Patentanalyse inside

Patentanalysen verraten einiges – deswegen sind sie für Unternehmen, die in einem Bereich tätig sein, bei dem Forschung und Entwicklung unabdinglich ist, unerlässlich. Sie geben Aufschluss über spezifische Trends in bestimmten Technologien oder industriellen Sektoren oder auch darüber, wo und wie Wettbewerber gerade aktiv sind. Insofern sind sie für entwickelnde und forschende Unternehmen unverzichtbar.

RA Rüdiger Köbbing LL.M. 


Mit der Patentierung von technischen Lösungen liegen detaillierte Informationen über die geschützte Technologie in Form von Offenlegungsschriften vor, die Dritten frei zugänglich und umfangreich auswertbar sind. Durch die hierarchische Gruppierung von Patenten nach der internationalen Patentklassifikation können durch Patentanalysen relevante Technologiefelder definiert und bedeutende Technologien erkannt werden. Weil Patente in der Regel vier bis sieben Jahre vor der wahrnehmbaren marktlichen Verwertung der technologischen Lösung angemeldet werden, kann in Abhängigkeit von der Branche aus dem Zeitpunkt der Patentanmeldung sowie der Kenntnis des technologischen Umfeldes auch auf den Verfügbarkeitszeitpunkt am Markt geschlossen werden. Damit stellt die Patentanalyse ein sehr wirksames Verfahren zur Unterstützung des Technologie-Roadmapping dar.

 

Bahnbrechende Technologien erkennen


Ziel der Patentanalyse ist es somit, zukünftig bedeutungsvolle Technologien, deren Charakteristika und Einflussfaktoren möglichst so früh zu erfassen, dass noch rechtzeitig vorbereitende Maßnahmen zur Aneignung und Nutzung der Technologie aufgebaut werden können.


Hierbei kann sowohl der allgemeine Stand der Technik als auch die Technologiepolitik bzw. -strategie eines Konkurrenten analysiert werden. Die Patentanalyse dient nicht nur der Technologiefrüherkennung, sondern zeigt auch an, welche Technologien in Zukunft veralten werden. Auch der Technologieführer eines Technologiefelds und neue Wettbewerber können identifiziert werden. Die Patentanalyse ist eine spezielle Art der Literaturanalyse. Die Durchführung kann eigenhändig bei Patentinformationszentren bzw. -stellen durch Recherchieren in Datenbanken oder durch einen Patentanwalt geschehen. Letzteres ist jedoch mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden. Das Vorgehen der eigenhändigen Patentanalyse kann in sieben Schritte unterteilt werden. Zunächst wird der Untersuchungsbereich festgelegt, bevor das Recherchemedium und -Stichworte ausgewählt werden und die eigentliche Recherche durchgeführt wird. Nach der Recherche werden die Ergebnisse klassifiziert, analysiert und selektiert.


Der größte Vorteil der Patentanalyse ist ihre starke Aussagefähigkeit. Sie stellt ein mächtiges Instrument der Technologiefrüherkennung dar, kann aber auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden (z.B. Markteintritt neuer Wettbewerber).

 

Der Blick nach außen


Bei der Patent-Analyse wird der Fokus in erster Line auf das Unternehmensumfeld gerichtet. Das Ziel der Methode umfasst einerseits den Stand sowie die Entwicklung der Technik zu identifizieren, andererseits die Technologiepolitik von Wettbewerbern zu analysieren. Außerdem dient die Patent-Analyse der Technologiefrühaufklärung und der Identifikation externer Wissensquellen. Die gebräuchlichste Methode zur Analyse von Patenten ist es, die Anzahl an Patentanmeldungen zu zählen. Hierbei kann zwischen der Gesamtzahl der Anmeldungen bei den verschiedenen wichtigen Patentämtern (z.B.: USA, Deutschland, Europa, Japan, Korea und China) und der Anzahl an Auslandsanmeldungen unterschieden werden. Letztere haben sich in der Vergangenheit als besserer Indikator erwiesen, da für Auslandsanmeldungen höhere Kosten fällig werden und so i.d.R. von einer tatsächlichen wirtschaftlichen Nutzung ausgegangen werden kann.


Einfache Häufigkeitsvergleiche vernachlässigen allerdings die Tatsache, dass Patente in ihrer Bedeutung erheblich schwanken. So stellt sich die Frage, ob Patente wirklich als Indikator für technologische Innovationen gelten können. An dieser Stelle setzt die sog. „Zitations-Analyse“ an. Die Idee hinter dieser Variante der Patent-Analyse ist, dass viel zitierte Patente wichtigere Informationen enthalten als weniger zitierte Patente. Allerdings ist weder jedes viel zitierte Patent von besonderer Bedeutung, noch wird jedes wichtige Patent häufig zitiert. Zahlreiche Studien haben jedoch eine starke positive Korrelation zwischen Zitationen und technologischer Wichtigkeit nachgewiesen. Ein Anhaltspunkt zur Messung der technologischen Aktivität in einem Bereich ist die Anzahl der aktiven Patentinhaber (z.B. Unternehmen oder Privatpersonen). Sind z.B. alle Unternehmen einer Branche in einem Technologiebereich tätig, so spricht dies für eine höhere Aktivität als wenn nur ein Unternehmen in diesem Bereich Patente anmelden würde. Wesentliche Grundlage für eine Patentanalyse ist das Verstehen und der Umgang mit Patentfamilien. Hierzu im nächsten Beitrag mehr.

 

Vorschau: Was sind Patentfamilien?

In der folgenden Ausgabe dieser Reihe erklärt Rechtsanwalt Rüdiger Köbbing eine weitere Grundlage der Patentanalyse. Es geht dabei um das Verstehen und den Umgang mit Patentfamilien.

 

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Beitrag aus [me] 4/2014

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