Was wird aus meinem Job?

„Der kann das schon allein“, sagt der Forscher über den Roboter, der ihm hinterherfegt. Vor allem hilft der Putzroboter gegen Personalmangel und Kostendruck. Kürzlich hat Bosch ein Agrarroboter vorgestellt, der mehr als ein Erntearbeiter leistet. Bonirob gibt jeder Pflanze im Feld eine Adresse, beobachtet ihre Entwicklung und entscheidet sogar, ob sie sich zur Züchtung eignet.

Er analysiert über Kameras die Blattformen und erkennt Unkraut, das er gleich mit einer Stange tief ins Erdreich rammt. Dadurch werden weniger Herbizide gebraucht. Für uns als Techniknutzer und Verbraucher sind das gute Nachrichten. Und der Betreiber freut sich über absehbare Investitionen, geringe laufende Kosten und keine Lohnzahlungen. Doch was wird aus den Menschen? Vor allem, wie ergeht es Geringqualifizierten? US-Studien sagen voraus, dass Mitte des Jahrhunderts jeder zweite Job verschwindet.


Ist das Schwarzmalerei? Seit der Dampfmaschine wurden nicht alle Jobs wegrationalisiert. Es sind immer neue und eben auch qualifiziertere entstanden. Allerdings setzt neue Technik einen erheblichen Strukturwandel der Gesellschaft in Gang. Wenn die Roboter heranwachsen, wird sich das Leben der Menschen vereinfachen - in der Theorie. Aber bis wohin ist die Zunahme der Fähigkeiten der Roboter schmerzfrei? Bei der jetzigen digitalen Revolution entfallen auch Arbeitsplätze von Facharbeitern und Fachangestellten. Routinejobs übernehmen die automatisierten Helfer des Menschen mit links. Die U3 in Nürnberg verkehrt fahrerlos, automatisch fahrende Straßenbahnen sind im Test und bei manchen Assistenzsystemen stehen nur noch rechtliche Hürden im Wege.


Die Automatisierung findet längst nicht mehr nur hinter Fabriktoren statt. Sie wird dort immer ausgeprägter und rückt immer stärker ins öffentliche Interesse. Wenn Roboter in Japan alte und kranke Menschen pflegen, kommen Emotionen ins Spiel und ganz neue gesellschaftliche Dimensionen.


Auch Industrie 4.0 ist mehr als nur Technik und nicht von ungefähr wird jetzt über Arbeit 4.0 diskutiert. Investitionen für Weiterbildung und Umschulung müssen steigen und vor allem wird das Thema Technik als Assistenz des Menschen immer wichtiger. Mensch-Roboter- Kollaboration ist aktueller denn je. Dabei wird sich zeigen, dass Technik auch niedrig qualifizierten Menschen assistieren muss, um deren Arbeit produktiver zu machen.


Die Erfolgsstory Mensch & Roboter lässt sich aus vielen anderen Blickwinkeln auf der Automatica aufspüren. „Roboter sind flexible Werkzeuge“, sagt Helmut Schmid von Universal Robots im Interview auf Seite 42 und betont, dass Menschen und Maschinen jeweils das tun, was sie am besten können. „Die Schwächen des einen werden durch die Stärken des anderen ausgeglichen“.


Klar, der Roboter entlastet den Menschen. Er kann ihm direkt assistieren und ihn von monotonen, kräftezehrenden und nicht ergonomischen Arbeiten befreien. Roboter und Mensch bilden das optimale Team in der Smart Factory: „Der Mensch ist und bleibt kognitiv überlegen, ist kreativ und arbeitet als Stratege“, sagt Schmid. Bleibt nur zu hoffen, dass entsprechende Aus- und Weiterbildung diese Fähigkeiten ausprägen. Dafür muss Arbeit 4.0 noch stärker in den Fokus treten.

Herzlichst Ihr

Peter Schäfer 

 

 

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Editorial aus [me] 3/2016, Juni:

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