vom Telefon zum Smartphone zählen die neuen Fähigkeiten. Die liegen sicherlich in der smarten digitalen Art: im Bildschirm, in den Zusatzfunktionen, also den sekundären Tugenden. iCar erledigt Einkäufe, schlägt Shopping-Events zur Mall vor, kennt die Preise und die besten Schnäppchen.


Dann geht es uns wie mit dem Smartphone. „Ich wusste zunächst gar nicht, wie man das Ding fährt. Das interaktive HMI ist viel interessanter als das Fortbewegen. Außerdem arbeite ich jetzt im iCar und brauche kein Büro mehr.“

 


Herzlichst

Ihr

Peter Schäfer

 


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Editorial aus [me] 1/2015, März:

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