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Werbung mit Testergebnissen – was ist zu beachten?

Die Werbung mit Testsiegerergebnissen ist in allen Branchen ausgesprochen beliebt und von Bedeutung. Schließlich  spricht das in besonderer Weise potentielle Kunden an. Allerdings werden hierdurch auch Mitbewerber kritisch benannt und dargestellt, was aus rechtlicher Sicht nicht unproblematisch ist.   RÜDIGER KÖBBING, LL.M.  

 


Werbung mit Testergebnissen führt bei Herstellern bzw. Händlern meist zu deutlichen Umsatzsteigerungen. So führt ein positives Testergebnis oder besser noch der Status „Testsieger“ sowohl bei Angestellten, also intern, als auch extern bei Kunden und Interessenten zu einem Ansehensgewinn. Wer allerdings mit Testergebnissen irreführende Werbung betreibt, läuft Gefahr, dass diese Art der Werbung als unzulässig qualifiziert wird, was zu Abmahnungen, aber auch einstweiligen Verfügungen und Gerichtsverfahren führen kann. Chancen und Risiken der Werbung mit Testergebnissen betreffen dabei nicht nur Hersteller, sondern auch Händler.


Auf der einen Seite besteht die Chance auf ein Image-, Kunden- und am Ende Umsatzgewinn. Auf der anderen Seite besteht aber ein Risiko darin, dass Hersteller oder Händler irreführend mit Testergebnissen werben. Irreführende Werbung täuscht den Verbraucher, weil er keine wahren Informationen erhält. Insofern kann irreführende Werbung eine Kaufentscheidung des Verbrauchers herbeiführen, die er sonst nicht getroffen hätte. Hiergegen gehen Verbraucherverbände oder auch Wettbewerber vor, meist zunächst mit einer Abmahnung, erforderlichenfalls gerichtlich.


Bei Werbung mit Testergebnissen ist zunächst Folgendes zu beachten: Die Angaben haben für einen normalsichtigen Betrachter ohne besondere Konzentration und Anstrengung erkennbar zu sein. Diese Voraussetzung ist grundsätzlich bei der Verwendung einer 6-Punkt-Schrift noch erfüllt.


Die Lesbarkeit der Fundstelle sollten Hersteller und Händler in Prospekten stets beachten. Das gilt natürlich vor allem dann, wenn neben Produktabbildungen zusätzlich blickfangmäßig Testergebnisse hinzugefügt werden. Das gilt aber auch dann, wenn sich Testergebnisse bereits auf den Produktverpackungen der Hersteller befinden und diese Verpackungen lediglich in Prospekten abgebildet werden. Darin sehen Gerichte eine eigene Werbung mit Testergebnissen, die nicht irreführend sein darf.


Besonders beliebt ist die Werbung mit Testergebnissen der Stiftung Warentest. Zum 1. Juli 2013 stellt die Stiftung Warentest ihr System zur Werbung mit Testergebnissen komplett um. Bislang stellte die Stiftung Warentest für die Werbung mit Testergebnissen nur Bedingungen auf, die vor allem die Nutzung ihres Logos betraf. Künftig muss für die Nutzung des Logos zunächst ein Lizenzvertrag geschlossen werden. Hersteller können eine Lizenz für maximal 2 Jahre erwerben. Händler müssen selbst keine Lizenz erwerben. Sie dürfen mit dem Logo der Stiftung Warentest aber nur werben, wenn sie vom Hersteller eine Unterlizenz für das entsprechende Produkt erhalten haben. Neu ist also, dass die Werbung für ein Produkt mit Testergebnissen der Stiftung Warentest samt Logo künftig auf 2 Jahre beschränkt ist.

 

Worauf haben Hersteller zu achten? 


Hersteller sollten immer die Fundstelle der Testveröffentlichung auf der beworbenen Ware angeben. Der Verbraucher soll nämlich die Testveröffentlichung finden und die Werbung überprüfen können. Ferner sollten Hersteller gerade bei älteren Testergebnissen sicherstellen, dass die beworbene Ware noch mit der getesteten Ware übereinstimmt. Ältere Testergebnisse können durch neuere Produktentwicklungen überholt  sein. Wenn für Weiterentwicklungen keine aktuellen Testergebnisse vorliegen, kann eine Werbung mit älteren Testergebnissen irreführend sein. Irreführend kann auch die Werbung mit einer „guten“ Note sein, wenn das Produkt unter dem Notendurchschnitt der getesteten Waren geblieben ist und der Hersteller den Verbraucher auf diesen Umstand nicht hinweist.


Was für Hersteller gilt, gilt grundsätzlich auch für Händler. Händler sollten vor allem auf die Lesbarkeit der Testergebnisse achten, mit denen sie werben. Hierbei sind schlecht lesbare Fundstellen gänzlich fehlenden Fundstellen gleichzusetzen und damit als irreführend einzustufen, weil in beiden Fällen der Verbraucher die Testveröffentlichung nicht überprüfen kann.

 

Folgende Punkte sind im Wesentlichen zu beachten:

  • es ist der exakte Fundort der Veröffentlichung des Tests anzugeben und sicherzustellen, dass die Fundstelle des Testergebnisses klar und deutlich lesbar ist;
  • das Testergebnis ist korrekt und ohne Veränderungen / Abwandlungen zu übernehmen (also exakter Wortlaut ohne Umschreibung mit eigenen Worten) und die Werbung darf sich nur auf das tatsächlich getestete Produkt beziehen;
  • Werbung mit älteren Testergebnissen ist allein dann zulässig, wenn die Testergebnisse nicht durch aktuellere Ergebnisse oder durch eine entscheidende Veränderung der Marktlage aktualisiert und die Ware nicht durch technische Weiterentwicklungen überholt worden ist;
  • der Veröffentlichungszeitpunkt ist ersichtlich zu machen, das betreffende Produkt muss mit dem seinerzeit Geprüften gleich sein und die Bewertungskriterien dürfen sich nicht geändert haben bzw. wenn zwar neuere Testergebnisse zur selben Warengattung vorliegen, haben sich diese auf ein anderes Preissegment zu beziehen;
  • mit dem Ergebnis „sehr gut“ darf geworben werden ohne Hinweis auf Produkte mit ebendiesem Ergebnis;
  • der Rang im Verhältnis zu den ebenfalls getesteten Produkten darf nicht verschleiert werden, das heißt im Onlineangebot ist anzugeben wie viele Produkte insgesamt getestet wurden und welchen Platz das Produkt im Gesamtranking erzielt hat;
  • bei Testergebnissen mit „stichprobenartiger Auswahl“ ist ein Hinweis erforderlich, dass das Ergebnis nicht repräsentativ ist.

 

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Beitrag aus [me] 5/2013

 

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