Fail fast, try often

„Digitalisierung und Industrie 4.0“ ist heute das Thema an jedem Stand der Industriemessen. Wie bereiten sich diese Unternehmen seitens ihrer Firmenkultur auf die vielbeschworene digitale Transformation vor? Disruption verlangt neue Wege, die anfangs keiner kennt. Eine der vielen Gretchenfragen lautet: Wie halten sie es mit der Fehlerkultur? Ständig geht etwas schief, auch bei bodenständigen Projekten. Aber was passiert dann?

 

Muss sich der Schuldige wie bei VW am Fehlertisch verantworten? Oder wird Versagen als Beginn eines Entwicklungsprozesses gesehen: „Wir bauen einen völlig anderen Motor“ hätte dann die Botschaft an die Entwickler gelautet. „Fail better“: Versagen akzeptieren und aus Fehlern lernen, funktioniert in Unternehmen nur mit einer Fehlerkultur.


Im Silicon Valley wird sie gepflegt. Google führt hierfür nach jedem missglückten Projekt ein „Post mortem“ durch, eine Art Obduktion des Projektes. Jeder weiß danach, was passiert ist und was man nächstes Mal besser machen kann.


Aber so leicht ist der konstruktive Umgang mit Fehlern nicht, Probleme werden nicht immer offen angesprochen. Vielleicht hat das auch mit deutscher Perfektion, dem Ingenieursdenken zu tun: Alles muss perfekt sein. Null-Fehler-Toleranz steckt in unserer DNA. Sie macht aber auch ängstlich und nimmt die Lust am Neuen, an Innovationen, die wiederum die DNA der digitalen Transformation sind. In vielen Unternehmen ist es Gesetz, dass der Chef einen in den Senkel stellt, wenn etwas nicht funktioniert, siehe Martin Winterkorn am Schadentisch.


In einem Klima der Angst funktioniert auch keine digitale Transformation. Sie braucht Toleranz und flache Hierarchien und vor allem Anregungen zum Blick über den Tellerrand. Die Angst vor Fehlern führt zu Duckmäusertum und lädt zum Verweilen in vertrauten Bahnen und Denkmustern ein. Das ist kein gutes Biotop für Kreativität. Wir sind heute im globalen Wettbewerb auf neue Ideen angewiesen, und dazu zählt auch die produktive Kraft des Flops: Nur zwei von zehn Ideen gelangen zur Marktreife. Aber auf die beiden kommt es an! Wenn sich keiner traut und das Risiko des Flops scheut, treten keine wirklichen Innovationen zu Tage. Und es reicht heute nicht, seinen alten Kamellen das Schild „Weltneuheit“ umzuhängen.


Meine These: Fehlerintoleranz verhindert Innovationen. Aber dort, wo die Fehlerkultur gepflegt wird, hat selbst ein gescheitertes Projekt so einen Mehrwert für das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Es muss wohl so etwas wie das erfolgreiche Scheitern geben.


Übrigens: Die Idee der Fehlerakzeptanz stammt nicht erst aus dem Treibhaus der digitalen Transformation, dem Silicon Valley. Dem römischen Dichter Seneca wird nicht nur das Zitat „Irren ist menschlich“ zugeschrieben, er hat auch geschrieben: „Warum gesteht niemand seine Fehler?“ und sich selbst geantwortet. „Weil er noch ganz in ihrer Haft ist.“ Also keine Angst beim agilen Entwickeln.


Herzlichst Ihr

Peter Schäfer 

 

 

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Editorial aus [me] 5/2017, Oktober:

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