Kakophones Konzert

Die Ratsche ist ein Lärminstrument, mit dem Kinder in der Karwoche in einigen Gegenden durch die Straßen der Dörfer ziehen. Sie wollen mit lautem Geklapper auf Gebetszeiten und Andachten aufmerksam machen und nebenbei noch einige Spenden plus Ostereier und Süßigkeiten kassieren.


Die Hannover Messe ist etwas umfangreicher als ein Dorf, aber die Ratschen gibt es dort dennoch. Sie haben die Gestalt von Erklärungen, Verlautbarungen und Foren zu Industrie 4.0. Das universelle Gesamtmarketing von Messe, großen Ausstellern, Verbänden, Universitäten, Forschungsgesellschaften und last but not least der Stab von Frau Merkel und Herrn Gabriel stimmen lautstark in dieses kakophone Konzert mit ein.


Etwas verstimmt klingt der Lärm schon, wenn man die Springprozession mit der Plattform 4.0 bedenkt. Akutes Zuständigkeitsgerangel zwischen Parteien, Ministerien und Verbänden. Wer soll der deutschen Industrie das Rüstzeug für die Digitale Revolution verpassen? Die Verbändeplattform Industrie 4.0 (Kooperation VDMA , ZVEI und Bitkom), die seit zwei Jahren die Aktivitäten ihrer Mitgliedsunternehmen bündeln, um Deutschland die Pole-Position der digitalen Revolution zu sichern? Oder soll es nun die vom Bundesbildungsministerium (BMBF) ins Feld geführte Fraunhofer Gesellschaft zum Besten richten? Die Bundeskanzlerin hat die Digitale Revolution zur Chefinnensache gemacht und der von Wirtschaftsminister Gabriel favorisierten Verbändeplattform das Fraunhofer entgegengesetzt. Und nicht genug damit. Bei Industrie 4.0 mischen auch noch das Verkehrsministerium („Digitale Netze und Mobilität“), das Arbeitsministerium (Digitale Arbeitswelten) und das Bundesinnenministerium (Verbraucherpolitik in der digitalen Welt) mit.


Aber auch die Verbände müssen sich vom Fleck rühren. Auf der Hannover Messe soll ein neues Leitgremium präsentiert werden, dem für den Maschinenbau Eberhard Veit, Vorstandschef von Festo, und Siegfried Russwurm, Siemens-Technologie- Vorstand, für die Elektroindustrie angehören sollen.


Es geht um einiges, denn die deutsche Industrie erbringt 22 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung und das von 2,6 Billionen Euro. „Wir sind zwar immer noch ganz weit vorne“, wie zum Beispiel Michael Volz von HMS in diesem Heft analysiert. Aber wenn sich hierzulande die Politik einmischt und andere sich auch streiten, reiben sich Dritte schadenfroh die Hände. Das könnte zum Beispiel das Industrial Internet Consortium (IIC) des verarbeitenden Gewerbes in den USA sein. Mit klaren Zielen und einer geschickten Marketingstrategie gewinnen die USA in Sachen Digitaler Revolution Land. Verpatzen die Deutschen eine große Chance?


Auf der Hannover Messe werden wir uns genau umschauen, was hinter dem Getöse um Industrie 4.0 wirklich steht. Machen Sie einfach mit beim Check Industrie 4.0 auf der Hannover Messe.

 


Herzlichst

Ihr

Peter Schäfer

 


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Peter H. Schäfer
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Editorial aus [me] 2/2015, April:

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