Die Aura der Maschinen

Neue Maschinen sollen produktiver sein bei größerer Flexibilität bis hin zu Losgröße 1, und sie müssen energieeffizienter sein. Ein vereinfachter Engineering- Prozess ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Aber das ist längst nicht alles, was zur Maschine und ihrer Funktionalität gehört. Sie kann noch so viele Vorzüge und Alleinstellungsmerkmale haben, „sie muss das auch ausstrahlen“, hat die Designerin Petra Kurz-Ottenwälder auf dem Verpackungstag im Juni erklärt. Denn über ihr Design interagiert die Maschine, sie „spricht direkt mit dem Kunden“. Aber dazu muss eben nicht nur ihre Funktionalität überzeugen. Für die Kommunikation mit dem Kunden spielt Design eine Hauptrolle, findet Ottenwälder.


Wie das so oft ist, bewirken Worte: „Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“. Also wo bleibt der Beweis für die Kraft des Designs? Den hat mir Frau Ottenwälder einige Monate später auf der Fachpack in Nürnberg anhand einer realen Maschine geliefert, deren Design sie und ihr Team entwickelt haben. Auch das Überzeugen des skeptischen Redakteurs war Teamarbeit. Am Stand von Schubert hat mir Johannes Schubert erläutert, wie die neue Verpackungsmaschine UNI 6 funktioniert, und Petra Kurz-Ottenwälder hat dazu den Part des Designs gespielt. Jetzt verstehe ich die Sprache des Designs besser. Diese Maschine ist nicht nur ästhetisch ein Designerstück, die Gestaltung unterstreicht in jeder Hinsicht die Funktionalität.


Von der Praxis des Sehens zurück zur Story des Designs: Bisher ging es um Massenfertigung in vergleichsweise wenigen Varianten. „Heute brauchen wir das Design, das die geforderte extrem hohe Flexibilität überhaupt ermöglicht!“, formuliert Ottenwälder in Anbetracht der Agenda von Industrie 4.0. Schließlich steht dahinter immer das Versprechen der Losgröße 1. „Kunden wollen ein maßgeschneidertes Produkt zum Preis eines Massenprodukts.“ Spätestens hier wird es ernst für die Designer, denn Design 4.0 macht jede Maschine zum Unikat: innerlich und äußerlich!


Wie hat sich das Outfit der Maschine in den letzten 5 Jahren doch geändert! Die kantigen Kisten werden seltener wie auch die öden, aber praktischen Schränke, in denen Werkzeuge auf Hochtouren arbeiten, während nebendran die gleiche Maschine läuft. Stattdessen fesseln durchgestylte modular zusammengefügte Designerstücke oft jetzt noch auf Messen, aber dann bald in vielen Fertigungslinien die Blicke der Besucher.


Augenfällig bei solchen Maschinen ist die klare ergonomische Form - kurzum ein funktionales Design, das durch die Gestaltung der Maschine, die Technik erklärt und die Bedienung vereinfacht. Die Sicherheitstechnik zum Beispiel erklärt sich fast von selbst an der Maschine, der gewissermaßen Design 4.0 zugrunde liegt. Und überhaupt: Das passt wiederum perfekt zur smarten Fabrik, in der jedes Produkt ein Unikat sein kann. Noch eine Besonderheit des guten Designs funktional ausgereifter Maschinen ist das Understatement. Petra Kurz-Ottenwälder nennt diesen guten Charakterzug: „emotionalen Purismus“.

 

Herzlichst Ihr

Peter Schäfer 

 

 

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Editorial aus [me] 5/2016, Oktober:

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