Software von nah und fern

Mit mehr als 40 Millionen Euro unterstützt die EU in Sofia den Aufbau eines europäischen „Silicon Valley“. Dorthin sollen sich Unternehmen wenden, wenn ihnen z. B. Softwareentwickler fehlen. Es geht um den sperrigen Begriff Nearshore-Outsourcing.

Diese „näher gelegene“ Lösung wird als Alternative zum Farshore-Outsourcing angesehen, ein Beispiel sind die Programmierer in Indien. Auch für den Maschinenbau sehen Fachleute Potentiale für Nearshore-Lösungen, vor allem aus Polen, Bulgarien oder Rumänien.

 

Die Nearshore-Dienstleister finden sich im Netz auf einen Klick. Sie versprechen Softwaredienste vom Software Engineering über den Support bis hin zum Application Management. „Wir bieten IT-Fachkräfte mit den Kompetenzen, die Sie brauchen, wann Sie sie brauchen“, heißt es auf einer Anbieterseite, die weiter erklärt: „Wir arbeiten remote oder onsite, mit fest zugeordneten Teams.“

 

Auf den ersten Blick spart Outsourcing Kosten und macht Ressourcen im eigenen Unternehmen frei. Jeder kann sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren. Zudem kann auf Fachleute zugegriffen werden, die der heimische Arbeitsmarkt nicht hergibt. Doch nicht alles ist so rosig, wie die Dienstleister versprechen. Die Zusammenarbeit gerät auf vielen Ebenen leicht ins Stocken, dann kostet all das oft mehr als geplant. Selbst bei „näher“ gelegenen Partnern kann es sich zeigen, dass allen durch die Entfernung und die dadurch erschwerte Koordination Kosten entstehen, die das Projekt teurer machen. Welcher Engineering-Verantwortliche möchte jede Woche nach Sofia fliegen?

 

Unterschiede in Kultur, Mentalität und Sprache behindern oft die Zusammenarbeit. Gut, das muss nicht sein, denn die meisten gut ausgebildeten Fachleute aus Osteuropa sprechen ein passables Englisch. Irritiert hat mich die Team-Zusammensetzung, die auf einer Webpage gezeigt wurde: Dort waren nur typische Mitteleuropäer abgebildet. Vielleicht sehen in Rumänien – anders als in Indien – alle Softwareexperten wie hellhäutige Engländer aus. Aber das mag eine verzeihliche werbliche Hautfarben-Verirrung sein, man möchte sich von den Wettbewerbern auch optisch abheben. Aber ich glaube, Vorurteile gegenüber der Hautfarbe spielen im Maschinenbau keine Rolle.

 

Bei einem außereuropäischen Sitz des Partners können auch rechtliche Probleme auftauchen, zum Beispiel wenn der Offshore-Partner für die Gehaltsabrechnung mit personenbezogenen Daten arbeitet, die das Unternehmen nicht außerhalb der EU verbreiten darf. Nicht umsonst ist die EU gewachsen und hat neue Mitglieder aufgenommen, denn Nearshore-Dienstleister sind hier aus dem Schneider.

 

Unterm Strich betrachtet verlagern viele deutsche Unternehmer Arbeitsprozesse außerhalb ihrer Kernkompetenz vermehrt ins nähere Ausland (alles, was links von Indien liegt). In den Managementetagen heißt das kurz und knapp „BPO“ (Business- Process-Outsourcing). Bereits jedes dritte deutsche Unternehmen arbeitet nach einer Techconsult-Studie mit Partnern für Outsourcing im Ausland zusammen. 


Herzlichst

Ihr

Peter Schäfer 

 

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Editorial aus [me] 6/2015, November:

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