Herkulesaufgaben

„Wer nichts ist, und wer nichts kann, zündet Flüchtlingsheime an“, steht auf einem Plakat in der Münchner U-Bahn. Treffender lässt es sich kaum ausdrücken, was nicht sein darf. Fremdenhass ist etwas für gänzlich Verblödete.


Viel aufgeklärter klingt es, wenn ein derzeit noch von keinem Skandal angeschlagener Auto-Manager den aktuellen Flüchtlingsstrom als Chance für die wirtschaftliche Entwicklung sieht, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche. Mehr als 800 000 Menschen in Deutschland aufzunehmen, ist eine Herkulesaufgabe, „aber im besten Fall kann es auch eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder werden.“ Die Millionen Gastarbeiter in den 50er und 60er Jahren waren mit ein Grund für den Aufschwung. Auch Siemens-Chef Joe Kaeser baut das Engagement seines Konzerns für Flüchtlinge aus, z.B. durch Praktikantenstellen und Förderklassen. Auch wenn die großen Konzerne die Hände nicht in den Schoß legen, das Hauptengagement kommt aus dem deutschen Mittelstand.


Kreativität und schnelles Handeln sind jetzt in der Wirtschaft und der Verwaltung gefragt. Manch ein Flüchtling würde aus dem Stand heraus eingestellt werden, wenn gesetzliche Bestimmungen dies zuließen. Hier müssen schnelle und klare Regelungen her, wie z.B. sofortige Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für Flüchtlinge, die mit Sicherheit bleiben dürfen.


Der Staat muss, wie Bundespräsident Gauck sagt „angesichts des schnellen Zustroms den Bau von Wohnungen fördern und Schulen bauen, Lehrer und Kindergärtner einstellen, Arbeitswelt und Berufsbildung anpassen, deutsche Sprache und deutsches Recht lehren. Und das alles gleichzeitig.“


Zu dieser Herkulesaufgabe gehört eine Qualifikationsoffensive, wie sie im Kern von vielen Familienunternehmen bereits jetzt getragen wird. Angesichts der Klagen über den Fachkräftemangel und 40 000 unbesetzte Ausbildungsplätze, steht der nächsten Qualifikationsoffensive nichts im Weg. Klar, nicht jeder Flüchtling ist ein brillanter Ingenieur, Mechaniker oder Unternehmer. Nur eine kleine Minderheit sind gut ausgebildete Flüchtlinge mit Hochschulabschluss oder Fachausbildung. Doch es wäre fatal, wenn sich die Unternehmen die 3 Prozent der qualifizierten Migranten herauspicken würden und die restlichen Menschen ihrem Schicksal überließen: „Die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten ins Töpfchen.“


Wer sein ganzes Leben zurücklässt, ist hochmotiviert. Warum also nicht die Menschen, die zu uns kommen, ausbilden und qualifizieren. Es wäre sicherlich zu blauäugig, zu glauben, dass wir die gesamte Fachkräftelücke über Flüchtlinge schließen können. Oft sind die Qualifikationen etwas anders. Wenn Menschen kommen, die Autos oder Maschinen instand gesetzt haben, dann sind das meist keine Mechatroniker in unserem Sinne. Man muss sie nachqualifizieren, auch Probearbeiten in Firmen wäre hier eine Idee.


Denn nur wenn die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, können die Flüchtlinge helfen, den demografischen Wandel abzufedern, darin sind sich Forscher einig.


Herzlichst

Ihr

Peter Schäfer

 

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Editorial aus [me] 5/2015, Oktober:

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