Abb. Karl Bichlmeir
Neue Domain-Endungen 2012 – Fluch oder Segen?

Markenexperten raten Unternehmen, dem Marken-schutz im Internet jetzt höchste Priorität zu geben.

Hintergrund ist der Umstand, dass sich ab 2012 Internet-Nutzer für neue Internetadressen bewerben können, die z.B. auf Marken-, Firmen-, Städtenamen oder einfach Allgemeinbegriffe enden. Neue Top-Level-Domains können ab dem 12. Januar 2012 bei der ICANN angemeldet werden.   RA RÜDIGER KÖBBING

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) teilte mit, dass bis Ende 2012 so hunderte neue Endungen geschaffen werden könnten. Derzeit existieren 290 Länderkennungen wie .de für Deutschland und .fr für Frankreich sowie 22 freie Bezeichnungen.

Die Einführung neuer Domain-Endungen für das Internet wird Inhaber bekannter Marken unter Zugzwang setzen: Für Kennzeicheninhaber, deren Marken oder Unternehmenskennzeichen auch von anderen benutzt werden, wenngleich für andere Waren oder Dienstleistungen, ergibt sich ein ernsthaftes Problem. Die Top-Level-Domains kennen keine Unterscheidung nach Waren- und Dienstleistungsklassen entsprechend dem Markenrecht. Sollten sich mehrere Inhaber gleicher oder ähnlicher Kennzeichen um entsprechende Top-Level-Domains bewerben, kann dies ausgesprochen teuer werden: Die begehrte Domain wird an den Meistbietenden versteigert. Doch auch der „einfache“ Erwerb einer eigenen Top-Level-Domain ist nicht gerade günstig und unkompliziert: Die Gebühr für die Bewerbung bei der ICANN beträgt $ 185 000 und das Regelwerk für den Bewerbungsprozess umfasst 360 Seiten. Damit soll aber verhindert werden, dass Dritte in betrügerischer Absicht, wie es früher leider zu häufig der Fall war, wertvolle Adressen sichern.

Experten gehen davon aus, dass so die Kontrolle der eigenen Marken verbessert werden könnte, da Endungen wie .apple oder .ipad die Kunden direkt zu diesen Produkten führen können.

Um eine Registrierung der eigenen Marke oder des eigenen Firmennamens durch Dritte zu verhindern, müssen Inhaber von Marken und Unternehmenskennzeichen wie die Firma jetzt entscheiden, welche neuen Top-Level-Domains sie ab dem 12. Januar bei der weltweit für die Vergabe von Domains zuständigen ICANN anmelden möchten.

Abzuwarten bleibt, wie mit diesen neuen Internet-Endungen schlussendlich umgegangen wird. Die Gefahr von Verletzungen droht dabei gerade auch auf der Ebene der Second-Level-Domains. Inhaber von allgemeinen Top-Level-Domains wie .sensoren oder .computer können in Verbindung mit diesen eine beliebige Anzahl von Second-Level-Domains verwenden. Dies kann bei den vielen verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten durchaus zu Problemen führen.

Im Falle der Registrierung einer verletzenden Domain bleibt aber immer noch der Rückgriff auf die Streitbeilegungsverfahren der ICANN. Weitere Informationen sind bei der ICANN abrufbar. 

Für alle Kennzeicheninhaber gilt somit, sich umgehend mit der Frage der Registrierung einer entsprechenden First-Level-Domain auseinanderzusetzen und alle weiteren Vorbereitungen zeitnah anzugehen, auch wenn das dreimonatige Vergabeverfahren erst am 12. Januar 2012 startet.

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