Losgröße 1: Rechnet sich das? 

Alles muss individuell sein: das Auto, die Schuhe, das Müsli, die Verpackung und last, not least die Maschinen, auf denen all das produziert wird. Losgröße 1 heißt das Zauberwort. Losgröße 1 ist der Lockruf von Industrie 4.0. Wer kann sich das wirklich leisten?


Wer sich bei Mymuesli sein persönliches Müsli bestellt, zahlt gerne etwas mehr. Doch im B2B-Geschäft läuft das anders. Flexibilität mit einer Losgröße 1 soll eben nicht durch höhere Preise erzielt werden, erwartet der Kunde. Wenn er nicht mehr zahlt, muss die Produktivität besser werden. Unterm Strich sollte die Fertigung dadurch ressourcenschonender und nachhaltiger werden. Die Erwartungen sind hoch. Doch das ist zunächst einmal reine Theorie, denn Flexibilität, bessere Produktivität und effizienter Ressourcenverbrauch sind häufig ausgereizt. Oft bleibt es heute noch beim vollmundigen Versprechen: Wir machen alles kundenindividuell, ohne dass der Kunde mehr dafür zahlt. Rechnet sich das und kann das stimmen? Also Massenware als Einzelstück zu fast dem gleichen Preis? Industrie 4.0 geht davon aus. Morgen wird kein guter Kunde, der mit einem eiligen Wunsch nach einer besonderen Welle mitten in einen laufenden Großauftrag reinplatzt, auf morgen vertröstet. Das intelligente Werkstück bekommt einen eigenen Chip mit allen Konstruktionsdaten und Prozessschritten. Vernetzt mit dem Maschinenpark läuft es selbständig alle Arbeitsschritte bis zur fertigen Welle ab. Dazu wird der Rohling zum Beispiel auf einen Fahrroboter montiert, der alle frei werdenden Maschinen ansteuert, ohne der laufenden Produktion anderer Teile in die Quere zu kommen. In einigen smarten Fabriken läuft die schöne neue Welt bereits heute.


Aber der Alltag in der Fertigung sieht meist noch etwas anders aus, einfach weniger smart. Kleine Losgrößen bedeuten steigende Rüstkosten, da die Produktionsanlagen häufiger an die individuellen Anforderungen angepasst werden müssen. Prozesse werden dadurch komplexer und müssen koordiniert werden. Vom intelligenten Werkstück, das sich seinen Weg durch die vernetzte Produktion sucht, sind die meisten Betriebe noch meilenweit entfernt. Individualisierte Massenproduktion bringt es heute mit sich, dass der Kunde kurzfristig entscheidet, was produziert wird. Während früher das produzierende Unternehmen solche Entscheidungen weit im Voraus getroffen hatte, wird Planung immer unsicherer. Dass Industrie 4.0 hier dringend kommen muss, zeigt der Zerfall der klassischen Wertschöpfungsketten. Gefragt sind eine hohe Anpassungsfähigkeit und Geschwindigkeit. Dazu gehört ständige Verfügbarkeit aller gewünschten Teile, ohne überhöhte Lagerbestände in Kauf nehmen zu müssen. Sozusagen als Light-Version von Industrie 4.0 sind Wertschöpfungsnetzwerke und Algorithmen mit künstlicher Entscheidungsintelligenz gefragt, um die wachsende Anzahl einzelner Aufgaben blitzschnell koordinieren zu können. Mit mittleren Losgrößen lässt sich hier gut arbeiten. Bis Losgröße 1 mit Preisen der Massenproduktion möglich wird, bedarf es noch einiger weiterer Schritte. Aber alles läuft in diese Richtung. Let’s get smart!


Herzlichst Ihr

Peter Schäfer 

 

 

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Peter H. Schäfer
Schragenhofstraße 35 Haus A
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Editorial aus [me] 1/2017, März:

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